Meine Reise: Vom Regalbetreuer zum Bahnmeister

Meine Reise: Vom Regalbetreuer zum Bahnmeister

Ein Autist auf neuen Gleisen

Gregor, Teilnehmer bei der WUK Arbeitsassistenz, berichtet von seiner Arbeit als Bahnmeister bei der Liliputbahn Wien.

Als Bahnmeister bei der Liliputbahn in Wien zu arbeiten, ist weit mehr als nur ein Job – es ist wie das Arbeiten in einer vergangenen Zeit. Als Bahnmeister bin ich, Gregor, Teil eines Teams, das die Liliputbahn am Leben hält, damit den Besucher_innen ein einzigartiges Erlebnis geboten werden kann.

Aber wie kam es überhaupt dazu? Eigentlich bin ich gelernter Einzelhandelskaufmann und nach einigen Jahren in der Branche, war es an der Zeit für einen Jobwechsel.

Die Idee, mich als Bahnmeister zu bewerben, kam von meinen Eltern. Wie des Öfteren im Leben war ich mir am Anfang unsicher, ob diese Arbeit zu mir passt oder ich überhaupt für diese Arbeit passe. Beworben habe ich mich dann trotzdem und hab den Job auch bekommen. Der Wechsel von den Regalen zu den Schienen mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, aber berufliche Reisen nehmen bisweilen unerwartete Wendungen und die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen braucht auch seine Zeit.

Damit ich diesen Weg nicht alleine gehen musste, habe ich dabei auf die Unterstützung der Arbeitsassistenz und des Jobcoachings zurückgegriffen.

Mein Tag bei der Liliputbahn beginnt mit der Inspektion der Gleise, einer morgendlichen Routine, die nicht nur technisches Know-how erfordert, sondern auch mit sehr viel Sorgfalt verbunden ist. Bei der Überprüfung der Gleise wird darauf geachtet, ob alles den technischen Erfordernissen entspricht, keine sonstigen Schäden erkennbar sind und die Gleise frei von Gegenständen wie z.B. Ästen sind.

Bei der Inspektion werden auch die Weichen und Signalanlagen auf ihre Funktionstüchtigkeit kontrolliert. D.h. jede Schraube, jeder Nagel wird von mir sorgfältig überprüft, um sicherzustellen, dass die Fahrt der Liliputbahn reibungslos und sicher verläuft. Nebenbei wird natürlich auch jeglicher Müll, der bisweilen aus einem Wagon fällt, bei dieser Gelegenheit eingesammelt. Nach der Inspektion unterstütze ich dann meine Kollegen in der Werkstatt bei der Reparatur oder Instandhaltung der Loks und Waggons.

In der Arbeitswelt sind Vielfalt und Inklusion entscheidend, und ich ermutige nicht nur andere Betroffene, sondern auch andere Arbeitgeber_innen, die einzigartigen Stärken jedes_r Einzelnen zu schätzen. Mein Weg mag unkonventionell erscheinen, aber er ist ein Beispiel dafür, dass Autist_innen wichtige Beiträge leisten können, wenn ihre Stärken erkannt und gefördert werden.

Meine Geschichte ist nicht nur meine eigene, sondern auch eine Erinnerung daran, dass jeder seine eigene Reise hat, und dass Autist_Innen, eine wertvolle Rolle in der beruflichen Landschaft spielen können, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen.

Evtl. werde ich einmal die Ausbildung zum Lokfahrer machen und vielleicht fährst du dann ja mit mir mit!

Auf jeden Fall freue ich mich schon auf den Saisonstart 2024!


Fotos: Franz Heschl, WUK Arbeitsassistenz

NEBA ist eine Initiative des Sozialministeriumservice.

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