Zeit

Fr 8.10.2021,
20 Uhr

Ort

Foyer

Performance, Tanz, TheaterPerformanceStreaming
TEST.TUBE.Labor 04

Thomas Jelinek: Games and Avatars

der performativ-mediale Diskurs geht weiter

Das temporäre Kolaborativ aus Künstler_innen und Expert_innen, der komplexen Gegenwart auf der Spur, fokusiert die Hybridisierung unserer gegenwärtigen Existenz. Die radikale Veränderung unserer Lebensparameter sind bereits tief in unser Alltagsleben eingedrungen. Dank „künstlicher Intelligenz“ und leistungsfähiger verwandter Werkzeuge schaffen es Projekte wie „Augmented Eternity“, einen fast realen Charakter einer menschlichen Person zu erstellen, dessen Dauer theoretisch, zeitlich unendlich sein würde.

Die Entwicklung der Technologie wird sich nicht aufhalten lassen und wird schon jetzt mit Hilfe der sogennanten >Big Data< täglich genutzt. Es ist zu erwarten, dass die Algorithmisierung und Datennutzung in allen Lebensbereichen sich weiter verdichten wird, was Leben und Kommunikation weiter erleichtern, aber eine Projektion der intimsten Funktionen des Menschen zur Folge hat. Wir werden in dem parallel zu unserer physischen Existenz bestehenden Datenuniversum gespiegelt und kreieren dazu noch eigene Avatare, die wir in unserer Kommunikation und sozialen Netzwerken als unsere Repräsentant_innen nutzen. Ein großer Teil der Menschheit hat eine parallele Existentz als Datensatz, der visuell und performativ, in Form von tausenden Fotos, Selfies, Videos, privaten und offiziellen Daten- und Kommunikationsaufzeichnungen besteht.

Betrug die weltweit, jährlich generierte Datenmenge 2018 noch 33 Zettabyte, so wird für 2025 schon etwa 175 Zettabyte hochgerechnet.
Das sind 175.000.000.000.000.000.000.000 byte !

Schon jetzt haben wir eine Situation, in der z.B. Telefondienstanbieter ein genaueres Daten-Bild von einer Person haben als die nächsten Freund_innen und vielleicht sogar die Person selbst. Andererseits erzeugt die Digitalisierung eine Abstrahierung unserer Lebensrealität, die unter Anderem, psychische Beeiträchtigungen und zunehmende „Realitätsskepsis in vielen Bevölkerungskreisen“ erzeugen, wie wir im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie besonders deutlich beobachten konnten und können.

Die ambivalente Situation zwischen spielerischer Selbstgestaltung, einer enormen Ausweitung unseres Kommunikationshorizonts und den ungeahnten Möglichkeiten der Kontrolle und Reglementierung, die bis in kleinste Detail reichen, verändert nicht nur den sozialen und politischen Kontext unseres Lebens, sondern auch unser Selbst- und Weltbild in noch nie dagewesenem Ausmaß. Die digitale Kommunikationswerkzeuge der Gegenwart haben bereits hybride Wesen aus uns gemacht, die weit über unseren physischen Aktionsradius hinausreichen.

