Zeit

Mi 11.5.2011 - Fr 17.6.2011

Ort

Kunsthalle Exnergasse

Thomas Galler, Bright Star, Serie aus 10 Postkaten, unlimitierte Edition, 2010, Detail
Kunst

ReCoCo: Life Under Representational Regimes

Ausstellung

Eröffnung: Mittwoch, 11.Mai 2011, 19 Uhr

Boaz Arad and Miki Kratsman, Ariella Azoulay, Lisa Biedlingmaier, Diego Castro, Köken Ergun, Francesco Finizio, Thomas Galler, Roee Rosen, Anna Witt und Hannes Zebedin, Und die Sammlung von Rudi Maier "so geht Revolution" – Werbung und Revolte

Eine Ausstellung kuratiert von Siri Peyer und Joshua Simon




Veranstaltungen: Donnerstag, 12. Mai 2011
17 Uhr: Kuratorenführung mit Siri Peyer und Joshua Simon
18 Uhr: Film-Screening
Ariella Azoulay, The Food Chain (2000, 17 min.)
Ariella Azoulay, I Also Dwell Among Your Own People: Conversations With Azmi Bishara (2006, 50 min.)

Die Ausstellung ReCoCo – Life Under Representational Regimes hat die herrschende Übereinkunft zum Thema, dass sich unsere Wertvorstellungen, die sich mit dem Beginn der modernen Demokratie nach der französischen Revolution und speziell seit dem Ende des zweiten Weltkriegs etabliert haben, in einer Krise befinden. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mussten sich parlamentarische Staaten mit neuen geopolitischen Konstellationen auseinandersetzen, und sich den Umständen eines technokratischen Kapitalismus stellen, der sich bei seinen Entscheidungen an ökonomisch-technischen Sachzwängen orientiert. Soziale Ziele stehen nicht mehr im Vordergrund. Unser Verständnis von Demokratie hat sich fundamental verändert.

Resignation, Konspiration und Korruption (Resignation/Corruption/Conspiracy ¬¬– ReCoCo) beherrschen das Politische. Vermeintliche politische Wahrheiten präsentieren sich in Form von Verschwörungstheorien. Regierungen erscheinen korrupt. Politische Repräsentation richtet sich in zweierlei Arten an uns: einerseits als System der politischen Repräsentation (die Demokratie), anderseits als Repräsentation des Politischen (die Medien). Wir sind sowohl der Souverän als auch Publikum eines medialen Spektakels. Dieser doppelte Status drückt sich in verschiedenen Paradoxien aus; politische Beteiligung weicht Resignation, Ignoranz tritt anstelle politischen Wissens, Passivität erscheint einladender als politischer Aktivismus. Dementsprechend begegnen wir den Medien – Bildern, Bildunterschriften, Schlagzeilen und Nachrichten – passiv. Der „CNN-Effekt”, die direkte Übertragung von Bildern während 24 Stunden, 7 Tage die Woche, produziert ein konstantes Misstrauen. Es stellen sich uns andauernd dieselben Fragen: „Woher kommen diese Bilder? Wer zeigt sie mir? Und wieso werden gerade diese Bilder gezeigt?“.

ReCoCo – Life Under Representational Regimes reagiert auf die diskursive Explosion von Verschwörungstheorien als Folgeerscheinung der tiefgreifenden Umformungen von liberaler Politik. Die Bezeichnung ReCoCo ermöglicht einen Blick auf die Konstruktion und Organisation der unterschiedlichen politischen Konzepte von Repräsentationsregimen: Transparenz und Medien, Zuschauerschaft (spectatorship) und Souveränität, Zensur, Herrschaft und Bürgerschaft.

ReCoCo – Life Under Representational Regimes stellt diese Formen von Wissen und Macht wie auch die ästhetischen Ökonomien, die sie produzieren, in einen Dialog mit künstlerischer Praxis. Und das zu einem Zeitpunkt der zunehmenden Ornamentalisierung der klassischen politischen Gesten der Souveränität – also ein „Rokoko“ dieser Metaphern (siehe Anlehnung im Titel). Die Ausstellung versammelt aktuelle Arbeiten, die repräsentative Regierungen und Wahrheitsregime (truth regimes) hinterfragen und experimentiert mit den Darstellungsformen von Repräsentation sowie dem inhärenten Stillstand gegenwärtiger parlamentarischer Systeme; sie bewegt sich dabei in Themen wie Spektakel und Verschwörung, Erscheinungsräume der Politik und politischer Resignation, Korruption und Governance, das Ende des Journalismus und das Aufkommen neuer nicht-repräsentationaler Formen wie Wikileaks und Live-TV.

Projektblog: http://recoco.tumblr.com/

Weitere Station der Ausstellung: März 2012
Digital Art Lab Holon, www.digitalartlab.org.il
The Israeli Center for Digital Art
16 Yirmiyahu Street
Holon 58835
Israel