Ein Traum über den Kühlschrank.

Ein Traum über den Kühlschrank.

Ein Traum über Kühlschränke ist der Ausgangsmoment der Performance des Rhizomatic Circus Collectives. Welche gesellschaftspolitischen Implikationen in einem Kühlschrank versteckt sind, erläutert das Kollektiv im Interview.

Im Zentrum eurer zirzensischen Performance steht der Kühlschrank. Wie ist die Idee entstanden einen Haushaltsgegenstand als Ausgangspunkt für ein Stück zu nehmen?

Rhizomatic Collective: Ausgangspunkt war ein Traum über Kühlschränke. Daraufhin haben wir uns zusammen Kühlschränke aus diversen Perspektiven und Bedeutungskontexten angesehen und begonnen mit diesen zu spielen. In einer Zeit, in der das Leben sich vermehrt in privaten Räumen drängt und zugleich im weiten Feld der digitalen Welt ausdehnt und verliert, ist dies ein symbolträchtiges Objekt des westlichen Alltags. Die Banalität und unspektakuläre Aura, die den Kühlschrank umgibt, eröffnet außerdem einen Spielraum für uns als Kollektiv das sich Zirkus nennt und trotzdem genresprengend arbeitet.

Ihr beschreibt euch selber als fluides Kollektiv. Wie können wir uns die Zusammenarbeit vorstellen? 

 

Rhizomatic Collective: Wir sind ein Konglomerat diverser Künstler_innen. Wir arbeiten transdisziplinär und meist prekär. Wir kommen für unterschiedliche  Projekte  in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. An großen Projekten arbeiten bis zu 100 Personen. Wir sind vielleicht auch eine Horde, ein Rudel, das gerne gemeinsam spielt. Sich gegenseitig selbstermächtigt. Wir sind naiv und stur. Wir haben uns in Institutionen und/oder autoditakt gebildet. Wir arbeiten aufbauend auf kollektiven Experimenten. Wir scheitern immer wieder und finden doch oft unerwartet eine Poetik, die uns berührt und weitermachen lässt.  Bei dieser Produktion arbeiten wir verstärkt mit Text, Objekten und Raum, auch mit der Abstraktion des spektakulären Moments. Wir bewegen uns suchend. 

Wenn ihr eure Performance mit einem Wort beschreiben müsstet, welches wäre das und warum? 

 

Rhizomatic Collective: Isolierung = zugleich die Beschreibung eines Materials, einer Funktion und eines Zustands.

Euer Stück ist Teil des HUGGY BEARS Mentoringprogramms. Wie war es für euch ein Jahr lang diesen Support zu haben? 

Rhizomatic Collective: Die Möglichkeit Feedback und Unterstützung durch Caro Madl und Philippe Riera zu bekommen war wertvoll. Die HUGGY BEARS Studios im Kempelenpark bieten eine gute Infrastruktur. Zwar sind die Räume für einige unserer Arbeiten im vertikalen Raum zu niedrig, aber es ist trotzdem unglaublich toll niederschwellig ein Studio nutzen zu können. Eigentlich bräuchten wir jedoch für unser transdisziplinäres Schaffen ein permanentes Atelier/Studio. Im Kempelenpark sind derzeit wirklich unzählige Räume beheizt und ungenutzt, manche davon werden als Ateliers vermietet, zu Preisen die wir uns jedoch nicht leisten können bzw. wollen angesichts des Leerstands. Der Lockdown hat die Mentoringzeit sehr verkürzt und uns in der Arbeit sehr ausgebremst. Einige von uns sind nun mit prekären Lebensumständen konfrontiert, was sich wiederum auf Zeit und Energieressourcen fürs künstlerische Schaffen auswirkt. Wir brauchen endlich wieder eine von der Stadt Wien finanzierte, reguläre Projektförderung, damit wir mit dem jetzt, in Hinblick auf die Performance im WUK, entstandenen kollektiven Arbeitsflow  weiterarbeiten können! Das Rhizomaticcircus Collective erreichte bisher ein riesiges Publikum: Derzeit ist der Ausblick für unser weiteres Arbeiten düster.

The Rhizomatic Circus Collective: disruption studies. Staying with the fridge and other animals.

Vorstellungen
Fr 25. bis Sa 26.9.2020, 19:30 Uhr 
Projektraum

Mehr Informationen findest du auf der Eventseite.

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