Die Beteiligten

nomad.theatre arbeitet an der Entwicklung zeitadäquater Kommunikations- und Ausdrucksformen und transdisziplinärer Projekte. Ausgangspunkt der Arbeit ist immer die Herstellung von temporären Aktions- und strukturierten Kommunikationsräumen. Theaterinstallationen und Performances werden in spezifische Kontexte gestellt – Situationen und öffentliche Aktivitäten werden inszeniert und relativieren die begriffliche Wirklichkeit, bzw. fordern zu deren permanenter Überpüfung auf. Der Fokus der Arbeit liegt auf langfristigen, prozessorientierten Projekten die in Laborsituationen erarbeitet und in mehreren, aus dem Prozess entstandenen Ergebnissen, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Thomas J. Jelinek 1964 in Stockholm (S) geboren, ist Regisseur, transdisziplinär arbeitender Konzept-Künstler, Dramaturg und Kurator. Er arbeitet an Kunst-labors, Art&Science Projekten, medialen und situativen Rauminstallationen, kontextuellen Kommunikationsräumen und Performance Prozessen, wie als Regisseur und Dramaturg an verschiedenen Ansätzen postdramatischen Theaters, etwa der Entwicklung transmedialen Diskurstheaters und verschiedenen Formen von Aktions-theater und realisierte mediale Performances, postdramatische Theaterarbeiten, Videoarbeiten, mediale Rauminstallationen und Lichträume.
Er hat Performance-, Theater- und Opern-Projekte (z.B. Salzburger Festspiele, Wien Modern, MTTW) entwickelt, inszeniert und standortspezifisch, auch an den Bruchlinien urbaner Strukturen, wie Industriebrachen an verschiedenen Schauplätzen Europas umgesetzt.
Neben den Theaterprojekten sind auch Inszenierungen und Bühnenarbeiten in Kooperation mit verschiedenen Komponisten, wie Jorge Sánchez-Chiong, Arturo Fuentes oder Bernhard Gander und zeitgenössischen Musikensembles wie Phace Ensemble entstanden, Bühnen und Aktionsräume für zeitgenössische Performance und Tanzproduktionen.
Mit speziellem Fokus auf die grundlegenden Mechanismen der Physik und Wahrnehmung und der Konstruktion von Realität, hat er ausgehend von interaktiven Installationen, transdiziplinäre Laboratorien, an den Schnittstellen zur Wissenschaft und Diskurstheater zu neuen Formen entwickelt.
Als Kurator hat er eine Reihe von transdiziplinären Kunstunternehmungen, internationale Festivals, wie TRANSART Kroatien, und kollaborative Kunsträume realisiert.
Er ist Leiter von NOMAD.theatre und Co-Gründer, Dramaturg und Bühnendesigner (Set und Licht) der performance Company Liquid Loft und hat verschiedene Formationen und Kunsträume, wie die Kunst- und Aktionsgruppe MESSING-network oder LABfactory entwickelt.
Preise (Auswahl): “Bestes Stück” f. „Johnny got his gun“ Dalton Trumbo / donaufestival Krems / “best short” Kunststücke-Preis ORF 2003/ mit Liquid Loft: “Goldener Löwe” der Biennale Venedig 2007. www.nomad-theatre.org 

Anna Hirschmann geboren 1982 in Bielefeld (D), studierte Visuelle Kommunikation in Hamburg und in der Klasse Kunst und Film bei Thomas Heise in Wien. Sie ist Mit-Herausgeberin und Mit-Autorin des Buches »Wer geht leer aus? Plädoyer für eine andere Leerstandspolitik« (Wien 2015). Von 2014 bis 2017 arbeitete sie als Produktionsassistentin für den Kinodokumentarfilm »Das Fieber« (Regie Katharina Weingartner). 2016 hospitierte sie in der Produktion »Bauernkommentar« im Rahmen der Heiner-Müller Tage am HAU Berlin, und 2018 am Theater Bielefeld bei einer Stückentwicklung von Tobias Rausch. In der Spielzeit 18/19 war sie als Dramaturgieassistentin am Schauspielhaus Wien tätig und 19/20 als Dramaturgin und Produktionsleiterin. In der aktuellen Spielzeit arbeitet sie u.a. als freie Dramaturgin bei »Rand« und »Mehr Zeit für Probleme Folge 3: Enden« im Schauspielhaus Wien und als Autorin für „U.G.A.I. hört die Signale“ im Rahmen des Steirischen Herbst/Kulturjahr Graz 2020.

Christoph Hubatschke, Philosoph und Politikwissenschaftler an der Universität Wien, ist Mitbegründer der transdisziplinären Forschungsgruppe H.A.U.S. (https://h-a-u-s.org/ ) und forscht an der Schnittstelle zwischen politischer Theorie und kritischer Technikphilosophie, mit den Schwerpunkten Soziale Bewegungs/Protestforschung, humanoide Robotik/AI, poststrukturalistische Politik und Techniktheorie. Homepage: http://www.diebresche.org

Michael Loizenbauer ist Regisseur, analoger Musiker und digitaler Medienkünstler, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte Informatik & Wirtschaft an der Universität Wien, Digitale Medien an der Universität für angewandte Kunst und Regie am Max-Reinhardt-Seminar. Seit 2018 arbeitet er als Doktorand am Peter Weibel Forschungsinstitut für Digitale Kulturen. Sein Forschungsschwerpunkt ist künstliche Intelligenz im Verhältnis zu Kunst und Kultur.

