Sich selbst treffen, durch die neoklassischen Sounds der Hania Rani

Hania Rani (c) Aleksandra Zaborowska

Sich selbst treffen, durch die neoklassischen Sounds der Hania Rani

Christian Pausch über Hania Rani

Wenn das keine schöne Aussicht ist: Hania Rani am 14.5.2022 im WUK

Flankiert von einem Flügel, einem Klavier und einem Keyboard sitzt Hania Rani in einem Video in einem Studio einer polnischen Radiostation und wechselt, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, zwischen allen dreien hin und her. Sie nimmt Loops auf, wiederholt eine Grundmelodie in Endlosschleife und improvisiert aufbauend darauf die unterschiedlichsten Stimmungen. Manchmal spielt sie fast unhörbar leise, dann wieder kraftvoll und beinahe hämmernd. Das Stakkato gibt der Musikerin den Takt vor, den sie sich selbst erschaffen hat. Dann setzt ihre Stimme ein; sanft und dennoch bestimmt ist sie ein weiteres Instrument für Ranis Kompositionen und unbemerkt fügt sich alles zu offenbarenden Soundgebilden zusammen, denen man sich nicht entziehen kann.

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Neoklassik, so statisch benennt man weitläufig die gefühlvolle Musik, die Hania Rani macht, ein Genre, das sich erst in den Nullerjahren unseres Jahrhunderts formte. Akustische Instrumente – in Ranis Fall das Piano – und elektronische Sounds schaffen die Symbiose von klassischer Musik mit minimalistischem Ambient. Hania Rani ist nicht die einzige Vertreterin dieser jungen Musikrichtung, hierzulande bekannt sind wohl am ehesten der deutsche Musiker Nils Frahm oder der Isländer Ólafur Arnalds. Ranis Stil ist allerdings im besten Sinne anders, vielschichtiger und auch moderner als der der männlichen Kollegen.

Ihr erstes Solo-Album, auf dem sie sich ganz und gar dem Klavier widmet, nennt sie "Esja" (2019), nach dem Gebirgsmassiv nahe der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Dort hat sie die Stücke für dieses Album aufgenommen, dabei ist Rani in Danzig aufgewachsen und lebt mittlerweile in Berlin und Warschau. In diesen beiden Städten hat sie in den letzten Jahren an Soundtracks für Film und Theater gearbeitet, an Kollaborationen mit anderen Künstler_innen wie z.B. der polnischen Cellistin Dobrawa Czocher und sie hat an ihrem zweiten Solo-Album "Home" (2020) getüftelt, auf dem sie nun auch ihre Stimme einsetzt und für manche Songs sogar einen Bassisten und einen Schlagzeuger hinzuzieht.

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Dieses zweite Album ist musikalisch die organische Weiterentwicklung des so eigenen neoklassischen Sounds von Hania Rani. Inhaltlich geht es um Heimat(en), um all die Zuhause, die man in der physischen und mentalen Welt haben kann und die uns auch wieder abhandenkommen können. "One can travel the whole world but not see anything", sagt Hania Rani zum Album "Home". Ein Zuhause finden, das wird am Album klar, kann uns aber immer und überall gelingen, auch in Ranis Melodien.

Ihre Fans beschreiben das Erlebnis eines Hania-Rani-Konzerts oft als eine spirituelle Erfahrung, ein Innehalten in einer immer komplexer werdenden Welt. Auf YouTube gibt es ganze Konzertmitschnitte von Hania Rani zu sehen, doch keine Aufnahme kann das Gefühl ersetzen, mit ihr im gleichen Raum zu sein und das zu fühlen, was die Künstlerin fühlt, oder es zumindest zu versuchen. In den Kommentaren zum vielbeachteten Video des Songs "F Major" beschreibt es jemand so: Hania Ranis Musik zu erleben sei, als ob man endlich wieder sich selbst trifft, nach einer langen Phase der depressiven Abwesenheit. Endlich wieder sich selbst treffen: Wenn das keine schöne Aussicht ist.

Vorstellung: Christian Pausch.

Hania Rani spielt am 14.5.2022 im WUK.
Christian Pausch ist Moderator und Redakteur bei Radio FM4.

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