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#Onlinedate DARUM: Ausgang Offen

Ein experimenteller Performancefilm über den Tod

„Ausgang: Offen" ist ein großartiger Tabubruch in einer Stadt, die wie keine zweite Euphemismen fürn Gwigwi hat, in der sich das Goldene Wienerherz einen Kasperl holt, in der, wer a Bankl reißt si d’Schleifn gibt, bevor er an Foahschein firn Anasiebzga löst.

Michaela Mottinger, http://www.mottingers-meinung.at/, 21.05.2020

Für kaum einen Begriff kennen die Sprachen dieser Welt so viele Euphemismen wie für den Tod: Instinktiv meidet der Mensch das Tote, versucht er, es unsichtbar zu machen und an die Ränder des Wahrnehmbaren zu verdrängen. Das Tote (und als Vorstufe dazu: das Sterbende) erinnert uns an die Vergänglichkeit der Dinge und schließlich, unausweichlich, an unser eigenes Ende als das letzte notwendige Übel. Was danach kommt, entzieht sich unserem Wissen, zurück in die Sphäre des Glaubens oder der ratlosen Spekulation. Unwissen jedoch erzeugt Angst. Wie also begegnen wir der unvermeidbaren Realität des Todes?

AUSGANG: OFFEN, die nach „Ungebetene Gäste“ (nominiert für den Nestroy-Spezialpreis 2019 und eingeladen zum Impulse Theater Festival 2020) zweite Produktion des Wiener Performancekollektivs DARUM, hätte Anfang April 2020 als eine vom Publikum jeweils einzeln begehbare Installation in den verlassenen Büroräumlichkeiten eines ehemaligen Gebäudekomplexes im Süden Wiens Premiere gefeiert. Durch die Coronakrise und die damit verbundenen Veranstaltungsbeschränkungen wurde schnell klar, dass das Projekt nicht in seiner ursprünglichen Form stattfinden können wird. Das film-erfahrene Wiener Künstler_innenkollektiv DARUM erarbeitete daraufhin die Idee eines immersiven, aus der Egoperspektive erlebten Experimentalfilms, der seine Zuschauer_innen die performative Installation durch das Kameraauge erleben lässt und in unverhüllter Intimität mit verschiedenen Manifestationen von Tod, Sterben und Vergänglichkeit konfrontiert.

Auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit sowie unter der darstellerischen Mitwirkung von Menschen mit Nahtoderfahrungen, unheilbar Kranken, Sterbenden, Angehörigen und solchen, die beruflich mit Sterbenden und Toten zu tun haben, entstand ein hochaktueller, experimenteller Hybrid zwischen Film und intensiver 1:1-Performance, der das Verdrängte ins Bewusstsein hervorholt: Ein Angebot, dem Unbegreiflichen mit einer Ahnung zu begegnen und dem Tod aus unmittelbarer Entfernung und sicherer Nähe ins Auge zu blicken.

Hinweise an das Publikum von DARUM

"AUSGANG: OFFEN war ursprünglich als vom Publikum einzeln begehbare Live-Installation geplant. In verschiedensten Räumen wären die Zuschauer_innen auf persönlich mit den Themen Sterben und Tod in Berührung gekommene Menschen getroffen, die ihnen in etwa achtminütigen Monologen über ihre Erfahrungen erzählen. Ein intimes, sehr persönliches Setting. Unsere Filmadaption kann natürlich nicht das Gefühl ersetzen, live mit einer Person alleine in einem Raum zu sein, um ihre Geschichte zu hören. Wir glauben aber, dass es möglich ist, diesem Gefühl zumindest so nahe wie möglich zu kommen. Daher haben wir folgende drei Empfehlungen an unser Publikum:

1. Im Film erzählen Menschen, die persönliche Berührungspunkte mit den Themen Tod und Sterben hatten, ihre Geschichten. Nehmen Sie sich die Zeit, ihnen zuzuhören.

2. Schauen Sie sich den Film am besten alleine in einem abgedunkelten Raum an und stellen Sie den Videostream auf die bestmögliche Qualität, die Ihre Internetverbindung hergibt.

