Meerjungfrauen pinkeln besser

Bühnensituation: Frau in Meerjungfrauenschwanz liegt aif der hell ausgeleuchteten Bühne.
© Michael Guerrero

Meerjungfrauen pinkeln besser

„Mermaid Show“ zerlegt Geschlechterklischees und Stereotype eines Märchenklassikers

Die Performerin verwandelt sich in das monströse Pendant von Disneys „Kleiner Meerjungfrau“, residiert in einem Planschbecken und kreischt Songs von Katy Perry oder Nicki Minaj, zerfleischt einen rohen Fisch und versucht verzweifelt, sich aus ihrer glitschigen Flosse zu pellen. Wir haben Ann Liv Young vorab ein paar Fragen gestellt.

Im Dezember remixt das Versuchsformat "REAL DEAL!", kuratiert von God’s Entertainment und Tomas Zierhofer-Kin / donaufestival, Performancekünste und Clubkultur. Die New Yorker Performerin Ann Liv Young ist ein „real deal“ der internationalen Performance-Szene, das ist längst kein Geheimnis mehr.

Du hast Produktionen zu „Schneewittchen“, „Aschenputtel“, „Dornröschen“ und „Die kleine Meerjungfrau“ gemacht? Warum bis du so fasziniert von Disney-Figuren?

Ich bin gar nicht so fasziniert von Disney selbst, sondern mehr von den Gebrüdern Grimm. Ich liebe alte Märchen und habe sie immer geliebt. Die Meerjungfrau hat meine Tochter Lovey vorgeschlagen. Ich liebe Meerjungfrauen, besonders unheimliche, aber auch Disneys alte Zeichnungen für die ersten Filme. „Mermaid Show“ war allerdings weniger vom Disney-Film „The Little Mermaid“ abgeleitet, sondern eher von meiner persönlichen Definition von Meerjungfrauen. Ich denke, es hat psychologische Gründe, dass ich diese Dinge mag. Es hat damit zu tun, dass ich in vielerlei Hinsicht eine ziemlich schwere Kindheit hatte. Vielleicht muss ich meine Kindheit nachholen, weil mir damals nicht ausreichend erlaubt wurde, Kind zu sein …

Auf deiner Homepage verkaufst du Beutel mit Urin, gebrauchte Tampons und Unterhosen von Sherry (red. Anm.: Sherry ist eine Kunstfigur von Ann Liv Young, eine manische, geschwätzige Kleinstadtblondine mit Kunstnägeln und Südstaatenakzent). Wieviel Leute haben diese Produkte gekauft?

Glaube es oder nicht, aber nicht Wenige! Vor allem Europäer kaufen sie, auch an unseren Merchandising-Tischen nach der Show. Auch wenn sie niemand kaufen würde, würde ich sie zum Verkauf anbieten. Es ist ein Statement über den Druck in der New Yorker Kunstszene, Dinge verkaufen zu müssen und ein Statement von Sherry, wie wertvoll und wichtig sie ist. Ich würde sagen, Sherrys gebrauchte Kaugummis und gebrauchte Tampons verkaufen sich am besten.

Warum pinkelst du so oft in deinen Performances?

Das kommt auf die Show an. Ein Grund ist, weil ich aufs Klo muss. In all meinen Arbeiten versuche ich, etwas transparent zu machen und das kann auch sein, dass ich einfach mal aufs Klo muss – auch während der Show.

Das Gespräch führte Helma Bittermann

REAL DEAL!

Mit Christina Kubisch, geheimagentur, Ann Liv Young, Shrack!, The Bug, Lady Leshurr, Jaap Blonk, Ventil, Billy u. a.
Fr 12.12. und Sa 13.12., 18 Uhr, Saal und Foyer

REAL DEAL! ist eine Koproduktion von God’s Entertainment mit donaufestival und WUK performing arts. Mit Unterstützung der Kulturabteilung Stadt Wien.

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