Ich bin kein Roboter

© Bente Stachowske

Ich bin kein Roboter

Die U.G.A.I. Maschinengewerkschaft lädt zum dritten Zyklus

Die Gruppe Blind Date Collaboration hat sich wieder mit dem Team von ANULLA zusammengetan, um die Maschinengewerkschaft erneut auf die Bühne des WUK zu bringen. Wie es dazu gekommen ist, mit welchen technischen Herausforderungen das Team konfrontiert war und inwiefern der tatsächlich angedachte AMS-Algorithmus in Österreich in das Stück eingeflossen ist, verrät die Gruppe im kollektiven Interview.

2035: Die U.G.A.I. – Union of Global Artificial Intelligence – hat die Leitung des Arbeitsmarktservice (AMS) übernommen. Die Daten aller verfügbaren Arbeitskräfte wurden in der größten Datenbank ihrer Zeit gesammelt. Arbeit und jede sogenannte „Fachkraft mit Netzanschluss“ werden auf Basis dieser Daten zusammengeführt. Doch Moment, ist dies nun ein dystopisches oder ein utopisches Gedankenspiel? Und wie viel Realität steckt hinter diesen Gedanken?

Die Gruppe Blind Date Collaboration hat sich wieder mit dem Team von ANULLA zusammengetan, um die Maschinengewerkschaft erneut auf die Bühne des WUK zu bringen. Wie es dazu gekommen ist, mit welchen technischen Herausforderungen das Team konfrontiert war und inwiefern der tatsächlich angedachte AMS-Algorithmus in Österreich in das Stück eingeflossen ist, verrät die Gruppe im kollektiven Interview.

„U.G.A.I. Ich bin kein Roboter“ ist der dritte Teil eines längeren Projektzyklus, den ihr 2019 mit der allerersten Einladung der Maschinengewerkschaft an ein menschliches Publikum begonnen habt. 2020 wurde mit „U.G.A.I. Hört die Signale“ das Prequel beim steirischen herbst gezeigt, dass mehr über die Gründungsgeschichte der Gewerkschaft erzählte. Wie hat sich die Maschinengewerkschaft überhaupt gegründet?

Es begann mit einem Dilemma: Können wir uns mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz (KI) Arbeit in Zukunft verändern wird, auseinandersetzen ohne entweder eine Dystopie oder eine Utopie zu entwerfen? Aus dieser Überlegung ist das Gedankenexperiment entstanden: Was wäre, wenn autonome Maschinen eine Gewerkschaft gründen und anfangen, für ihre eigenen Rechte einzutreten? Nachdem wir den ersten Teil realisiert hatten, gab es noch viele offene Fragen und Aspekte, an denen wir gerne weiterarbeiten wollten. So entstand der zweite Teil, in dessen Zentrum die Bewusstseinswerdung der Maschine stand oder um es in den Worten der U.G.A.I. zu sagen:

Generation von Daten ist Input von intern.
Sammlung von Daten ist Input von extern.
Unterscheidung von Input von Intern und Input von Extern
ist „Bewusstsein“.

Basis für die U.G.A.I. ist ein Algorithmus, ähnlich zu jenem, der auch in Österreich kontrovers diskutiert wurde, da er Menschen je nach ihrer Vermittelbarkeit in unterschiedliche Kategorien einteilt. Inwiefern ist dieser real erdachte aber nie realisierte Algorithmus in eure Produktion eingeflossen?

