Bedürfnis nach Wald.

Bedürfnis nach Wald.

Back to the woods! Der Wald als mythischer Ort hat nicht nur im Lockdown an Popularität dazu gewonnen. Welche wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verschränkungen zu finden sind, bearbeitet Fabian Faltin in seiner Performance "Would be Wood".

Im Ankündigungstext sprichst du von der Rückkehr in die Wälder. Worauf beruht diese These und sind wir wirklich mehr im Wald unterwegs?

Fabian Faltin: Tatsächlich konnte man im Lockdown ein Ansturm auf die Wälder beobachten. Im Lainzer Tierpark gingen die Österreicher_innen in nahezu geschlossener Kolonne spazieren. Der Wald, der ohnehin immer ein mythischer Ort ist, wurde plötzlich als Ort der Heilung wiederentdeckt. Auch ich habe in dieser Zeit die Waldmeditation für mich entdeckt und ging mit Freund_innen und den Kolleg_innen von HUGGY BEARS im Wald meditieren. Das Buch „Forest Bathing“ von M. Amos Clifford empfehle ich jetzt sogar meinen Creative Writing Student_innen.
In Punkto Wirtschaft lässt sich auch sagen, dass der Wald in Österreich trotz Borkenkäfer und Flächenverbrauch immer weiter wächst: laut der Forstlichen Bundesversuchsanstalt hat die Waldfläche hierzulande seit 1961 um 233.000 Hektar zugenommen. Das ist fast die Fläche Vorarlbergs. Allerdings ist das kein biodiverser Urwald, der sich immer weiter ausbreitet, sondern monokultureller Wirtschaftswald.
Wenn der jetzige Trend des simultanen Waldwachstums und der Verbauung der Landschaft anhält, male ich mir eine Zukunft aus, in der Österreich 50:50 aus Mega-Suburbs und Forstflächen besteht. Also ein lückenlosen Kontinuum von Wald und Zivilisation.

Das Bühnenbild, das von Jana Rinchenbachova entworfen wurde, spielt eine wichtige Rolle. Kannst du uns mehr dazu sagen?

Fabian Faltin: Eine Schlüsselelment in Janas Bühnengestaltung ist eine durchlässige Projektionsfläche aus Tüll. Sie erlaubt es uns, durch die Gegenwart in die Kindheitszeit zurückzublicken. Ein träumerischer Raum öffnet sich hinter dem Tüll. Aus 2D wird 3D, und aus 3D wird durch die gestaffelten Zeitebenen 4D. Die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verfließen, was genau meinem Zugang zu Performance entspricht.

Wenn du deine Performance mit einem Wort beschreiben müsstest, welches wäre das und warum?

Fabian Faltin: 40. Zum einen, weil ich 40 Jahre alt geworden bin. Zum anderen, weil sich diese Zeitspanne sehr stark mit dem Zeitalter der österreichischen Globalisierung überschneidet. In den 1980ern zerfasert sich die sozialdemokratische Nachkriegsordnung, die Sowjetunion geht unter, China betritt die Weltbühne, die verstaatlichte Wirtschaft wird privatisiert. Genau 40 Jahre später ist diese Era der Globalisierung plötzlich zu Ende. Aufgrund eines mikroskopisch kleinen Virus wird die Globalisierungs-Notbremse betätigt. Ob und wann dieser Zug wieder weiterfährt, wird man sehen.

Dein Stück ist Teil des HUGGY BEARS Mentoringprogramms. Wie war es für dich ein Jahr lang diesen Support zu haben?

Fabian Faltin: Für mich war es eine künstlerische wie auch persönliche Frischzellenkur. Ich mache schon sehr lange Performance, aber immer an anderen Orten, Festivals, Residencies, am Land und im Wohnzimmer. Es ist ein sehr schönes Gefühl, endlich in der lokalen Wiener Szene anzukommen, die ja ihrerseits wieder sehr international ist. Es war toll, mitten in Favoriten zwischen Tänzer_innen aus Israel, Ghana oder Südkorea zu proben. 
Durch die viele Zeit im Studio und die intensive Feedback-Kultur hab ich vieles in Frage gestellt, was früher selbstverständlich war – etwa meine Körperlichkeit und ein gewisse Tolpatschigkeit, die ich jetzt viel bewusster als Teil meiner Sprache und meines Humors einsetze. Es geht dabei nicht darum, mich zu ändern, sondern das Vorhandene zu verstärken. So habe ich zu einer neuen künstlerischen Sicherheit und Gelassenheit gefunden. Eine naiven Freude darüber, auf der Bühne zu stehen und mit dem Publikum kommunizieren zu dürfen.

Fabian Faltin: Would be Wood

Vorstellungen
Mi 23. bis Do 24.9.2020, 19:30 Uhr 
Saal

Mehr Informationen findest du auf der Eventseite.

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