Christian Faubel ist ein interdisziplinär agierender Wissenschaftler und Künstler, der an der Schnittstelle von autonomen Systemen, Neurowissenschaften und Gestaltung arbeitet.
Er promovierte an der Ruhr-Universität Bochum am Institut für Neuroinformatik, vor seiner Berufung an die TH Köln war er künstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kunsthochschule für Medien Köln. Prof. Dr. Christian Faubel über sein Arbeits- und Forschungsfeld: „Die Professur »Smart Connected Products« eröffnet für mich ein interdisziplinäres Forschungsfeld, in dem ich besonders der Frage nachgehen möchte, wie sich das Smarte in autonomen und vernetzten Artefakten realisieren lässt und wie aus Prozessen der Vernetzung einfacher Einheiten, komplexes Verhalten entstehen kann.“

Kathia von Roth, born in Hamburg, Germany is a travelling artist, activist and social engineer.
Since her studies in theatre direction (graduated B.A. in 2013) she has been combining methods of theatrical play and performance with tools and theory of (analogue) game design and software design. In her work she is setting up physical and/or conceptional formats of temporary ‘utopian zones’ for collaborative creation, from immersive theatre spaces built like alternate reality games to transformative interaction structures in the context of festivals, conferences, collective art work or software interfaces.
By designing playful guiding principles she is bypassing the fear of failing and a subservient uncertainty to act, always forcing the ‘spectators’ to interact with each other within the save environment of a game/art format to grow trust. In this, she is creating realms of experience that cause awareness and a change of behaviour in its participants and can therefore take effect into so called ‘reality’.
In her work, Kathia von Roth is consulting a possible revolution, deeply believing in a post-competitive future.

Margarete Jahrmann, is a media epistemologist and an internationally renowned artist on topics of activism, urbanity and play. She is the designer of numerous game art works, research and play installations, performances as well as exhibition and urban games. She holds a professorship for Game Design since 2006 and was co-director of the New Media and Arts department at University of the Arts Zurich from 2000-2006. 2013-2016 she was lecturer Playful Ludic Interfaces, Institute Interface Cultures, University of Arts Linz and since 2011 is senior lecturer for Digital Arts at University of Applied Arts Vienna. Currently she also is arts research fellow on Surveillance, Memnosyne and Pathos Formulas at the Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) and presented her ongoing research on inner and outer data wave scans 2017 at Technopolitics exhibition at NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst and the mediafestival transmediale Berlin.

Eva-Maria Kraft ist Zeitgenössische Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin für Menschen und Roboter. Sie leitet das Studio RAUM für TANZ in Wien und lehrt international im Laien-, Ausbildungs- und Profibereich. Ihre künstlerischen Projekte bewegen sich an der Schnittstelle unterschiedlicher Kunstsparten und Wissenschaften, erforschen (künstliche) Körper und basieren auf der Echtzeit-Komposition von Bewegung. Als Teil der transdisziplinären Forschungsgruppe H.A.U.S. beschäftigt sie sich mit Künstlicher Intelligenz und choreografiert und performt mit humanoiden Robotern. www.evamaria-kraft.at

Dong Uk Kim was born on October 9th, 1982 in Busan, South Korea. In 2014 he took his Master in Korean National University of Art(KNUA). Previously, he studied contemporary dance (Bachelor) at Chung-Ang University. Dong Uk Kim worked as a freelance dancer and choreographer with Jin-yeob Cha(Collective-A), Trust dance Company, Goblin Party in South Korea before he came to Europe. He won the Special Jury Award as a choreographer at the Seoul Choreography Festval(SCF) 2014 with [Pattern-Body]. And performed in Seoul(2014), Busan(2014), Shanghai(2015), Bonn(2017).
He start working in Europe in 2016, with Chris Haring(Liquid Loft), FREIraum Ensemble, Silke Z Resist Dance, Netzwerk AKS, Julia Riera(MIRA).

