Des Veranstalters Geheimrezept: Auf das Publikum achten

David Strolz mit Kopfhörern
© Daniel Eberharter

Des Veranstalters Geheimrezept: Auf das Publikum achten

Portraitserie

David Strolz, Mastermind von der Clubreihe Silent Disco, im Interview – Teil 3 der Portraitserie über Veranstalter_innen im WUK.

Die Batterienaufladestation surrt und ist nur eine weitere Wärmequelle in dem von der Frühlingssonne aufgeheizten Zimmer im Dachgeschoss eines Bürogebäudes in Wien Neubau. Der abgedunkelte Raum fungiert als Lager für die 5000 Funkkopfhörer und deren Batterien, die jede Woche aufs Neue energieneutral aufgeladen werden. „Die Kopfhörer werden hier auch nach jedem Einsatz gereinigt und desinfiziert“, erzählt David Strolz, seines Zeichens Veranstalter der Silent Disco, die seit einem Jahr in Wien im WUK ihr perfektes Zuhause gefunden hat. „Wir haben in Wien im Camera Club gestartet, doch der wurde schon nach kurzer Zeit zu klein für uns“.

Aus der Not eine Tugend

Begonnen hat für den aus Vorarlberg stammenden Strolz alles während eines Praktikumsaufenthalt in Leicester. Bei einem Stadtfestival hat der damals 17-jährige Schüler mitbekommen, wie eine Party im Stadtzentrum aufgrund von Lärmschutzbedingungen pünktlich zu Mitternacht abgedreht wurde –so schien es zumindest. Die Besucher_innen tanzten weiter, sogar ausgelassener als vorher. „Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht, und es war eine Riesenhetz! Das will ich zu Hause auch machen“, sagte er sich damals, und dieser Entschluss vor fünf Jahren hat sein Leben verändert.

Das Konzept von Davids Silent Disco ist an sich schnell erklärt: Die Partybesucher_innen bekommen einen Kopfhörer aufgesetzt, mit dem sie auf zwei Kanälen zwischen verschiedenen DJs vor Ort wechseln können. Je nach Lust und Laune kann sich jede_r Besucher_in aussuchen, was er oder sie hören will. Fast könnte man meinen, der Vorarlberger habe eine Wissenschaft aus seiner Silent Disco gemacht. „Es gibt extrem viele Dinge, auf die man aufpassen muss, an die man am Anfang gar nicht denkt. Dabei geht es nicht nur um die Auswahl der DJs, die auch mit dem Publikum direkt kommunizieren müssen. Auch die Versorgung und Instandhaltung der Kopfhörer hat David durchgeplant und perfektioniert. „Man muss auf das Publikum achten“, weiß Strolz.

Mit Kopfhörern tanzende Menschen
© Silent Disco

Freundliche Atmosphäre

Nur so tanzen die Besucher_innen der Silent Disco sogar ausgelassener, als in „normalen“ Clubs. „Das liegt daran, dass du mit Kopfhörern automatisch weniger auf die sogenannten coolen Leute im anderen Eck der Disco achtest, sondern viel mehr auf dich selbst. Die Leute gehen mehr aus sich heraus, singen laut mit, aber achten gleichzeitig viel mehr auf sich und auf die unmittelbare Umgebung, was wiederum zur freundlichen Atmosphäre beiträgt. Eine Win-Win-Situation in allen Bereichen.“

Das Besucher_innenverhältnis zwischen Frauen und Männern gewinnen weibliche Besucherinnen mit bis zu 70:30 haushoch. Für David ist es ein weiteres Indiz dafür, dass man zur Silent Disco wirklich hauptsächlich zum Tanzen hingeht. „Die coolen Typen, die nur fad an der der Theke lehnen, kommen mit ihren Anmachsprüchen gegen die Kopfhörer nicht an und verschwinden auch rasch wieder“, lacht David.
À propos verschwinden: Die vom Publikum entlehnten Kopfhörer sind von so einem Problem kaum betroffen, denn es gibt ein gut funktionierendes Pfandsystem. „Manchmal melden sich ein, zwei Leute am nächsten Tag, die sich wundern, warum sie mit Kopfhörern im Bett aufgewacht sind“.

Silent Disco

Fr 24.6., 23 Uhr, Saal

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