3. Der Film wurde aus der Egoperspektive gedreht und der Ton so gemischt, dass ein möglichst räumliches Gefühl entsteht. Er klingt daher am besten mit Kopfhörern oder alternativ auf guten Lautsprechern.“

Die Beteiligten

Das 2018 gegründete Kollektiv DARUM bewegt sich an zahlreichen ästhetischen Schnittstellen zwischen Performance, Installation, Ton-, Video- und Aktionskunst. Auf der Suche nach neuen und unmittelbar erfahrbaren ästhetischen Ausdrucksformen entwickelt DARUM seine oftmals die Grenzen des Dokumentarischen und Fiktiven verwischenden Arbeiten bevorzugt außerhalb gängiger Theaterräumlichkeiten und in Nähe zu den örtlichen Besonderheiten und Themen einer Stadt. Allen Projekten steht stets die große Frage des „Warum?“ voran. Doch Fragen sind die besseren Antworten: Entsprechend versucht DARUM in seinen künstlerischen Projekten, an dem seinem eigenen Namen impliziten Anspruch auf Beantwortung produktiv zu scheitern.
DARUM wurde für seine zweiteilige Debütperformance „Ungebetene Gäste“ für den Nestroy-Spezialpreis 2019 nominiert.

Laura Andreß studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Nach Hospitanzen und Assistenzen an verschiedenen Theater- und Performancehäusern sowie -festivals (u.a. Burgtheater, Wiener Festwochen, Schauspielhaus Wien, PACT Zollverein, ImPulsTanz) und in der Freien Wiener Theaterszene absolvierte sie ihren Dramaturgie-Master an der HfS „Ernst Busch“ Berlin. Ihr Abschlussprojekt wurde 2018 im Rahmen des Berliner Performing Arts Festivals uraufgeführt. Laura Andreß arbeitet seither als freie Dramaturgin sowie Produktionsleiterin (u.a. für Florentina Holzinger). Ihre Arbeiten wurden u.a. an der Volksbühne Berlin, im Festspielhaus Hellerau und an den Münchner Kammerspielen gezeigt. 2019 erhielt sie das Startstipendium für Darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich. 

Victoria Halper absolvierte ein Schauspiel- und Regiestudium an der University of Toronto. Auf den Spuren ihrer burgenländischen Herkunft emigrierte sie 2010 nach Österreich, wo sie als feste Regieassistentin an verschiedenen Theaterhäusern (u.a. am Volkstheater Wien, am Schauspielhaus Graz sowie am Landestheater Niederösterreich) arbeitete. 2013–2016 war sie sowohl als Produktionsleiterin und Ensemblemitglied der bilingualen Theatergruppe Theatermenschen sowie als Regisseurin, Cutterin und Produktionsleiterin mehrerer oberösterreichischer Filme – darunter der Kriminalfilm "Kommissar Taler", für den sie 2015 den Kulturpreis der Stadt Traun erhielt – tätig. Seit 2016 lebt Halper in Wien und bewegt sich als freie Regisseurin in einem Experimentierfeld zwischen Formen der Darstellenden Kunst – sowohl in Formaten des Zeitgenössichen Zirkus wie auch der Essay Performance, der installativen Videokunst und spielerischen Formen des ludification theatres im öffentlichen Raum. 2018 erhielt sie das Startstipendium für Darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich. www.victoriahalper.com

