Bildung ist Lebensmittel

Buchstabensalat: Sammelsurium an Buchstaben
© Elena Veguillas

Bildung ist Lebensmittel

Von Ute Fragner

Ein Kommentar über die Notwendigkeit, jede Gelegenheit zum Lernen zu nutzen, weil die klassischen Bildungssysteme zumindest teilweise versagen. Bildung ist als Lebensmittel zu sehen, aber vor allem als das Elixier, das Menschen zu aktiven Gestalter_innen einer lebenswerten Gesellschaft macht.

Eindrucksvoll versucht uns der Film „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer zu Bewusstsein zu bringen, dass fast jedes Kind mit hohem Potenzial zur Welt kommt. In der Schule und durch die Anpassung an die Anforderungen von Leistungsgesellschaft und Ökonomie würden diese Potenziale nicht nur nicht genutzt, sondern systematisch zerstört.

Aktuellste AMS-Statistiken zeigen, dass für Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss das Risiko, von Arbeitslosigkeit bedroht oder gar betroffen zu sein, nach wie vor sehr hoch bleibt. Arbeitslosigkeit bedeutet in unserer Gesellschaft aber nicht nur über geringe materielle Ressourcen zu verfügen, sondern auch weniger Wertschätzung zu erfahren. Was besonders nachdenklich stimmt ist, dass ein geringes Bildungsniveau über Generationen vererbt wird.

In der gegenwärtigen Bildungsdebatte sowie in der täglichen Arbeit von WUK Bildung und Beratung wird immer wieder die Chancenungleichheit deutlich, von der eine hohe Anzahl von Jugendlichen in Bezug auf Ausbildung und Beruf betroffen ist. Vielfach gegenwärtig ist die Perspektivenlosigkeit von jungen Menschen. Die gefühlte Ohnmacht der „Bildungsverlierer_innen“, die keinerlei Zukunft für sich sehen, kann im Extremfall sogar in gesellschaftlichen Gefahren wie Gewalt, psychischen Erkrankungen oder Radikalisierung gipfeln.

Beim Bildungs- und Beratungstag 2013 im WUK wurde von Josef Bakic hervorgehoben, dass Bildung Lebensmittel ist. Bildung sei kein Werkzeug, sondern Grundlage, um am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wichtig sei, junge Menschen im Prozess ihres Empowerments zu unterstützen, Partizipation zu ermöglichen und Handlungskompetenz zu fördern, anstatt lediglich die Anpassungsfähigkeit ans Wirtschaftssystem und eine Berufsqualifizierung einzudressieren.

Und so sehen wir von WUK Bildung und Beratung das auch. Die Schule kann ein Ort sein, an dem Bildung möglich ist. Bildung geschieht aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten. Wichtig ist, die Neugier der jungen Menschen zu erhalten und da gibt es viele Möglichkeiten, auch wenn der Antrieb einmal irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Zum Beispiel durch Lesen, dem Abenteuer im Kopf. Lesen stellt Bilder her, lässt an Gedanken und Erfahrungen anderer teilhaben, ist damit ein Tor zur Welt und eine Brücke zu wichtigen Bildungsinhalten.

Indem durch die Erweiterung des Blickwinkels potentielle Lösungsmöglichkeiten zutage treten, werden Grundlagen für eine Entscheidungs- und Urteilskompetenz geschaffen, so dass Jugendliche Mut bekommen, aktiv ihre Zukunft zu gestalten. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf die Potenziale junger Menschen zu verzichten. Engagieren wir uns weiter dafür, Strukturen zu schaffen, wie z.B. die WUK Kindergruppen und Schulen, die Kinder und Jugendliche auf ihrem eigenen Weg unterstützen und auf vielfältigste Weise ihre Freude am Lernen erhalten. Engagieren wir uns weiter für jene, die von Ausgrenzung bedroht sind, unterstützen wir sie, den Schatz ihrer Potenziale zu heben. Bildung ist Lebensmittel, ein Lebensmittel für den Zugang zu vollwertiger, existenzsichernder Berufstätigkeit und dadurch Basis für ein gutes Lebensgefühl für viele. Und somit vielleicht sogar Basis für eine etwas friedlichere Welt?

Ute Fragner, Geschäftsleitung WUK Bildung und Beratung

Das WUK initiiert und führt seit 1983 innovative Bildungs- und Beratungseinrichtungen für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen. An elf Standorten in Wien und Niederösterreich unterstützen 15 Einrichtungen und Projekte jährlich mehr als 4.000 meist junge Frauen und Männer bei ihrem Einstieg in die Arbeitswelt.
 

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