Die nicht gesammelte Sammlung

"Unpacking Stories" aus der Serie "Im Zwischenraum" von Nicole Six und Paul Petritsch
Foto: KEX/Wolfgang Thaler

Die nicht gesammelte Sammlung

Unpacking Stories

Welches Wissen vermittelt diese zufällige Sammlung über die Geschichte(n) der KEX – Kunsthalle Exnergassse und über die Personen, die daran mitgeschrieben haben? Welche alternativen Geschichten erzählen diese verpackten Objekte womöglich?

"Nine Buildings, Stripped" aus der Serie "Im Zwischenraum" von Nicole Six und Paul Petritsch, Foto: KEX/Wolfgang Thaler
Andreas Fogarasi, "Nine Builings, Stripped" arrangiert für die Serie "Im Zwischenraum" von Nicole Six und Paul Petritsch
Foto: KEX/Wolfgang Thaler

In den 35 Jahren ihres Bestehens hat sich viel Vergessenes, Liegengelassenes und Geschenktes in der Kunsthalle Exnergasse angesammelt: Materialien, Kunstwerke, Sachen, die noch gebraucht werden könnten, oder auch nicht. Gegenstände, die nicht aussortiert wurden, aber seit ihrem Verbleib in der KEX nie mehr ausgepackt oder gesichtet wurden. Weder haben sie es auf eine Liste geschafft, geschweige denn in eine Datenbank. Aber sie beanspruchen Raum, von dem es notorisch zu wenig gibt, in diversen Lagern, Regalen oder Kästen. Dennoch stellen all diese Objekte so etwas wie eine Sammlung dar – eine nicht gesammelte Sammlung – die sich zufällig ergeben hat. Im Zuge der Renovierungsarbeiten ist die Menge des Gesammelten sichtbar geworden, und das KEX-Team hat sich gefragt, was damit passieren soll.

 

Der Künstler Seth Weiner und die Kuratorin Georgia Holz wurden eingeladen, diese unbestimmten Materialien zu sichten und eine räumliche Erzählung dafür zu entwickeln. Sie haben sich entschieden in drei Schritten vorzugehen. Zur Wiedereröffnung der Täterätää! KEX macht auf. am 24.1. werden die Sammlungsgegenstände zunächst in verpacktem Zustand belassen, aber spielerisch und installativ in der Ausstellung inszeniert. Dazu werden die Objekte in eine Ordnung gebracht, die rein formalen Kriterien folgt und sie erstmal „zugänglich“ macht. Diese Ordnung wird sich mit jeder Aktivierung während der Dauer der Ausstellung ändern: Unpacking Stories.

Im Zuge einer kollektiven Aktion am 21.2. werden die Objekte gemeinsam mit dem Publikum ausgepackt, gesichtet und mögliche Erzählfäden aufgegriffen um eventuell verschüttete Geschichte(n) neu oder wiederzuerzählen. Die Objekte sollen zum Sprechen gebracht werden, und die Beteiligten über ihre Entstehung, die Umstände, wie sie in die KEX gekommen sind und was ihre Rolle in der Zukunft sein könnte, mutmaßen. Wir wollen über die Dinge ins Gespräch kommen und Episoden, Gerüchte, Vermutungen oder Spekulatives aus der Geschichte dieser Institution (wieder) erzählen. Wir fragen uns, welches Wissen diese zufällige Sammlung vermitteln kann? Am 21.2. sind insbesondere alle jene Personen eingeladen, die die Geschichte der Kunsthalle mitgeschrieben haben und sich mit ihr verbunden fühlen, sei es als Mitarbeiter_innen, Künstler_innen oder Besucher_innen.

"Im Zwischenraum" von Nicole Six and Paul Petritsch
Photo: KEX/Wolfgang Thaler

Bis zum Ende der Ausstellung bleiben die Objekte im Ausstellungsraum aufgestellt und werden fotografisch dokumentiert. Bis dahin besteht auch für Besucher_innen die Möglichkeit, ihr Wissen über die Gegenstände in Form von Texten weiterzugeben. Mit dem Auspacken und Erkennen der Objekte ergibt sich, so hoffen wir, auch eine Einordnung, sowohl in medialer als auch inhaltlicher Sicht. Auf Basis dessen soll gemeinsam mit dem KEX-Team entschieden werden, was nach der Ausstellung mit den Gegenständen passiert, und am 9.3. wird manches möglicherweise aussortiert oder wieder verpackt und an einem Ort verstaut. Allerdings nicht ohne eine Liste der Materialien erstellt zu haben. Vielleicht bildet diese ja den Anstoß für eine Sammlung KEX oder ein Oral History Projekt über das WUK und seine Beteiligten.   

Text: Georgia Holz ist Kunsthistorikerin und arbeitet als freie Kuratorin, Autorin und Redakteurin. Sie ist Senior Scientist an der Abteilung für Ortsbezogene Kunst der Universität für angewandte Kunst Wien.