Humbug und der Elefant im Raum

Humbug und der Elefant im Raum

Ewa Bańkowska über ihre Recherche zum Thema Esoterik im Tanz- und Performancekontext

Ein großer, metaphorische Elefanten verfolgt die Künstlerin Ewa Bańkowska und treibt sie an auf eine Reise der Selbstreflexion und Forschung, um die vielschichtigen Verbindungen zwischen Esoterik, Tanz, Performance und gesellschaftspolitischen Fragen zu erkunden und in Form einer zweiteiligen Lecture-Performance mit dem Publikum zu teilen.

Schon seit einigen Jahren beschleicht mich das Gefühl, von einem großen Elefanten verfolgt zu werden. Da war zum Beispiel der Tanzworkshop, in dem von der Body Mind Connection die Rede war. Oder im Training: Ich solle den Raum wahrnehmen und die Dynamik des Raumes spüren. Was bedeutet eigentlich, sich authentisch zu bewegen? Was heißt das Theater ist ein Mysterium?

Letztlich habe ich beschlossen, das alles als Metaphern zu betrachten. Sie können mir dabei helfen, meine Vorstellungskraft als Performerin und Tänzerin zu erweitern. 

Gut. Dabei könnte ich es eigentlich belassen. 

Doch der Elefant verfolgt mich weiterhin. Er wurde der Anlass für meine Recherche. 

Ich finde es wichtig, die Techniken und Praktiken, die in der Ausbildung und den künstlerischen Prozessen genutzt werden, unter die Lupe zu nehmen. In mir hat sich ein Bedürfnis entwickelt, die Ursprünge, kunsthistorischen Entwicklungen, Verflechtungen sowie die individuellen Entscheidungen von Künstler_innen in der Geschichte zu recherchieren und zu reflektieren. Ich möchte die Zusammenhänge besser verstehen. Da überschneiden sich so viele Themen, es wird zu einem gehäuften Strudel komplexer, aber aufregender, fast schon explosiver Vielschichtigkeit: Kunstgeschichte, Esoterik, Psychologie, Medizin, Parawissenschaft, Pseudowissenschaft, Philosophie, Dekolonisation, kulturelle Aneignung, Spiritualität, Ideengeschichte, Aufklärung, Romantik, Nationalismus, soziokulturelle Strömungen wie: New Age und Querdenken.

Gerade in einer Zeit, in der es in meinen Augen als Künstler_in nicht mehr vertretbar ist, völlig neutral zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen, Krisen oder Kriegen zu stehen, scheint es mir wichtig, mir die Zeit zu nehmen, um Antworten auf die folgenden Fragen zu suchen bzw. mir, der Künstlerin, diese Fragen selbst zu stellen:

  • Welche Haltung habe ich zu den Verflechtungen von Querdenken und Esoterik? Welche zu den Überschneidungen von Esoterik und Tanz- und Performancepraktiken? 
  • Woher stammen die esoterischen und spirituellen Ansätze in Tanz und Performance? Ist eine Performance ein spirituelles, intellektuelles oder ästhetisches Erlebnis? 
  • Was ist Esoterik überhaupt? Und welche Rolle spielte sie in der Geschichte der modernen Kunst? Was ordne ich dem Bereich Esoterik zu? 
  • Was ist die somatische Körperarbeit? Die Ich-Empfindung spielt nicht nur in der Tanz- und Performance-Szene eine Rolle. Auch in der Vermarktung spiritueller Selbstoptimierungsmethoden wird sie eingesetzt. Wie stehe ich als Künstlerin dazu? 
  • Wie kann ich ein Bewusstsein für den gesellschaftlichen und historischen Kontext, in dem ich kreiere, in meine künstlerische Praxis integrieren, ohne es deshalb gleich zum Inhalt der Arbeit zu machen? 

Mir war nicht bewusst, dass beispielsweise Mary Wigmans* Karriere Verstrickungen mit dem NS-Regime aufweist und die Geschichte des Ausdruckstanzes (Freies Tanzen) in Europa nicht unproblematisch ist. War Tanz dann jemals wirklich frei? Auch der Begriff „hitlerismo esotérico“ war mir neu sowie die Erkenntnis, dass transzendentale Meditation erst mit der New Age Bewegung in den Westen kam.

Meine Recherche-Arbeit war theoretisch und praktisch. Statt Fragen zu beantworten, hat sie noch mehr Fragen aufgeworfen. Ich freue mich, meine Reflexionen in Form von zwei Lecture-Performances mit dem Publikum zu teilen.

*Mary Wigman (1886 – 1973): Deutsche Choreographin, Tänzerin und Hauptfigur des europäischen Ausdruckstanzes (1. Hälfte des 20. Jahrhunderts)
 

Ewa Bańkowska: Humbug und der Elefant im Raum

Vorstellungen im Rahmen von Reconstruction Works Vol. I und Reconstruction Works Vol. II

Erster Teil der Lecture Performance
#1 Kein Wunder
Di 10.10.2023,19:30 Uhr
Projektraum
€ 20 | 15 | 10 
Mehr Informationen findest du auf der Eventseite.

Zweiter Teil der Lecture Performance
#2 For Heaven's Sake
Mi 15.11.2023,19:30 Uhr
Projektraum
€ 20 | 15 | 10 
Mehr Informationen findest du auf der Eventseite.


Sa 1. / So 2. / Di 4. Juni | 19:30 Uhr

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Mi 5.6. & Do 6.6. 18:30 Uhr

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Sa 8. Juni | 21:00 Uhr

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