Tina Muliar studierte Schauspiel in Wien (A) und Wrocław (PL) und diplomierte am Institut für Digitale Kunst unter der Leitung von Prof. Ruth Schnell an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Ihre Arbeiten changieren an der Schnittstelle von virtuellen Welten, Mixed Realities und Performance und wurden unter anderem in der Kunsthalle Wien, der Hermitage St. Petersburg und auf der Biennale Venedig gezeigt. "Ich möchte Momente herausarbeiten, die das menschliche Drama unterstreichen, um unsere Existenz zu verdeutlichen und überall ein poetisches Moment zu finden.“ www.tinamuliar.net

Kerstin Bennier Die Künstlerin Kerstin Bennier lässt sich im weitesten Sinne in der Bildhauerei einordnen. Benniers Arbeiten basieren auf ihrer subjektiven Wahrnehmung von Ereignissen und Begegnungen in ihrem Leben. Daraus entwickelt sie die Konzepte, die den Installationen und Objekten zu Grunde liegen. In ihrer Kunst schafft sie Räume und Bühnenbilder, in denen sie sich selbst inszeniert und Objekte, die mit der Wahrnehmung der Worte spielen.
Ihre Hauptthematik in der künstlerischen Auseinandersetzung ist seit einigen Jahren „die andere Seite…“. Jede Frage erlaubt mindestens zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen – und diese zu durchleuchten und zu reflektieren ist lohnend, die Auseinandersetzung mit ihnen erlaubt neue Ansätze und fließt in die Schaffung neuer Arbeiten ein. Kerstin Bennier lebt und arbeitet zurzeit in Wien.

Jana Herwig, Medienwissenschafterin in Wien, Forschungsschwerpunkte digitale und haptische Medien, Medienentwicklungen vom 19. Jahrhundert in die Gegenwart, Web 2.0 und Social Media, Anonymität. Aktuelle Publikation (im Erscheinen): Self-Service. Selbstbedienung zwischen Automatisierung und algorithmischen Praktiken. Wien: edition mono/monochrom.

Peter Koger Videokünstler, Visualist, Programmierer, Interaktions- und Animationsgestalter sowie universeller Medienhandwerker, hauptsächlich im Bereich Video und perfomative Kunst.
Seit 1999 Lektor an der Universität für Angewandte Kunst, Institiut für bildende und mediale Kunst. Gündungsmitglied verschiedener Initiativen zur Förderung der Kunst von VisualistInnen. Mitveranstalter und aktiver Beteiligter an der Equaleyes-Serie. Mitbegründer, Ko-Intendanz und technische Leitung der Mediaopera in der Wiener Rinderhalle. 

Ella Esque lebt und arbeitet in Wien als Multimedia Gestalterin. Studium der digitalen Kunst. Zur Zeit künstlerische Beschäftigung mit Fermentations-Prozessen. In ihrer Freizeit poliert sie gerne Filmzitate, liest Cyberpunk Bücher und erfinde Kosenamen für Kunstroboter.

Tickets

Du hast 3 Möglichkeiten dabei zu sein

  • als Livepublikum im Foyer mit exklusivem Einblick in die Produktion eines hybriden Events. Dafür brauchst du ein Ticket.
  • als Bildschirmpublikum über den kostenfreien Livestream, egal wo du gerade bist. Den Link findest du hier auf der Website.
  • als Publikum im Hof, wo du über Screens dem Geschehen im Foyer folgen kannst.

Livepublikum im Foyer

Aufgrund der COVID-19 Pandemie und der Vorgabe des Contact Tracing (Nachvollziehbarkeit wer zu welchem Zeitpunkt welche Veranstaltung besucht hat) können bis auf Widerruf Tickets ausschließlich online gekauft werden. Zusätzlich zu den geltenden Maßnahmen (Abstand, Hygiene, etc.) ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Vorstellung verpflichtend. Zudem müsst ihr einen sogenannten 3-G-Nachweis vorlegen, der nachweist, dass ihr entweder geimpft, getestet oder genesen seid. Die genauen Details findet ihr in unseren Präventionsmaßnahmen. Eine Übersicht über unsere Preispolitik findet ihr hier

Onlineverkauf

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