Alles, nur kein Flamenco

Rodrigo Sánchez und Gabriela Quintera stehend vor einer weißen Mauer
© Tina Korhonen

Alles, nur kein Flamenco

Portrait

Über den bemerkenswerten Werdegang von Rodrigo y Gabriela, die mit akustischen Coverversionen und dank ihres breiten musikalischen Spektrum, von lateinamerikanischen Elementen hin zu den Wurzeln im Heavy Metal, berühmt wurden.

Wer Rodrigo Sánchez und Gabriela Quintera auf ihren Erfolg anspricht, muss oft staunen. Denn geplant war das alles nicht. Ein Heavy-Metal-Pärchen aus Mexiko zieht nach Irland und wird kurze Zeit später zu einem der berühmtesten Instrumental-Gitarrenduos. Wenn die beiden über ihren Werdegang erzählen, sind sie, so scheint es, selber nicht weniger darüber verblüfft. Ihre Geschichte ist so unwahrscheinlich wie jene vom Tellerwäscher und dem Milliardär. Wenn Rodrigo y Gabriela ihre Geschichte erzählen, dann schmunzeln sie, und wer ihnen zuhört, schmunzelt mit.

Angefangen hat ihre Liebe zur Musik mit einem Album von Metallica. „So wie im Rest der Welt ist Heavy Metal in Mexiko keine Easy-Listening-Musik und bedeutet stellt besonders für junge Menschen eine Form der Rebellion gegen alles andere, gegen das System“, so Gabriela. Sie bewarb sich als zweite Gitarristin in einer Trash-Metal-Band namens Tierra Acida, und lernte dort ihren späteren Partner Rodrigo kennen. Der nahm sie auf, weil sie technisch viel versierter als der Rest des Bewerber_innenhaufens war. Die Band war mehr als ein Zeitvertreib, es reichte aber nie für einen richtigen Durchbruch. Nach ein paar Jahren lösten sich Tierra Acida auf und Rodrigo und Gabriela wollten einfach nur weg aus Mexiko. Sie packten ihre sieben Sachen und machten sich auf zu Ihrem ersten Ziel, nach Irland

Ohne Geld und der englischen Sprache nicht gerade mächtig gingen sie nach Dublin, und sie hatten eine Idee, wie sie sich ihre Leben im fremden Land finanzieren konnten: Sie nahmen ihre Gitarren mit und fingen an, akustische Coverversionen einzuüben, um diese in Pubs und Fußgängerzonen zum Besten zu geben, für ein paar cent im leeren Kaffeebecher. Diese Idee ist noch nicht weltbewegend, doch sie hatten eine besondere Formel, die aufging: Virtuos gespielte Akustikgitarren mit Stileinflüssen und der Anschlagtechnik aus dem Heavy Metal. Temperamentvoll, hart und doch mit Gefühl.

Ursprünglich war geplant, nur für 10 Wochen in Irland zu bleiben, doch sie verlängerten alle 10 Wochen noch einmal. Und noch einmal. 2002 veröffentlichten sie in Eigenregie ihr erstes Album und erweiterten ihr musikalisches Repertoire. „Wir ließen Interpreten wie Al Di Meola und lateinamerikanische Elemente in unsere Musik einfließen“, behielten aber stets ihre Metal-Wurzeln.

Der irische Ausnahmesänger Damien Rice wurde auf sie aufmerksam und buchte Rodrigo y Gabriela als Vorband. Im Jahr 2006 brachten sie ihr mittlerweile drittes Album („Rodrigo y Gabriela“) heraus, welches es auf Anhieb auf Platz 1 der irischen Charts schaffte, noch dazu als erstes rein akustisches Instrumentalalbum überhaupt. Die erste Nummer auf diesem Album hieß „Tamacun“ und wurde 2008 in der Pilotepisode der Fernsehserie Breaking Bad prominent gespielt, und das verschaffte ihnen den internationalen Durchbruch. Es war die Einstiegsdroge, um es in Anlehnung an Breaking Bads Serienthema auszudrücken.

Aus den ursprünglich geplanten 10 Wochen sind es letztendlich 10 Jahre in Irland geworden, der Erfolg reißt nicht ab. Und wieder scheint es so als wären sie überrascht, sie strahlen wie frisch lackierte Hutschpferde.

Auf ihrem aktuellen Album „9 Dead Alive“ widmen sie jedes Lied einer historischen Persönlichkeit, die durch ihre Arbeit die Gesellschaft positiv beeinflussten. Neben der afroamerikanischen Menschenrechtskämpferin Harriet Tubman († 1913) und dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski († 1881) gedenken sie auch einem Österreicher: Der Wiener Neurologe Viktor Frankl († 1997) begründete die Logotherapie und Existenzanalyse. 1942 wurde er von den Nazis nach Theresienstadt und danach in die Konzentrationslager Auschwitz, Kaufering III und Türkheim deportiert, die er allesamt überlebte. Seine Eindrücke und Erfahrungen verarbeitete in dem Buch „…Trotzdem Ja zum Leben sagen“. 1946 setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort.

Portrtait Viktor Frankl
© Prof. Dr. Franz Vesely, Viktor-Frankl-Archiv

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