Abstrakte Aufnahme von Händen einer Person, die sich mit den Mustern eines bedruckten Textils oder den Spiegelungen einer Ziegelfassade überlagern. Die Hände scheinen in trübem Wasser zu schweben, auf dessen Oberfläche sich Lichtreflexe und schemenhafte Gesichtszüge abzeichnen.
Zeit

Mo 30.10.2026 bis Sa 16.1.2027

Preis

Eintritt frei

Ort

Fotogalerie Wien

Eingang

G

Yela An, aus der fünfteiligen Serie Echoes Woven, 2026
Kunst,  Ausstellung

Bildträger:in

Yela An, Hubert Kaufmann, Lisa Rastl, Jakob Rockenschaub, Daniela Zeilinger

Der Bildträger ist der Ort der Bilder. Hier werden sie gespeichert, übertragen und sichtbar gemacht. Der Begriff verweist darauf, dass jedes Bild eine materielle Grundlage benötigt. Es existiert nicht losgelöst, sondern ist immer an einen physischen Körper, an ein Trägermedium gebunden. Die Ausstellung Bildträger:in erweitert und hinterfragt dieses Verständnis. Durch das Gendern des technischen Begriffes wird dieser geöffnet und neu gedacht. Die gezeigten Arbeiten beschäftigen sich mit technologischen und medienreflexiven Fragen, gehen jedoch darüber hinaus. Bildträger sind nicht nur Materialien und technische Konstruktionen. Auch Menschen können Bildträger:innen sein: Sie tragen Bilder in sich, speichern, projizieren und geben sie weiter. Diese Bilder existieren sowohl individuell und subjektiv als auch kollektiv und systemisch. Ebenso wie Menschen sind sie in ein Geflecht aus historischen, kulturellen und ökologischen Zusammenhängen eingewoben.

Echoes Woven von Yela An spürt psychotischen Zusammenbrüchen und Depressionen über drei Generationen von Frauen in der Familie der Künstlerin nach. An fragt, ob diese Muster auf genetische Vererbung oder auf den äußeren Druck einer patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaft zurückzuführen sind. Ausgehend von Familienfotoarchiven und Reenactments betrachtet sie Depression nicht als rein private Last, sondern im Zusammenhang mit strukturellen Bedingungen und der gesellschaftspolitischen Stellung von Frauen in Südkorea. Jede Generation wird dabei in ihrem jeweiligen historischen Kontext betrachtet. Ans eigene Erfahrung als asiatische Frau in Westeuropa fügt eine weitere Ebene hinzu: Aus dieser Position kultureller Entwurzelung werden bestimmte, über Generationen weitergegebene Muster besonders sichtbar.

 

Hubert Kaufmanns Serie Entfaltung beschäftigt sich mit den Grundlagen digitaler Fotografie. Seine Bilder entstehen ohne Linse, Projektion oder Licht. Statt ein Motiv abzubilden, zeigen sie visuelle Strukturen, die direkt im Kamerasensor entstehen. Digitales Rauschen, Bildartefakte und andere technische Prozesse, die normalerweise unsichtbar bleiben oder als Fehler gelten, werden zum eigentlichen Bildinhalt. Die Arbeiten machen sichtbar, was jeder digitalen Aufnahme zugrunde liegt: elektronische Vorgänge, statistische Schwankungen und die Eigenlogik des Sensors. Daraus entstehen Farbfelder, Schichtungen und feine Übergänge, die die Bildfläche prägen. Kaufmann richtet den Blick auf die normalerweise verborgenen Bedingungen digitaler Bildproduktion und macht das digitale Fundament fotografischer Sichtbarkeit unmittelbar erfahrbar.

 

Jakob Rockenschaubs Arbeit nimmt die Rotschlamm-Katastrophe von Kolontár in Ungarn zum Ausgangspunkt. Im Oktober 2010 brach ein Rückhaltebecken einer Aluminiumfabrik, wodurch große Mengen giftigen Rotschlamms mehrere Ortschaften überschwemmten. Die Folgen für Menschen und Umwelt waren verheerend. Ausgehend von seiner Arbeit mit Aluminium interessiert sich Jakob Rockenschaub für die verborgenen ökologischen und gesellschaftlichen Folgen der Rohstoffindustrie. Für das Projekt recherchierte er vor Ort in Ungarn, besuchte ehemalige Bauxitminen und sammelte Materialien aus dem Umfeld der Katastrophe. In der Installation verwendet er Langzeitbelichtungen von Fernsehberichten aus dem Jahr 2010. Während Logos und grafische Elemente erkennbar bleiben, verschwimmen Landschaften und Ereignisse zu abstrakten Strukturen. Durch dieses bewusste Weglassen rückt die Arbeit Fragen nach Erinnerung, medialer Darstellung und Verantwortung in den Mittelpunkt.

