Zeit

Do 6. November 2014 - Sa 20. Dezember 2014

Ort

Kunsthalle Exnergasse

Bernhard Rappold, With Small Words, Detail
Kunst

WITH SMALL WORDS

Eröffnung: Mi 05.11.2014, 19:00
Performance: Fr 21.11.2014, 19:00
Ausstellung: 06.11. - 20.12.2014

Éva Bodnár, Nuria Fuster, Ha Za Vu Zu, Nicolas Jasmin, Santiago Morilla, O, Bernhard Rappold, Franz Schubert, Felipe Talo, Carlos Vasconcelos, Brent Wadden, Felix Leon Westner, Das Wiener Jazzpanoptikum

Ausgehend von David Thomas' Lecture „The Geography of Sound“1 versammelt dieses Ausstellungsprojekt Künstlerinnen und Künstler aus acht verschiedenen
Ländern, darunter Éva Bodnár, Nuria Fuster, Ha Za Vu Zu, Nicolas Jasmin, Santiago Morilla, O, Bernhard Rappold, Franz Schubert, Felipe Talo, Carlos Vasconcelos, Brent Wadden, Felix Leon Westner und Das Wiener Jazzpanoptikum (Pils, Pulsinger, Zykan).

Alle Genannten verbindet die Beschäftigung mit Sound und Kunst, die Ausgangspunkte der Annäherung sind jedoch verschieden: Auf der einen Seite steht die bildende Kunst, auf der anderen die populäre Musik.
Nicht zufällig lieferte der kunstaffine David Thomas, seines Zeichens Sänger der von ihm als Avant-Garage kategorisierten Band „Pere Ubu“, die Idee zum Konzept.
In seiner bereits erwähnten, wunderbar launischen Lecture spannt er den Bogen gekonnt von Thomas Alva Edisons erster phonographischer Aufnahme bis hin zu Elvis. Besonders hervorgehoben wird dabei die Stilsicherheit, derer sich Edison bediente, als er die Worte für die erste Tonaufnahme der Geschichte wählte.
Er sprach „Mary had a little Lamb“ in den Schalltrichter, ein bereits 1876 - zur Zeit der Aufnahme - bekannter Kinderreim. Edison hätte ohne weiteres etwas Profundes, einen Aphorismus, rezitieren können – entschied sich jedoch für das Banale, das Alltägliche.
Als Edisons ungleicher Zwilling wird weiters Neil Armstrong identifiziert: Auch er hatte seinen großen Moment in der Geschichte der Tonaufzeichnung, laut David Thomas hat er ihn aber gehörig versemmelt. Sein „That's one small step for (a) man, one giant leap for mankind!“ bei der Mondlandung 1969 wirkte staatstragend und holprig zugleich, auswendiggelernt und in seiner Metaphorik übermäßig pathetisch.

„Big Events are best heralded with Small Words“ schlussfolgert Thomas.
In der künstlerischen Praxis bieten sich, beispielsweise am Beginn einer Arbeit  – sowie sogar noch bei deren Betitelung – immer wieder Momente des Pathos und der großen Geste, der „Armstrong-Falle“. Die Lösung liegt jedoch nicht in der Etablierung eines Stils des gekonnten Scheiterns. Impliziert doch die Erkenntnis, man könne zweifelsohne auch „Big Events“ hervorrufen, dass man die Dinge, an deren Bearbeitung man tätig ist, sehr wohl hoch schätzen sollte. Das Reservoir woraus sich die künstlerische Größe und Leichtigkeit schöpft, ist oftmals das Feld der „Small Words“, der kleinen Dinge. Das Scheitern kann sich dann trotzdem noch einstellen.
In diesem Sinne ist die Auswahl der Künstlerpersönlichkeiten von Edisons selbstironischen Spruch „I have not failed – I 've just found 10.000 ways that won't work“ beeinflusst. Bei allen spielt das Experimentieren, das Verwerfen, das „Tüfteln“ an sich eine große Rolle.

Éva Bodnár, Erfinderin und Verfechterin des Happy Anfang pflegt in Ihrem malerischen Werk einen offenporigen Umgang mit Film, Musik und Sprache. Brent Wadden wählt den Webstuhl als Instrument der analytischen Langsamkeit. Carlos Vasconcelos' Objekte und Videos scheinen einer Alchemiewerkstatt entsprungen, durchtränkt von der Suche nach Veredelung und durchbrochen von der Grobheit des Noise. Ha Za Vu Zu verschreiben sich der leidenschaftlich-performatorischen Ironie. Bei Bernhard Rappold werden Lapsteel-Gitarren zum Bildobjekt. Nicolas Jasmin zeigt Malerei von Time to Zeit. Das Wiener Jazzpanoptikum widmet sich in der Regel donnerstags dem Plattenauflegen und in der Ausstellung dem Heimorgelbemalen. Franz Schubert zeigt eine stumme Videointerpretation zu Gerhard Richters Sonic Youth-Plattencover.
In seinem Video In Rem Verso gibt Santiago Morilla den künstlerischen Franz von Assisi und unterhält einen zeichnerischen Dialog mit Bäumen, Ratten und Vögeln. Am Hafen einer chinesischen Metropole sieht man Felipe Talos Videoversuch, ein magisches Dreieck zwischen Trompetenspieler, signalgebendem Frachtdampfer und eigener Kreidezeichnung zu erzeugen. Teresa Rotschopf alias O zeigt ihr neues Musikvideo 2410. Felix Leon Westner performt zwischen Vocals und Wandzeichnung, zwischen Diagramm und Loop, schürft dabei am Brüchig-Fragilen des Pop. Die ausgebildete Tänzerin Nuria Fuster arbeitet in Ihren Installationen und Skulpturen mit Überbleibseln unserer Gesellschaft: Sie destilliert aus dem Gebrauchten der Dinge die menschliche Körperlichkeit.

(Bernhard Rappold)

Im Rahmen der Vienna Art Week findet am 21. November eine Performance und Konzert Nacht statt.

Performance / Konzert Nacht: 21.11.2014 ab 19:00 Uhr
Du Videot II von Éva Bodnár
O (Teresa Rotschopf)
Ha Za Vu Zu
Trumatic & Felix Leon Westner
Wegwerfpizza
DJ Nicolas Jasmin
 

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