Zeit

Sa 11.5.2024
14.00 Uhr

Ort

Kunsthalle Exnergasse

(c) Abgebaute Fahnenmasten an der ehemalige SED Parteihochschule „Karl Marx“ (PHS) der DDR, Rungestraße, Berlin-Mitte, 2013, Christof Zwiener
KunstAusstellung
Kunsthalle Exnergasse

nach 1990

Im Rahmen der Ausstellung vanishing structures. Politiken des Verschwindens wird Christof Zwiener sein Projekt "nach 1990" am 11.5.24 um 14.00 Uhr vorstellen.

In der Frimbergergasse in Wien befindet sich noch heute das Gebäude der ehemaligen Botschaft der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Österreich. Der sozialistische Staat existierte von 1949 – 1990, ist eng verwoben mit dem kalten Krieg und dem Fall des sogenannten Eisernen Vorhangs, sein Verschwinden ist bis heute prägend für die soziale und politische Landschaft in Deutschland. 

Für „vanishing structures” hat Christof Zwiener den dem Gebäude vorgelagerten Fahnenmast abgebaut und in die Ausstellung überführt. Die künstlerische Aktion hinterlässt einerseits eine Leerstelle im Stadtbild Wiens und ist gleichzeitig ein Eingriff in das ehemalige Staatsgebiet der DDR. Weiter verliert der Fahnenmast durch den Abbau seine Funktion, die verknüpft ist mit Fragen von Repräsentation, Staatlichkeit und Dominanz. 

Im Rahmen einer umfangreichen und anhaltenden Recherche suchte Christof Zwiener über mehrere Jahre detailliert den öffentlichen Raum Ost-Berlins nach Spuren der DDR ab. In diesem Zuge dokumentiert er Fahnenmasten, die wie Relikte einer anderen Zeit auf die Existenz eines Staates verweisen, den es heute nicht mehr gibt. Die Fahnenmasten prägen bis heute das Stadtbild Berlins, ihr sukzessiver Abbau ist jedoch ein Symptom davon, wie DDR-Geschichte allmählich aus diesem verschwindet und damit die Geschichte eines bedeutenden Teils der Stadtgesellschaft allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis herausgeschrieben wird. 

Christof Zwiener (1972 / DE) befasst sich kritisch mit Geschichtsschreibung und deren Leerstellen und arbeitet sowohl performativ und fotografisch sowie installativ und ortspezifisch. 
 

Die Ausstellung vanishing structures. Politiken des Verschwindens untersucht, welche Fragestellungen und sozialen, politischen und ökologischen Bedingungen mit dem Verschwinden von Architekturen, Landschaften, Personen oder Traditionen verknüpft sind. Dabei werden schleichende Prozesse, beispielsweise Veränderungen im urbanen Raum, ebenso betrachtet wie die Zeitlichkeit globaler Warenströme oder fiktive Zukunftsszenarien, die voraussetzten, dass heutige Zivilisationen nicht mehr existieren. Der Fokus des Projekts liegt auf Veränderungsprozessen, Verlorengegangenem und Abwesenheiten, die oft nur von Wenigen oder gar nicht bemerkt werden. Die beteiligten Künstler_innen arbeiten vor unterschiedlichen lokalen und kulturellen Hintergründen und mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen zu den Politiken des Verschwindens und ermöglichen einen translokalen Blick auf das Thema.

Künstler_innen: Ana Alenso, Anca Benera & Arnold Estefan, Chan Sook Choi, Karolina Freino, Shirin Mohammad, Silvia Noronha, Maha Yammine und Christof Zwiener

Kurator: Vincent Schier

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