Feelings Per Minute

Dives (c) Martina Lajczak
Dives (c) Martina Lajczak

Feelings Per Minute

Dives und Strandhase im Doppel-Interview

Beide Bands holen ihre für April geplanten Konzerte im WUK nach.

Als Bands am Anfang ihrer Karriere beschäftigen sich Dives und Strandhase mit Studioaufnahmen und Live-Konzerten, aber auch mit ihrem ökologischen Fußabdruck. Beide Bands hätten im April im WUK spielen sollen – ein guter Anlass, sie zum Doppel-Interview donnerstags im Kaffeehaus zu treffen. Dass wenige Wochen die Welt aufgrund der Corona-Pandemie ganz anders aussehen würde, haben wir noch nicht geahnt.

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Die Fastenzeit hat gerade begonnen und wenn dieses Interview erscheint, neigt sie sich dem Ende zu. Worauf verzichtet ihr?

Daniel Mendl (Strandhase): Momentan versuche ich, wenig Fleisch zu essen. Aber eigentlich faste ich nicht bewusst.

Viktoria Kirner (Dives): Man könnte auch außerhalb von christlichen Feiertagen reflektieren, was man zu sich nimmt. Dazu braucht es nicht unbedingt eine Fastenzeit, wo doch eh immer unnötige Trends und Zwänge geboren werden. 

Tamara Leichtfried (Dives): Der Sinn vom Fasten ist ja, dass man sich Zeit nimmt, den eigenen Lebensstil zu reflektieren. Ich hab das nicht zur Fastenzeit gemacht, sondern den Geburtstag meines Bruders zum Anlass genommen.

Viele Bands machen sich Gedanken, wie sie ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können. Ist das etwas, was euch auch beschäftigt?

Strandhase (c) Julia Dragosits
Strandhase (c) Julia Dragosits

Viktoria: Wir bauen jetzt immer eine Tour drumherum, wenn ein Gig weiter weg ist. Wenn man schon so weit fährt, muss es sich auch auszahlen. Manchmal sind das ja dann Festivals, bei denen du 30 Minuten auf der Bühne stehst. Solche Gigs sind wichtig, um sich im Ausland zu etablieren. Man muss aber nachdenken, wie man das möglichst nachhaltig machen kann. 

Daniel: Es ist leider immer eine große finanzielle Frage, wie man das handhabt. Bands wie Radiohead spielen seit Jahren nur auf Bühnen, die von Ökostrom betrieben werden. Aber in so einem frühen Stadium wie bei uns kannst du noch nicht beginnen auszuwählen. 

Wie nehmt ihr Auslandskonzerte ganz generell wahr?

Tamara: Unser erster Gig außerhalb unseres Dunstkreises war in Nordmazedonien. Es war ein extrem schönes Konzert, weil die Leute so erfreut darüber waren. 

Viktoria: Wir haben nie geplant, eine richtige Band zu sein. Wir haben uns auf einem pink noise Girls Rock Camp kennengelernt, wo wir uns ohne musikalische Vorkenntnisse begleitet von Frauen ausprobieren konnten. Die haben zu uns gesagt: “He, traut euch, auch wenn ihr die Instrumente nicht perfekt spielen könnt. Es geht darum, dass ihr diesen Raum einnehmt.” Auf einer Bühne zu stehen und zu sehen, dass da Leute im Publikum sind, die nicht unsere Freunde sind, sondern die das einfach hören wollen, das hat uns extrem geflasht. Dass außerhalb von Wien, von Österreich jemand schon deine Musik gehört hat und dich einlädt, ist ein Geschenk. 

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In den letzten Jahren hat es in der lokalen Musikszene eine Bewegung hin zur elektronischen Musik gegeben. Kommen jetzt die Instrumente wieder zurück?

Dives und Strandhase beim Doppel-Interview

Guillaume Freysmuth (Strandhase): Ich glaub es hat immer beides existiert und es kommt nur darauf an, wo der Fokus gerade liegt. Es ist schön, was für eine musikalische Bewegung in den letzten zehn Jahren in Österreich passiert ist. 

Daniel: Es gibt gerade wenig extrovertierte Musik, die laut sein will. Viel wirkt eher zurückhaltend und reduziert. 

Tamara: Ich hab mir letztens die Blondie-Dokumentation angeschaut, da ging es darum, wie sie sich Hip Hop angeeignet haben. Ich freu mich schon so auf den Moment, wo wieder etwas Neues geboren wird. 

Ist Billie Eilish so ein neues Phänomen für euch?

Tamara: Sie mischt extrem viele Genres. Diese zerbrechlich weiche Stimme und gleichzeitig ist der Track im Hintergrund pushend.

Daniel: Das ist das Paradebeispiel dafür, was technische Produktionsmöglichkeiten ausmachen. Das wär vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Es zeigt, dass du nicht 50.000 Euro in eine Plattenproduktion stecken musst.

Viktoria: Wobei man schon sagen muss, wenn Billie Eilish eine Bass-Gitarre-Schlagzeug-Band hätte, dann wäre das mit der Produktion daheim im Wohnzimmer auch anders gewesen. 

Habt ihr eine bestimmte Idee davon, wie es klingen soll, wenn ihr Musik aufnehmt?

Severin Steirer (Strandhase): Wir sind alle beeinflusst durch die Musik, die wir gehört haben.

