Ein Menschenrecht auf Wohnen

Dunkler Raum mit Teppich, der zunehmend von Wasser bedroht wird.
Helene Kazan, Living the Edge 2012

Ein Menschenrecht auf Wohnen

Über die Architektur des Zuhauses

Helene Kazan, Artist-in-Residence in der Kunsthalle Exnergasse, thematisiert in ihrem Text, wie sehr unsere Wohnsituation dem Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz zugrunde liegt und welche Fragen durch die zunehmenden Bedrohungen durch Naturkatastrophen und Kriege aufgeworfen werden.

Das Haus oder Zuhause ist ein Ort, an dem ein breites Spektrum an Werten unter einem Dach zusammen kommt. Die Architektur des Zuhauses ist die funktionale Antwort auf das Schutzbedürfnis des Menschen. Sie bietet ein schützendes Obdach, da sie eine materielle Hülle schafft. Wenn man sich ihre Eigenschaften genauer ansieht, muss sie stark und haltbar sowie die in der Lage sein, den widrigen Umständen oder von außen drohenden Gefahren, vor denen Menschen Schutz benötigen, standzuhalten.

Es ist diese Beschützerrolle, wodurch eine bauliche Hülle an Wert gewinnt, zum Zuhause wird und die Grenzen auferlegt, die man wertschätzt und verteidigt. Daher ist der einfache Zweck, den ein Zuhause erfüllt, ein menschliches Grundrecht, das Recht, innerhalb eines schützenden Raumes zu wohnen.

In Folge der von bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen hervorgerufenen steigenden Unsicherheit, ist die Architektur des Zuhauses radikalen Veränderungen unterworfen. Für die Bewohner_innen verändert sich die Auffassung der Zweckmäßigkeit ihrer Unterkunft. Sie wird zu einem Ort, an dem eine Reihe kleinerer vorbeugender Maßnahmen ergriffen werden, um jene, die sich im Inneren befinden, vor den wahrgenommenen externen Bedrohungen zu schützen. Ein Beispiel für so eine Maßnahme wäre, Fenster mit Klebeband zu verstärken, damit Glas nicht zersplittern kann. Es ist dies ein kläglicher Versuch, das Zuhause gegen brutale Gewalt von außen abzusichern. Die Maßnahme schafft zudem eine visuelle Abgrenzung im Kontext turbulenter Zeiten. Die Veränderung, die vom Inneren des Zuhauses ausgeht, tritt dadurch offen zu Tage und wirkt als ständige Mahnung vor drohendem Unheil.

Naturkatastrophen und menschliche Auseinandersetzungen führen zur Vertreibung einer großen Anzahl von Menschen weltweit. Die hier beschriebene Arbeit untersucht die globale Planungsinfrastruktur, die sich mit der Zurverfügungstellung von Unterkunft im Katastrophenfall beschäftigt. Welchen Aufschluss gibt uns die Beschaffenheit der Notunterkunft über die politische Situation des Flüchtlings und seines Gastgeberlandes? Welche natürlichen und politischen Kräfte bestimmen, was als Notunterkunft zur Verfügung gestellt wird? Wenn wir uns die Veränderungen, die durch das Anthropozän entstanden sind, ansehen und versuchen, die Wirkung menschlichen Handelns auf der Erde zu verstehen, müssen wir uns fragen: Wie soll das Risiko potenzieller Gefahren, die diese Veränderungen mit sich bringen, aufgeteilt werden zwischen jenen, die sich ein schützendes Dach über dem Kopf leisten können und jenen, die das nicht können? Und wie wird es folglich in der Zukunft um die Sicherheit unseres Zuhauses bestellt sein?

Dieser Text wurde von Helene Kazan als Artist-in-Residence in der Kunsthalle Exnergasse verfasst. Ihre Arbeit wird am Mi 20.5. im KEX Studio präsentiert.

Übersetzung aus dem Englischen: Heidi Stadlmann

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