Kai Krösche ist Regisseur, Videokünstler und Musiker. Nach ersten Theatererfahrungen im Rahmen einer Regiehospitanz an der Volksbühne Berlin bei Christoph Schlingensiefs "Kunst und Gemüse, A. Hipler" (2004) studierte er Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Philosophie in Wien. Seit 2005 arbeitet er an der Realisierung eigener Theater- und Performanceprojekte sowie in verschiedensten Bereichen (Musik/Sound, Video, Dramaturgie und Performance) u.a. am Schauspiel Köln, Landestheater Niederösterreich, WUK (Wien), Volkstheater (Wien), WERK X und WERK X-Petersplatz (Wien) sowie HochX (München). Als Drehbuchautor und Regisseur realisiert er seit 2002 zahlreiche, teils auf Festivals gezeigte Kurzfilmprojekte, die sich je nach Projekt zwischen Spiel- und Experimentalfilm bewegen. Zwischen 2010 und 2016 arbeitete er als Theater- und Filmkritiker u.a. für nachtkritik.de und die Wiener Zeitung. 2018 erhielt er das Startstipendium für Darstellende Kunst des Bundeskanzleramts Österreich. www.kai-kroesche.net

Johannes Weckl geboren 1983 in München, studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München sowie Bühnen- und Filmgestaltung an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Bernhard Kleber, das er 2012 mit Diplom abschloss. Seit 2007 schafft er Bühnenbilder und Kostüme an Stadttheatern (u.a. Schauspielhaus Wien, Volksoper Wien, Landestheater NÖ, Landestheater Linz) sowie in Produktionen der Freien Theaterszene – u.a. Für Haiko Pfost, Yosi Wanunu, Volker Schmidt, Michikazu Matsune, Ibrahim Quraishi, Zhang Xian, Steffen Höld, Barbara Weber, Michael Schlecht, Milena Michalek und Anna Zirner. Zudem arbeitete er 2019 als Ausstatter für den LIFE BALL, ist regelmäßig als Spielortgestalter tätig (aktuell für das Impulse Theater Festival, desweiteren u.a. Wiener Festwochen, Werk X, brut, WUK performing arts) und gestaltet Set-Designs für RegisseurInnen/FilmkünstlerInnen wie Björn Kämmerer, Bernadette Weigel und Stefanie Winter. Johannes Weckl lebt in Wien. www.johannesweckl.com

Ali Andress ist Filmemacher, Kameramann und Musiker. Als Dokumentarfilmer und Kameramann ist er wiederholt für Fernsehproduktionen tätig. Neben Werbefilmen (u.a. für das Haus der EU, Kimaera Porsche, Strabag) produziert Ali Andress vorrangig Reportagen und Dokumentarfilme, in denen er für Recherche, Kamera, Schnitt und Musik selbst verantwortlich ist. Seit 2017 wird auf Oberösterreichs größtem Privatsender LT1 wöchentlich Andress‘ eigene Serie „Andress Oberösterreich“ ausgestrahlt, für die er auf der Suche nach ungewöhnlichen Schicksalen und Themen durch ganz Oberösterreich reist. Ali Andress erhielt für seine künstlerische Tätigkeit mehrfach den Oberösterreichischen Filmpreis. Seine Ausbildung begann er zunächst als Kameraassistent beim ORF, wo er erstmalig an Studioproduktionen und Reportagen beteiligt war. Danach ließ er sich weiter zum Kameramann sowie zum Presse- und Werbefotografen ausbilden und arbeitete fortan freischaffend in beiden Bereichen. Nebenher begann er als Musiker und Komponist in verschiedenen Band- und Soloprojekten, die in zahlreichen Albumproduktionen, internationalen Touren und Workshop-Tätigkeiten mündeten. Bis heute arbeitet Andress als Multi-Instrumentalist und Performance-Musiker für Veranstaltungen großer Firmen (u.a. BMW, Bosch) und komponiert die Musik für seine Filmproduktionen selbst.

Gefilmt im April 2020 auf dem Privatgelände Am Kempelenpark in Wien-Favoriten, Österreich.

Im Rahmen der Filmvorbereitungen und des Drehs kamen keine Tiere zu Schaden.

Die Dreharbeiten erfolgten unter strengen Auflagen im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben und Einschränkungen zur Bewältigung der Coronakrise sowie den Richtlinien der Wirtschaftskammer Österreich für die Film- und Musikwirtschaft.

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"... ein zeitloses Thema, das uns alle angeht, aber vielleicht gerade jetzt besonders relevant erscheint."

DARUM über ihren experimentellen Performancefilm "Ausgang: Offen"

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