Eine Liebeserklärung an das Waves Vienna

Waves Vienna (c) Jana Sabo
Waves Vienna 2018 (c) Jana Sabo

Eine Liebeserklärung an das Waves Vienna

Zur 9. Ausgabe des Entdecker_innen-Festivals

Das Waves Vienna findet von 26. bis 29. September 2019 zum neunten Mal statt. Die Autorin hat noch keine Ausgabe verpasst und blickt auf viele schöne Erinnerungen zurück.

Als in diesem Sommer über dem Teich vor der Karlskirche wieder eine Bühne aufgebaut wurde, feierte sich die lokale Musikszene dort zum zehnten Mal selbst – zurecht. Erneut strömten ganz Wien und ich zum Popfest und genossen mal mehr, mal weniger ("Kaltes Bier!") aufmerksam die aktuellen Vorzeigeprojekte dieser nun seit mehr als einem Jahrzehnt brodelnden Musikbranche. Das heimische Popwunder brachte in einer ersten Welle Jahrhundertbands wie Ja, Panik hervor, deren Achtungserfolge später freilich von den kommerziellen Überfliegern Bilderbuch und Wanda übertroffen wurden.

Das Wetter meint es gut

Wie meistens hat es das Wetter auch heuer mit dem (diesmal von Mira Lu Kovacs und Yasmo kuratierten) Popfest gut gemeint. Das ist eine Parallele zum etwas jüngeren Showcase-Festival Waves Vienna: Seit das Waves nach einigen Wanderjahren seit 2016 im und ums WUK herum stattfindet, ist auch der wettertechnisch riskante Termin Ende September üblicherweise von spätsommerlichen Wohlfühltemperaturen geprägt. Eine weitere (und wichtigere) Parallele der beiden Fixtermine im Wiener Festivalkalender hat mit dem viel beachteten österreichischen Popwunder zu tun. Sowohl das Waves Vienna als auch das Popfest wurden als publikumsstarke Formate erst durch die Internationalisierung und Professionalisierung der Szene möglich, haben diese aber gleichzeitig auch vorangetrieben, mitgeformt, geprägt und ihr wortwörtlich eine Bühne gegeben.

Waves Vienna (c) Niko Ostermann
Garish am Waves Vienna 2018 (c) Niko Ostermann

Die Grenzen verschwimmen

Diese Symbiose ist einer der Gründe dafür, dass auch Radiosender abseits von FM4 mittlerweile wieder lokal entstandene Musikprodukte in ihre Rotations nehmen – und die Grenzen zwischen Subkulturen und dem Mainstream immer stärker verschwimmen. Aktuellster Beweis: Songcontest-Gewinnerin Conchita Wurst, die 2016 als Gast der Waves Vienna-Konferenz die Museumsräume im WUK beehrte. Der hinter der Drag-Figur stehende Tom Neuwirth stellte sein neues Projekt Wurst heuer als Headliner auf der Popfest-Seebühne vor und wird mit dem dazugehörigen Album am 2. November erneut ins WUK zurückkehren.

Oder die bereits erwähnten Bilderbuch. Trotz ihrer Aushängeschild-Funktion waren sie (im Unterschied zu Conchita Wurst) nie offiziell im Popfest-Line-Up zu finden. Mit den Worten "Wir wollen auch mal am Popfest spielen" erklommen sie aber im Sommer 2013 die Bühne im brut und gaben als unangekündigte Vorband von Francis International Airport die eben erschienene Single "Plansch" im Halbplayback zum Besten. Schon damals war klar, dass sich für Bilderbuch sehr bald alles ändern würde. Wenige Wochen später spielten sie ihren Überhit "Maschin" zum ersten Mal im ausverkauften WUK live vor Publikum – und für die euphorisierten Anwesenden gleich ein zweites Mal als Zugabe. Schon im Jahr darauf waren Band und Hype zu groß für einen offiziellen Popfest-Slot geworden. Das Waves Vienna hatte hier den besseren Riecher und Bilderbuch schon lange vor "Maschin" im Line-Up der allerersten Festivalausgabe 2011.

