Zeit

Sa 1.10.2022 bis Sa 26.11.2022

Preis

Eintritt frei

Ort

Fotogalerie Wien on Tour, Fotohof Salzburg

KunstAusstellung

WERKSCHAU XXVII: CHRISTIAN WACHTER

Konzept versus Fotografie

Bis Herbst 2023 ist die Fotogalerie Wien auf Wanderschaft: Während der Sanierung des WUK  finden unsere Ausstellungen bei befreundeten Institutionen im In- und Ausland statt. Unser erster Gastgeber in Österreich ist der Fotohofin Salzburg, mit dem wir die WERKSCHAU XXVII von Christian Wachter präsentieren. Wachter ist ein früher Vertreter der österreichischen Autorenfotografie, der sein Werk aber auch bald einer politisch reflektierten Konzeptfotografie geöffnet hat. Unter dem Titel Konzept versus Fotografie zeigt die Ausstellung das breite Spektrum von Wachters Werk von den 1980er-Jahren bis heute.

WERKSCHAU XXVII ist die Fortsetzung der seit 27 Jahren jährlich stattfindenden Ausstellungsreihe der FOTOGALERIE WIEN, in der zeitgenössische Künstler:innen präsentiert werden, die wesentlich zur Entwicklung der künstlerischen Fotografie und neuen Medien in Österreich beigetragen haben. Gezeigt wurde bisher ein Querschnitt durch das Schaffen von Jana Wisniewski, Manfred Willmann, VALIE EXPORT, Leo Kandl, Elfriede Mejchar, Heinz Cibulka, Renate Bertlmann, Josef Wais, Horáková + Maurer, Gottfried Bechtold, Friedl Kubelka, Branko Lenart, INTAKT – Die Pionierinnen (Renate Bertlmann, Moucle Blackout, Linda Christanell, Lotte Hendrich-Hassmann, Karin Mack, Margot Pilz, Jana Wisniewski), Inge Dick, Lisl Ponger, Hans Kupelwieser, Robert Zahornicky, Ingeborg Strobl, Michael Mauracher, PRINZGAU/podgorschek, Maria Hahnenkamp, Robert F. Hammerstiel, Sabine Bitter & Helmut Weber, Michaela Moscouw, Günther Selichar und Heidi Harsieber.
Wir freuen uns, dass wir im Rahmen von FOTOGALERIE WIEN ON TOUR den Künstler Christian Wachter im FOTOHOF in Salzburg präsentieren dürfen.

Um semantische, konzeptuelle, sogar performative Elemente vermehrt Christian Wachter das prinzipiell fotografische Dispositiv seiner Arbeiten bisweilen so, dass es den Anschein hat, als würde er die Fotografie verlassen, jedoch sind es oft gerade deren eigene Parameter, die er neu aufgreift und paraphrasiert. Formale Entscheidungen wie Wiederholungen und Sequenzen sind dabei werkbildend, Narrative karg und kryptisch, wie dies besonders für die beiden Serien NFT-C (Non-Fungible Tobacco-Containers) oder Diana gilt. Sie sprechen von einem quasi verdoppelten „Gewesen-Ist“, das den Motiven und der Fotografie eigen ist, beinhalten aber auch Momente von Archivierung oder Nachträglichkeit. Sowohl die Patronenhülsen in Diana als auch die Zigarettenpackungen in NFT-C erzählen von einer Art Nachleben, wenn Abfallprodukte zu Protagonisten konzeptueller Überlegungen werden.

Im Jahr 2000 hatte Wachter seine Dunkelkammer aufgelöst, die danach als Rauchsalon in Verwendung war, wie wir aus dem Kontext der vor 2014,2017/2022 entstandenen Werkgruppe  NFT-C, einer Serie von mehreren Hundert C-Prints, erfahren. Die Narration ist knapp, aber quantitativ breit gehalten, als würden die Bilder einen langen Lebens- und Arbeitsprozess bildlich zu bewältigen haben: Wachter hat die Zigarettenpackungen, vornehmlich die der geschichtsträchtigen und sehr österreichischen Marke Smart Export, über Jahre gesammelt und sie danach detailgetreu fotografisch erfasst. Er operiert mit den Mitteln von Objektivierbarkeit und wählt neuerlich eine strenge Form: Wir sehen „nur“ das jeweilige Objekt, dessen Kontext das nächste ist, das sich formal vom vorhergehenden zwar unterscheidet, aber dennoch ähnlich ist. Die Packungen sind scheinbar achtlos zusammengeknüllt und haben ihren Index doppelt verbraucht, wenn sie ikonisch zu zentralen Objekten werden. Sie paraphrasieren das Stillleben, wie man es aus der Malerei, aber auch aus der Fotografie kennt und arbeiten mit dem Gestus der Duration, der Dauer, mit der die Neoavantgarden Subjektivität und Emotionalität ausschließen wollten und sich strenge Regeln und Handlungsanweisungen auferlegten. Stand dort die Idee, das Konzept im Vordergrund und eine gewisse Entmaterialisierung, kann letzteres für Wachter nicht zutreffen, der seine Objekte fotografisch wie kostbare Sammelgegenstände ausleuchtet und ihre Materialität quasi skulptural sprechen lässt.
In Diana geht es um die Natur, um die Jagd, um leere Patronenhülsen, die in der Natur liegengeblieben sind. Wachter hat sie an zwei Tagen 2008 an zwei Orten in Ligurien fotografiert. Wie ein Vertreter der Land Art hat er gehend Bereiche erschlossen, die er jetzt in eine filmische Sequenz stellt. (Auszug aus einem Text von Susanne Neuburger)

Petra Noll-Hammerstiel, im Namen des Kollektivs 

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