Tamara: Ich finde es extrem spannend, wenn eine Band wie eine andere Band klingt. Ich wüsste zum Beispiel nicht, was ich machen müsste, damit ich absichtlich so klinge.

Viktoria: Wenn du so lange zusammenspielst, findest du irgendwann deinen Sound. 

Wie war der Aufnahmeprozess bei euch?

Daniel: Wir haben uns entschieden, das Album live einzuspielen. Wir wussten, fürs erste Album wollen wir einen Live-Charakter. 

Severin: Das beschäftigt mich gerade extrem. Ich bin Led-Zeppelin-Fan und weiß, dass zum Beispiel die frühen Led-Zeppelin-Alben nicht funktionieren, wenn du sie extrem tight durchspielst. 

Viktoria: Diese Temposachen sind prägend für unsere ganze Geschichte. Das ist so ein Lernprozess, vor allem wenn du mit den Instrumenten gerade erst anfängst. Jetzt, wo wir uns zu 100% aufeinander verlassen können, ist es eine arge Erkenntnis, dass so viele Lieder von Temposchwankungen leben. 

Tamara: Gerade am Anfang mit noch wenig Bühnenerfahrung kann man sich manchmal nur schwer auf sein Gefühl verlassen, weil dich das Adrenalin antreibt. Wir haben jetzt teilweise Elemente ins Set eingebaut, die uns das Tempo vorgeben: einen Loop oder einen Woodblock zum Beispiel. Du spielst den selben Song jeden Abend mit der gleichen bpm-Zahl und es passiert manchmal, dass es dir schneller oder langsamer vorkommt, obwohl du  eine künstliche Konstante hast. Das ist echt schräg!

Severin: Im Endeffekt wollen wir schon Rockmusik machen. Es ist ein Unterschied, ob du den ganzen Song zu schnell gespielt hast oder ob du manchmal um 2 bpm zu schnell bist, solange man gemeinsam zu schnell ist.

Daniel: Feelings per minute.

Strandhase-Sänger Daniel Mendl feierte beim Interview seinen Geburtstag

In der Entstehungsgeschichte von Dives war, wie ihr schon angesprochen habt, das Girls Rock Camp wichtig. Wer hat Strandhase am Anfang gefördert?

Daniel: Am Anfang war es wichtig, dass wir einen großen Freundeskreis haben, weil so viele Leute zu den Konzerten gekommen sind. Außerdem haben wir uns in einer Szene bewegt, in der die meisten Leute Musik gemacht haben. Das hat uns sehr schnell zu den richtigen Leuten gebracht, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Unseren Manager Fred Schreiber haben wir über die Wirtin Daria vom Ungar Grill kennen gelernt.

Dives und Strandhase haben sich bisher nicht gekannt. Wie läuft man sich in der Musikszene über den Weg?

Viktoria: Wir kennen mittlerweile viele österreichische Bands, weil du bei Festivals gemeinsam spielst oder weil man sich den Proberaum teilt. Trotzdem ist diese österreichische Musikszene so divers und es gibt komplett verschiedene Kreise.

Severin: Ich schaue immer gern auf Festivals, wer denn so aus Österreich dort spielt. Und trotzdem hab ich oft keine Ahnung und obwohl manche Bands schon viel weiter sind als wir, hab ich noch nie von ihnen gehört.

Viktoria: Was für österreichische Musik hört ihr so?

Tamara: Also neben Dives.

Daniel: Vor allem Dives eigentlich, ja.

Severin: Die eine Band, die ich wirklich regelmäßig aus Österreich höre, ist Buntspecht. Die kennen wir auch alle gut. Extrem gutes Album.

Dives (c) Neven Allgeier
Dives (c) Neven Allgeier

Wollt ihr auch noch eine Band droppen?

Viktoria: Ich möchte auf jeden Fall Farce und Fauna droppen, weil das klingt so nicht österreichisch, deswegen höre ich das sehr gern.

Ihr spielt beide im April im WUK. Was bedeutet das WUK für euch?

Europavox Vienna 2016 - Steaming Satellites (c) Elisabeth Anna
Die Steaming Satellites 2016 im WUK (c) Elisabeth Anna

Tamara: Im WUK hab ich meine coolsten Konzerte gesehen, die Steaming Satellites im WUK waren das beste Konzert ever. Als ich nach Wien gekommen bin, habe ich mir bei bestimmten Locations wie dem WUK oder der Arena Open Air vorgestellt, wie toll es wäre, dort jemals spielen zu dürfen. Wir haben mittlerweile echt viele Venues bespielt, aber das WUK hat uns noch gefehlt. Jetzt darf ich in diesem Backstage sein und dieselben Stufen runtergehen wie Angel Olsen!

Daniel: Es ist eine der schönsten Locations in Wien überhaupt. Ich habe dort auch schon so geile Konzerte gesehen und find es auch noch immer sehr surreal, dass wir jetzt hier spielen.

Dives hätten am 16. April im Rahmen der 15 Jahre Siluh Records-Labelnight im WUK spielen sollen. Die Veranstaltung wird am 25. Februar 2021 nachgeholt.

Strandhase hätten am 18. April im WUK ihr Debütalbum präsentiert. Das Konzert wurde auf den 3. September 2020 verschoben.

Interview: Astrid Exner

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