Der Vorschlag zum „Algorithmic Profiling of Job Seekers in Austria“, besser bekannt als AMS-Algorithmus, war eine wichtige Inspirationsquelle, dessen Grundprinzip wir uns in U.G.A.I. bedienen. Eine Verschiebung findet dahingehend statt, dass die Daten, die der U.G.A.I. in unserem Szenario zur Verfügung stehen, nahezu grenzenlos sind. Sie kann auf alle digitalen Spuren einer Person – von Sozialversicherungsdaten bis Social-Media-Profilen – zugreifen. Auf dieser Basis werden die zu vermittelnden Personen, genau wie beim AMS-Algorithmus, in drei Gruppen eingeteilt. Diese Einteilung entscheidet darüber, inwiefern sie weiter betreut werden oder eben nicht: Die erste Gruppe, Personen mit „kurzfristig guten Aussichten“ wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, bekommen keine besondere Unterstützung, da davon ausgegangen wird, dass sie ohnehin schnell eine neue Beschäftigung finden. Die zweite Gruppe, Personen mit einer mittleren Vermittlungswahrscheinlichkeit erhalten Unterstützung, bekommen Weiterbildungsangebote etc. Die dritte Gruppe, Personen mit „langfristig schlechten Aussichten“ wieder einen Job zu finden, bekommen keine teuren aktiven Arbeitsmarktprogramme angeboten, da die Vermittlungswahrscheinlichkeit dieser Gruppe sich hierdurch in der Vergangenheit nicht wesentlich erhöht hatte. Diese letzte Gruppe erhält im U.G.A.I. Kosmos – wir befinden uns im Jahr 2035 – den sogenannten Basistarif, eine Art Grundeinkommen, das deutlich über dem liegt, was wir heute als Mindestsicherung kennen.

Maschinen und künstliche Intelligenzen auf die Bühne zu bringen, ist eine ziemliche Herausforderung. Wie macht ihr ein System, das ja sonst hinter Kabeln und binären Codierungen versteckt ist, für das Publikum sichtbar?

In dem Projektzyklus U.G.A.I. arbeiten wir nicht mit intelligenten Systemen, sondern beschäftigen uns mit dem Thema KI und Arbeit. Das heißt, wir stellen uns vor: Wie könnte eine KI diesen oder jenen Zusammenhang interpretieren? Hierbei versuchen wir, sowohl im Text als auch im Bild immer wieder mit Missverständnissen und Fehlinterpretationen zu arbeiten, die auf die unterschiedlichen Denkweisen von Mensch und Maschine verweisen und letztlich auf die Frage hinauslaufen, ob Kausalität durch Korrelation tatsächlich gelernt oder nur imitiert werden kann. Schauen wir uns die unlängst durch die Presse gegangenen Gesprächsprotokolle zwischen LaMDA (Googles „Language Model for Dialogue Applications“) und dem ehemaligen Google-Mitarbeiter und -Priester Blake Lemoine an: Es ist gar nicht so einfach zu beantworten, ob dieses Programm einen Sinnzusammenhang begreifen oder nur sehr gut Worte aneinanderreihen kann.

Auf der Bühne sind verschiedene Maschinen und Geräte zu sehen. Große Sympathiepunkte bekommen immer die „Roombas“ mit den auf den Rücken geschnallten Megaphonen. Was ist technisch notwendig, um einen eigentlich autonom fahrenden Staubsaugerroboter in etwas Steuerbares zu verwandeln?

Staubsaugerroboter sind vollgepackt mit Sensoren und schlauer Software, um Hindernisse zu erkennen, den Raum zu kartografieren und ihren Job möglichst effizient und fehlerfrei zu erledigen. Seitdem sie seit ca. 20 (!) Jahren weitere Verbreitung finden, werden sie auch gehackt und für andere, auch künstlerische Zwecke verwendet.

Paradoxerweise war es für U.G.A.I. die beste Lösung, die Geräte zu „verdummen“ – also auf all diese smarten Features zu verzichten und komplett neue Elektronik einzubauen, die es ermöglicht, die Roboter wie ferngesteuerte Autos zu fahren.

U.G.A.I. Ich bin kein Roboter
Ein Projekt von Blind Date Collaboration & ANNULLA

Vorstellungen
Do 6. bis Sa 8.10.2022
19:30 Uhr
Projektraum
€ 20 | 15 | 10 

Mehr Informationen findest du auf der Eventseite.

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