Als das grenzübergreifend ausgerichtete Waves Vienna im Herbst 2011 seine Premiere feierte, herrschte zwar Aufbruchstimmung, doch abzusehen waren all diese Entwicklungen nicht. Ich erinnere mich noch gut an diese erste Ausgabe des Showcase-Festivals. Niemand wusste so richtig, was ein Showcase-Festival eigentlich ist. (Mittlerweile ist selbstverständlich klar: Das Waves ist ein Entdecker_innen-Festival, das nicht nur für das aufgeschlossene Publikum, sondern auch für Musikschaffende und Branchenfachleute gemacht wird, die sich im Rahmen der Waves Vienna Conference treffen und vernetzen.) Die Veranstaltung steckte damals charmant chaotisch in den Kinderschuhen und nahm mich mit offenen Armen als Volunteer auf. So konnte ich derjenigen Branche nahe sein, in der ich immer schon arbeiten wollte, und bekam obendrauf einen kostenlosen Festivalpass. Win-win!

9 Jahre Wellen schlagen

"Und wenn jemand ohne Delegates-Pass hereinkommt, dann sei nachsichtig und lass die Person einfach trotzdem in den Konferenzraum", hatte Festivalgründer Thomas Heher mir als Devise mitgegeben und so meine Aufgabe als Konferenz-Volunteer umrissen. Ich stand mit babyblauem Staff-Shirt im Collegium Hungaricum herum und versuchte, wichtig und beschäftigt zu wirken. Getreu seines Namens siedelte sich das Festival in den ersten Jahren in der Nähe des Wassers an, auf Bühnen rund um den Wiener Donaukanal und im 2. Bezirk. Ich hatte mich sehr formal mit Lebenslauf beworben und wollte aus taktischen Gründen untertags das Konferenzteam unterstützen, um abends ja alle Bands sehen zu können. Meine Freundin Isis hatte es mir gleichgetan und nun waren wir gemeinsam dafür zuständig, den Wasserbehälter der Kaffeemaschine nachzufüllen und Häppchen bereitzustellen. Die internationalen Konferenzbesucher_innen und solche, die sich nur eingeschlichen hatten, wollten schließlich mit Kaffeenachschub und Sponsoringware eines Wiener Bäckereibetriebes glücklich gestimmt werden. Angeliefert wurden die Topfengolatschen per Rikscha von einem gestressten Praktikanten, der heute übrigens umtriebiger Kulturjournalist ist.

So leger ging es fünf Jahre später längst nicht mehr zu. Als das Waves Vienna 2016 in den 9. Bezirk rund um das WUK wanderte, konnte das Team um Heher auf einen Erfahrungsschatz und ein wertvolles Netzwerk zurückgreifen. Es stellte ein inspirierendes Festival mit kurzen Fußwegen und kurzweiligen Konzerten auf die Beine, das in der Währinger Straße endlich seine permanente Heimat gefunden hatte. Und meine Wege? Die kreuzten sich erneut mit dem Waves, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade im WUK zu arbeiten begonnen: Eine meiner ersten Musikbranchenerfahrungen wurde nun auch eine meiner ersten Veranstaltungen als WUK-Mitarbeiterin. Wie sich Kreise manchmal schließen! Ich hielt kurz inne, um die Poetik des Lebens zu würdigen, nur um mich gleich darauf im WUK-Innenhof ins wuselige Getümmel zu stürzen und mit lauter Gleichgesinnten wieder einmal viele neue Lieblingsbands zu entdecken.

Die neunte Ausgabe des Waves Vienna findet von 26. bis 29. September statt. Das WUK fungiert erneut als Festivalzentrale.

Astrid Exner, Leiterin WUK Kommunikation, hat die lokale Popmusik-Geschichtsschreibung von 2011 bis 2017 auf ihrem Musikblog Walzerkönig begleitet und noch keine einzige Waves Vienna-Ausgabe ausgelassen.

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