Langeweile ist ein guter Grund

Fuzzman & Pauls Jets

Langeweile ist ein guter Grund

Fuzzman und Pauls Jets im Interview

Pauls Jets und Fuzzman präsentieren ihre neuen Alben im Mai im WUK. Das haben wir zum Anlass genommen, Paul Buschnegg und Herwig Zamernik zum Doppel-Interview zu treffen.

Eine einfache Einstiegsfrage: Was ist eure Lieblingssorte Schokolade?

Paul: Toblerone. Das hat ja was mit Bergen zu tun, hast du da als Kärntner einen Bezug dazu?

Fuzzman: Toblerone mag ich gar nicht, das klebt so. Ich bin eher bei Nougat.

Paul: Das mag ich wiederum nicht so gern. Das sind unsere größten Differenzen.

Fuzzman: Zumindest essen wir uns nicht gegenseitig die Schoki weg. Schoko-Traube ist auch total underrated. Als Kind hab ich nie verstanden, warum Omas das kaufen. Aber irgendwann hat es mir voll getaugt.

Die beiden Sorten werden auch in deinem neuen Track "Gerne Schokolade" erwähnt. Darin ist außerdem zu hören: "Ich ess gerne Schokolade und ein Gläschen Wein dazu." Ist das deine Vorstellung von einem perfekten Tag?

Fuzzman: Nein, das sing ich ja nicht selbst. Das hab ich jemandem übergestülpt. Der geheimnisvollen Jutti F.

Wie schaut dann euer perfekter Tag wirklich aus?

Fuzzman: I iss a bissl Schokolade und ein Gläschen Wein dazu.

Paul: Ich geh in den Zoo Tiere füttern… und was singt er noch, der Lou Reed? Vielleicht ein Film, das ist schon perfekt. An einem heißen Tag ins Kino gehen. Ins Kunsthistorische Museum. Das Wien Museum wird jetzt leider renoviert, sonst hätte ich Wien Museum am Karlsplatz gesagt, das geht immer. Das ist sowohl zu Weihnachten als auch im Sommer stimmig.

Kannst du deinen Lieblingstätigkeiten noch ungestört frönen oder wirst du auf der Straße erkannt, seit euer Album "Alle Songs bisher" veröffentlicht wurde?

Paul: Ich trage privat Brille und wenn ich ein Konzert spiele, dann nehm ich sie runter. Ich werde zum Maulwurf, wenn ich auf die Bühne geh, und im Alltag bin ich eine Brillenschlange. Auf der Bühne sind die Kontaktlinsen mein Spiderman-Anzug. Im Alltag mit der Brille bin ich ganz anonym. Vielleicht bin ich auch total unbeliebt. Vielleicht hasst mich ganz Wien und alle schauen weg, wenn sie mich sehen.

Fuzzman: Das wollten wir dir nur nicht sagen.

Paul: Es ist so, ich spür‘s. Es ist ganz traurig.

Fuzzman: Aber jetzt kannst du auch ohne Brille herumgehen.

Fuzzman & Pauls Jets

Was macht das mit einer Person, wenn ein Debütalbum einen Hype verursacht oder wenn ein neues Album als "Meisterstück" bezeichnet wird? Wie geht ihr mit Erwartungshaltungen um?

Paul: Eh total arg, dass so viele drüber schreiben. Am Anfang fand ich den Ja, Panik-Vergleich eigentlich ganz cool, aber jetzt ist er schon nervig geworden. Wir freuen uns natürlich, aber es ist auch klar, dass Zeitungen über irgendetwas berichten müssen. Es wird vielleicht außergewöhnlich viel über unser Album geschrieben, aber ein Darling der Musikjournalist_innen zu sein, bedeutet nicht, dass dann mehr Leute ins WUK kommen.

Fuzzman: Dem Paul ist diese Erwartungshaltung auch deswegen fremd, weil es ihm ja eigentlich ein bisschen wurscht ist, weil andere Dinge im Vordergrund stehen. Und weil der Paul einfach ein von Grund auf kluger Mensch ist, weiß er, dass man sich mit Erwartungshaltungen das Leben nur schwer macht. Ich als alter Fuchs scheiß auf Erwartungshaltungen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es Blödsinn ist. Obwohl wir ein unterschiedliches Alter haben, haben wir grundsätzlich einen ähnlichen Umgang damit.

Paul: Es ist total toll, dass es viele Zeitungen gibt, die so ein Album in ihre Rezensionen aufnehmen. Gleichzeitig kann man sich nur mehr Medien wünschen, die berichterstatten. Ich hoff auch, dass es mal jemand verreißt. Würde ich selber darüber schreiben, könnte ich das Album in den Boden stampfen. Irgendwer wird es tun, und das gehört dazu. Es wird auch irgendwann fad, wenn alle dasselbe machen und voneinander abschreiben.

Unter einer Albumbesprechung hat jemand kommentiert: "1:1 wie --- Kordula Grün --- nur mit Melodie".

Paul: Das müssen irgendwelche Bots sein, weil wie kommt man auf sowas? Irgendjemand hat auch geschrieben "AnnenMayKantereit und Pauls Jets, die beiden gehen mir furchtbar auf die Nerven", als wäre das einander so ähnlich. Ist eh nett, ich freu mich.

Mit welchem Namen würdest du gerne mal in einer Rezension verglichen werden?

Paul: Vielleicht mit dem frühen Beck. Oder mit Fuzzman?

Fuzzman: Stark!

