De*Civilize Me!

De*Civilize Me!

Ist der Körper zivilisierbar? Und wie können wir uns dagegen wehren?

So individuell ein Körper auch ist, so sehr wird er durch gesellschaftliche Normvorstellungen zivilisiert. Doch wie funktioniert dieser Zivilisierungsprozess und wie kann eins sich dagegen wehren?

Die Zivilisierung des Körpers ist eine notwendige Form der Implementierung von Strukturen, zumindest aus Sicht der von den politischen und ökonomischen Machtstrukturen Profitierenden. Durch Verbote, Reglementierungen und moralische Prinzipien werden Verhaltensformen definiert, die sicherstellen sollen, dass der einzelne Mensch ein funktionierender Teil der kollektiven Entität wird und bleibt. Einen Aufruf zum Widerstand liefert das Tanz-Musiktheaterstück De*Civilize Me!, in das uns die Komponistin Angélica Castelló einen kleinen Einblick liefert.

In dem Beschreibungstext schreibt ihr, dass dem Körper zivilisatorisch Bemühungen egal seien. Was genau meint ihr damit?

Angélica Castelló Anna Knapps Thema ist der Körper, meines der Klang – ich werde die Arbeit mit den Tänzerinnen in Klang abstrahieren. Es geht sowohl für sie als auch für mich darum, den Körper so zu nehmen, wie und wofür er gemacht wurde, und das ganze Regelwerk, in das der Körper hineingezwängt wird und hineingezwängt ist und der damit gewissermaßen unentwegt „verhindert“ wird, zu hinterfragen oder sogar abzustoßen. Seit April arbeiten wir sehr intensiv daran und entwickeln quasi pingpong-artig dieses Werk.

Warum ist für euch der Körper die geeignete Metapher, um sich mit dem Thema Mythos Zivilisation auseinanderzusetzen?

Angélica Castelló Für mich ist der Körper, so wie unser Unterbewusstsein und unsere Seele, die da drinnen wohnen, letztendlich das persönliche Universum, das wir besitzen, in das jede_r „hineingeboren“ ist…  Diese Körper mit ihren ganzen Bedürfnisse und Sehnsüchten als kollektive Wesen zu nivellieren und zu maßregeln ist teilweise notwendig, gleichzeitig aber sehr oft pervers… durch diese Nivellierung bleibt eine Art Illusion, eine Art Lüge. 

Der Titel De*Civilize Me! trägt bereits die Aufforderung zum Widerstand in sich. Warum ist es für euch wichtig gerade im Kontext von Körperlichkeiten einen widerständigen Moment zu finden?

Angélica Castelló Die Körper heute erleben entweder eine übertriebene Aufmerksamkeit (Essen, Diäten, Training, Perfektionierung, Optimierung, Beschönigung) oder eine übertriebene Negation oder Hass (Bewegungslosigkeit, Essenstörungen… ). Der Körper ist präsent wie noch nie und in dieser Präsenz verschwindet er in seiner wahren Essenz.

In diesem Stück wollen wir die Freiheit des Körpers bzw. sein wahres Ich wiederfinden.

Aber es geht nicht darum, ein brutales, revolutionäres Stück zu schaffen. Ich möchte mit meinem Klang diese Körper, die nach den Grenzen forschen, unterstützen, Dinge nicht zu kaschieren, sondern Störendes, Unbequemes zuzulassen. Es soll mit dem Klang eine Balance zwischen der Schönheit und Hässlichkeit des Körpers entstehen.

Wie können wir uns eure Zusammenarbeit als interdisziplinäres Team vorstellen?

Angélica Castelló Ich habe bislang noch nicht oft im Performance- der Tanzkontext gearbeitet, denn ich bin eher eine Einzelgängerin, also kein so wahnsinnig gute Teamworkin - man muss in der Zusammenarbeit mit Tänzer_innen und Choreograf_innen ja ziemlich viele Kompromisse eingehen. Aber die Videos von Anna Knapps Arbeiten haben mich überzeugt. Sie sind auch nicht von dieser Welt, haben etwas Surrealistisches. Außerdem hat mich die Arbeit mit so konkreten Elementen wie Schmutz, Erde etc. gereizt, sie gefällt mir sehr. Trotzdem ist für mich diese bewusste Entscheidung zu einer solchen Zusammenarbeit in dieser Form eine Premiere.

Von Anfang an hatte unsere Kommunikation, unser Austausch, unsere Zusammenarbeit etwas sehr Natürliches und Vertrautes. Ich glaube, der Ansatz von Anna Knapp nährt sich sehr von der Poesie des Körpers. Deshalb wird es kein aktionistisches Werk sein. Es geht eher darum, körperliche Zustände aufzuzeigen und zu thematisieren.

DE*CIVILIZE ME!

Freitag, 20. September 2019, 18:30 Uhr, Im_Flieger
Samstag, 21. September 2019, 18:30 Uhr, Im_Flieger

De*Civilize Me! findet im Rahmen der MUSIKTHEATERTAGE WIEN 2019 statt. 
Mehr Informationen finden Sie hier

Samstag, 21. Dezember 2019, 21:00 Uhr

Saal und Foyer
(Stiege 3, Erdgeschoß, barrierefrei)

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Fr 10.1. bis Sa 18.1.2020, 19:30 Uhr

Saal

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Eine weiblich zu lesende Person steht hinter einem Aquarium in dem Goldfische schwimmen.

Fr 14. Februar bis So 16. Februar sowie Mi 19. Februar bis Sa 22. Februar 2020

Saal

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