 

Ausgangspunkt für Lisa Rastls Arbeit For example: the earth is round ist der Globus. Obwohl er geografisches Wissen vermittelt, ist seine Darstellung von kulturellen Vorstellungen geprägt. Für ihre Serie fotografierte Rastl einen weißen Globus aus mehreren Blickwinkeln. Seine dreidimensionale Form wurde dabei in zweidimensionale Bilder übersetzt. Außerdem bleiben die Mattscheibe der Kamera und ihre Rasterstruktur sichtbar und treten zu den Meridianlinien des Globus in Beziehung. In Clouds nutzt Rastl die Segmente eines Globus als Bildträger für Wolkenfotografien. Die Bilder zeigen natürliche und menschengemachte Wolken, wie Rauchwolken von Waldbränden, von Industrieanlagen oder militärischen Konflikten. Die Fotografien werden analog in der Dunkelkammer auf die Formen der Globussegmente übertragen. So verbindet die Künstlerin geografische Darstellung, fotografisches Bild und materielle Oberfläche.

 

Daniela Zeilinger entwickelt ihre Werkserie Polkadots aus dem einfachen Punkt. Die Künstlerin untersucht dessen Rolle und Funktion als grundlegendes visuelles Element. In ihren Arbeiten verbindet sie analoge und digitale Fotografie mit Malerei, Zeichnung und Collage. Die einzelnen Bildelemente werden in mehreren Arbeitsschritten bearbeitet und neu kombiniert. Dabei entstehen Werke, die sich nicht eindeutig einem Medium zuordnen lassen. Fotografie, Zeichnung und malerische Spuren gehen ineinander über und bilden komplexe Bildräume. Die Oberfläche wirkt durchlässig und eröffnet verschiedene Blickebenen. Zeilinger interessiert sich weniger für die Darstellung eines Motivs als für die Bedingungen des Bildes selbst. „Durch Collage- und Montagetechniken, die analoges Material und digitales Abbild verschränken, schafft sie Bilder, die sich als komplexe Schichtungen zu erkennen geben und die Voraussetzung fotografischer sowie gemalter Repräsentation hinterfragen“, schreibt Niklas Koschel über ihre Arbeit. (Johan Nane Simonsen)

Barrierefrei zugänglich.
Veranstalterin: Fotogalerie Wien
Sponsored by: BMWKMS, MA7-Kultur, Cyberlab

Diese Veranstaltungen könnten dich auch interessieren:
Röntgenaufnahme eines Regals mit verschiedenen Haushaltsgegenständen und Werkzeugen

Mo 19.10. bis Sa 21.11.2026

Fotogalerie Wien
Barrierefrei zugänglich

Mehr lesen
Abstrakte Aufnahme von Händen einer Person, die sich mit den Mustern eines bedruckten Textils oder den Spiegelungen einer Ziegelfassade überlagern. Die Hände scheinen in trübem Wasser zu schweben, auf dessen Oberfläche sich Lichtreflexe und schemenhafte Gesichtszüge abzeichnen.

Bildträger:in

Yela An, Hubert Kaufmann, Lisa Rastl, Jakob Rockenschaub, Daniela Zeilinger

Mo 30.10.2026 bis Sa 16.1.2027

Fotogalerie Wien
Barrierefrei zugänglich

Mehr lesen
Frau kniet auf dem Boden vor einer Schüssel in einem Raum mit einer schwarz-weißen Linienzeichnung einer Küche an der Wand und einem Stuhl davor

Di 3.11.2026 bis So 8.11.2026

WSB-Studio
Barrierefrei über Lift D

Mehr lesen

Do 5.11.2026 bis Sa 12.12.2026

kex—kunsthalle exnergasse
Barrierefrei über Lift B

Mehr lesen

Giwiinoondaagozimin

Im Rahmen der Vienna Art Week

Fr 6.11.2026
17.00 - 18.30

kex—kunsthalle exnergasse
Barrierefrei über Lift B

Mehr lesen
Mehrere Personen in einer Galerie betrachten Kunstwerke und unterhalten sich, eine Frau steht nah an einer Wand mit aufgestellten Bildern und Objekten

Fr 6.11. bis Di 10.11.2026

WUK Areal

Mehr lesen
Mehr lesen

Anfahrt

So findest du zu uns!

Mehr lesen
Women's Euro 2017 Public Viewing im WUK (c) Niko Ostermann
Mehr lesen

Fragen und Antworten

Häufige Fragen und Antworten zum Veranstaltungsbesuch findest du hier.

Mehr lesen

KEX Newsletter

Melde dich hier zum Newsletter der Kunsthalle Exnergasse an, um über Ausstellungen und Veranstaltungen informiert zu werden.