Paul: Das ist ja eigentlich auch wie der frühe Beck.

Fuzzman: Wir sind eh ein paar Mal draufgekommen, dass wir artverwandt sind, aus einer gleichen Herde, vom Ansatz, wie Musik funktioniert oder auch das Drumherum.

Paul: Was du machst, ist einsiedlermäßig und was ich mach, ist auch ein bisschen einsiedlermäßig. Wir haben uns Erdlöcher gegraben, in denen wir einen alten Computerrechner drin stehen haben mit einer Autobatterie und so machen wir beide Musik. So kommen wir auch zu ähnlichen Herangehensweisen.

Fuzzman & Pauls Jets

Eure offensichtlichste Gemeinsamkeit ist vielleicht die Sprache. Was war ausschlaggebend für euch, Deutsch zu verwenden?

Fuzzman: Für mich war das Englische damals kein Dogma. Es war halt so. Und dann wurde es irgendwann aus Langeweile Deutsch.

Paul: Langeweile ist ein guter Grund. Und weil man im Deutschen einfach zwei, drei Ebenen mehr hat, die man bedienen kann. Man kann doppeldeutiger arbeiten. Das geht im Englischen natürlich auch, aber es wird niemand hören.

Fuzzman: Es wird niemand verstehen, was du mit dem englischen Text meinst, weil er durchrattert und hauptsächlich die Musik bleibt. Mir fällt auf jeden Fall auf, dass es leichter von der Hand geht, wenn ich jetzt englische Sachen mache.

Auf deinem neuen Album "Hände weg von allem" verwendest du sowohl Englisch als auch Deutsch und singst sogar ein Volkslied. In der letzten Nummer grenzt du dich textlich von Andreas Gabalier ab. Was bezweckst du mit der Anordnung? Ist dein Album ein trojanisches Pferd?

Fuzzman: Eine Song-Reihenfolge ergibt sich. Irgendwann ist es klar, warum es dann so ist. Menschen, die Alben hören, werden sofort verstehen, warum das eine auf das andere kommt. Aber es gibt ja fast niemanden mehr, der Alben hört, glaub ich.

Paul: Also ich bin wieder zum Album-Hörer geworden, nachdem ich lange Zeit nur Money Boy auf YouTube gehört hab. Ich hab jetzt Spotify am Handy und hör dann wirklich in der U-Bahn oder auch zuhause ein Album an. Spotify zahlt nur leider überhaupt kein Geld. Ich seh manchmal auf den Rechnungen, dass ich 15 Cent von Spotify bekomme.

Fuzzman: Wenn es darum geht, kein Geld zu zahlen, dann sind alle Menschen gemein, wenn man so will.

Paul: Ja. Und wo soll man sonst hingehen außer zu Spotify?

Fuzzman: Ich glaub, das ist alles recht ähnlich.

Paul: Das Internet verliert natürlich einerseits diesen Wilden-Westen-Charakter und bekommt eine nervige Werbe-Kommerzialisierung. Aber ich glaub, dass es für die Musikindustrie besser wird. Mehr Geld für die Alternative-Musik. Die Schlagerwelt hat eh genug.

Fuzzman: Na ja, auch die Schlager-Menschen müssen ihre Mieten zahlen.

Paul: Bist du ein Schlager-Heini?

Fuzzman: Sicher. Du nicht?

Paul: Doch, wohl.

Fuzzman: Dafür muss man sich ja gar nicht schämen. Die, die sich schämen sollten, schämen sich nicht. Bei meinen Schlagern gab es immer etwas Subversives. Das ist immer übriggeblieben. Viele haben das als Ironie missverstanden.

Ihr werdet beide im Mai im WUK spielen und habt mitbekommen, dass das WUK eine Spendenkampagne ins Leben gerufen hat. Findet ihr es wichtig, dass Orte wie das WUK weiterexistieren?

Paul: Ich war schon auf einer Rettet-das-WUK-Party im Club U.

WUK retten mit Lo-ve-Fi

Die Veranstalter Lo-ve-Fi werden im Mai im Foyer wieder für das WUK sammeln.

Paul: Ja cool, da werde ich hinkommen. Das können wir an dieser Stelle promoten. Ein Freund von mir macht das.

Und wieso soll das WUK gerettet werden?

Paul: Es ist eins der besten Aushängeschilder für Wien. Würde ich als Tourist nach Wien kommen und ins WUK gehen, dann würde ich mich sehr wohl fühlen. Es ist ein lauschiger, subversiver Ort und sicher eine der besten Bühnen. Ich war noch nie in einem Atelier im WUK, aber ich kannte jemanden, der eins hatte. Karl-Heinz Ströhle war ein Professor von mir.

Fuzzman: Es ist schon ein Fehler in sich, wenn man sich die Frage stellt, warum das WUK gerettet werden muss oder warum das wichtig ist. Das ist so wie “Warum braucht der Körper eine Niere?” So etwas wie das WUK gehört zu einem gesunden Stadtorganismus einfach dazu. Es trägt zu einem gesunden kulturellen und sozialen System bei.

Paul: Das WUK wäre eigentlich das letzte, wo man sich fragen sollte, wieso es das braucht. Das ist so wie das AKH hinterfragen. Das AKH ist vielleicht ein bisschen wichtiger. Aber nicht viel.

Fuzzman & Pauls Jets

Fuzzman präsentiert sein neues Album mit den Singin Rebels am 18. Mai im WUK.
Pauls Jets kommen am 23. Mai ins WUK.

Interview: Astrid Exner

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