Hin oder zu? Hauptsache hören.

© Johanna Nielson

Hin oder zu? Hauptsache hören.

Über die Performance „Heut geh’n wir nach Irgendwo“

Die Performance „Heut geh’n wir nach Irgendwo“ lädt Kinder ab 3 Jahren ein, mit ganzem Herz und allen Zehen hinzuhören. Sie ist ein poetisches Plädoyer dafür, sich gemeinsam auf das Unbekannte einzulassen.

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Hört ihr, wie es die Wellen erzählen? 
Es waren einmal zwei Putzergarnelen 
sie wohnten tief im Korallenland 
Garry und Nele wurden sie genannt.

Die beiden mochten einander sehr
waren befreundet mit sich und dem Meer 
und was sie erlebten, die Putzergarnelen, 
das wollen die Wellen und wir erzählen. 
 

In „Heut geh’n wir nach Irgendwo“, eine Performance mit Neuer Musik für Kinder, wird Klang  auf der Bühne zum Ausdrucksmittel. Sounds werden zu eigenständigen Akteurinnen. Sie knistern, blubbern, zischen und reiben, sie fließen, wabern, springen und … bleiben. Hier ein Stampfen, da ein Wischen. Und ganz viel dazwischen.

Neue Musik für Kinder? Braucht es diese Schublade überhaupt? Kinder hören, was da ist und lassen daraus ihre eigenen Bilder und Zusammenhänge entstehen. Die Performerinnen forschen gemeinsam mit dem Publikum mit wertfreiem Habitus und spielerischer Energie des Körpers. Es entsteht ein Geflecht, in dem sich Sprache, Klang und Bewegung gegenseitig befragen und hervorbringen, ohne Hierarchien. Bewegungen machen Schallwellen sichtbar. Klang hängt im Raum, zum Pflücken, Einsaugen, Weitertönen. So wird das Publikum in eine fantastische Welt hineingezogen, wo die Lust am Unbekannten wächst und wo Blubbern und Sprechen sich näher sind als frau glaubt.

Was bedeutet es also, wirklich zuzuhören? Wie im Körper so ankommen, dass er voll hinhören kann? Spüren, Ausdruck finden. Aufeinander reagieren. Anderen Sichtweisen offen gegenübertreten. Raum nehmen und geben. Schwer und leicht sein. Stützen und in den Himmel wachsen. Alles gleichzeitig. Jede Pore durchlässig werden lassen, sich selbst und andere fühlen, ertasten und erspüren anhand von Vibrationen. Nebenher plätschern, wiederholen, betonen. Adressieren, wieder vergessen, wieder sagen, im Glauben, man sage es zum ersten Mal. Nicht voreilig antworten, Pausen und Stille zulassen. Das große Ganze hören.

„Heut geh’n wir nach Irgendwo“ ist in diesem Sinne eine Einladung zum Hin- und Zuhören – vielleicht sogar nach „Irgendwo“.

Es wird gelauscht. Mit den Ohren. Und bitte mit dem Herzen und den Zehenspitzen. Mit Aufmerksamkeit, mit Fantasie. Der stringent in Paarreimen verfasste Text appelliert an kindliche Sprachentdeckungslust und wird dadurch ebenso Klangmaterial – Worte werden verschoben und verwoben, versiert rhythmisiert. Die Künstlerinnen stehen in einem ständigen Dialog – nicht nur sprachlich, sondern klanglich, rhythmisch, körperlich. Aus Stimmvariationen und Intonationen entstehen unterschiedliche Figuren des Stückes, wie zum Beispiel Korallen, pardon, Chor-allen natürlich.

In der Geschichte wächst das Gegeneinander und Füreinander nicht nur aus einem Miteinander. Zuhören wird hier zu einer sozialen Praxis. Zu etwas, das Verbindung schafft, aber auch Differenzen aushält. Vielleicht ist genau das die eigentliche Bewegung der Performance: nicht das Gehen nach Irgendwo, sondern das gemeinsame Aushandeln dieses Weges.

Text: Johanna Nielson, Barbara Riccabona und Sophia Goidinger-Koch, Performerinnen, Regisseurin Christina Rauchbauer sowie Autorin Lena Raubaum

Heut geh´n wir nach Irgendwo (3+)

  • Do 7.5.2026, 10.00 Uhr (Uraufführung)
  • Fr 8.5.2026, 10.00 und 16.30 Uhr
  • Sa 9.5.2026, 16.00 Uhr
  • So 10.5.2026, 11.00 Uhr

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