Barrieren

Eine Illustration zeigt drei stehende Personen. Sie wenden sich ab und halten eine Hand abwehrend einem Mann im Rollstuhl gegenüber
© Lebens-Hilfe Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Barrieren

Was Barrierefreiheit im Alltag bedeutet

Oswald Föllerer und Karlo Palavra vom Selbstvertretungs-Zentrum Wien berichten über Barrieren, denen Menschen mit Behinderungen jeden Tag begegnen – auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Gebäuden und auch durch Bürokratie und fehlende Unterstützung. Ein Beitrag in Leichter Sprache.

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Was sind Barrieren?

Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen können Barrieren erleben.
Barrieren sind Stolper-Steine, die im Wege liegen.  
Zum Beispiel: 
Ausgrenzung aus der Gesellschaft.
Oder keine gute Unterstützung im Leben erhalten.

Viele Menschen haben sehr viele Stolper-Steine in ihrem Leben.
Weil sie keine gute Unterstützung erhalten.
Es gibt auch noch sehr viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen.

Wenn jeder Mensch weiß:
Welche Unterstützung brauche ich?
Dann können wir die Barrieren abbauen.
Dann können wir gemeinsam in unserer Gesellschaft leben.
Es soll sich keiner ausgegrenzt fühlen.
Das sagt die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Karlos Geschichte

Ich heiße Karlo. 
Ich arbeite im Selbstvertretungs-Zentrum für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten.
Ich bin 28 Jahre alt. 
Ich komme aus Wien. 
Ich habe kroatische Wurzeln. 

Ich sitze seit meiner Geburt im Roll-Stuhl. 
Ich bekomme persönliche Hilfe von einer Assistenz-Person. 
Fuß-Ball, Politik und Geschichte sind meine großen Interessen. 
Aber mein Alltag ist oft schwerer als bei anderen Menschen. 
Hier erzähle ich von den Barrieren, die ich jeden Tag erlebe.

Öffentliche Verkehrs-Mittel

Viele U-Bahnen sind alt. 
Die U3 und U4 sind Beispiele dafür. 
Der Abstand zwischen Zug und Bahn-Steig ist zu groß. 
Das ist nicht sicher für mich. 
Ich kann nicht alleine ein- und aussteigen. 

Die U6 hat das gleiche Problem. 
Im Gegensatz zu den Linien U1 bis U4 hat die U6 keine automatische Rampe. 
Sie hat feste Rampen unter allen Türen. 
Diese machen den Abstand kleiner.
Aber er ist nicht ganz weg. 
Deshalb ist es schwer, alleine ein- oder auszusteigen. 

Alte Straßen-Bahnen und S-Bahnen gibt es nicht mehr so oft. 
Aber sie haben Stufen. 
Deshalb kann ich sie nicht benutzen. 

Wenn die Züge voll sind, wird es noch schwieriger. 
Andere Fahr-Gäste merken manchmal nicht, dass ich Platz brauche. 

Auch die Aufzüge funktionieren nicht immer. 
Manchmal sind sie kaputt. 
Manchmal sind sie ganz abgeschaltet. 

Ich kenne die finanziellen Möglichkeiten und die Infrastruktur der Wiener Linien und ÖBB nicht. 
Deshalb kann ich keine Lösung vorschlagen. 
Aber klar ist: 
Es muss sich etwas ändern. 
Nur dann ist ein öffentliches Netz wirklich barrierefrei.

Straße und Geh-Wege

Manchmal sind die Ränder vom Geh-Steig zu hoch für meinen Roll-Stuhl. 
An wenigen Stellen gibt es kleine Asphalt-Rampen. 
Diese helfen mir sehr. 
Aber bei langen Straßen ohne Rampe muss ich einen Umweg machen.
Ich fahre bis zum Ende des Geh-Steigs und dann wieder zurück. 

Nicht nur Roll-Stuhl-Fahrer*innen brauchen diese Rampen. 
Ältere Menschen mit Rollator brauchen sie auch. 
Familien mit Kinder-Wagen brauchen sie auch. 
Ohne Rampe kann ich nicht weiterfahren. 

Auch die Ampel-Phasen sind oft zu kurz. 
Mein Beispiel ist:
Die Ampel bei der Station Zipperer-Straße auf der Simmeringer Haupt-Straße. 
Die grüne Phase dauert nur etwa 5 Sekunden. 
 

Person im Rollstuhl vor einer langen Treppe mit Geländern auf beiden Seiten

Dann ist die Ampel wieder rot. 
Das ist nicht nur schwer für Menschen mit Behinderungen. 
Auch ältere Menschen oder verletzte Personen haben Probleme. 
Die Ampel sollte länger grün bleiben. 
So vermeidet man Unfälle und Stress. 
Das sollte nicht verhandelbar sein. 
Sonst komme ich nicht rechtzeitig hinüber. 

Auch Auto-Fahrer*innen stressen mich oft. 
Sie ärgern sich. 
Manchmal fahren sie ungeduldig sehr nah an mir vorbei. 

Zu schmale Geh-Wege sind auch unangenehm. 
Wenn jemand an mir vorbeigehen will, ist es eng. 
Noch schlimmer ist es:
Mit einem Hund, einem Einkaufs-Wagen, einem Kinder-Wagen oder einem Fahr-Rad. 
Die Infrastruktur ist nicht gut für mich gemacht.

Gebäude und öffentliche Räume

Viele Gebäude sind nicht barrierefrei. 
Man kommt überhaupt nicht hin. 
Drinnen fehlen oft Toiletten für Menschen mit Behinderungen. 
Wenn es welche gibt, kann man sie manchmal nicht erreichen. 
Auch die Größe mancher Behinderten-Toiletten ist problematisch. 

In Kinos, Theatern und der Oper sind die Plätze für Roll-Stuhl-Fahrer*innen meistens ganz vorne. 
Das ist schlecht für meinen Nacken. 
Ich kann mir keinen Platz aussuchen. 
Oft sind diese Plätze so markiert, dass alle auf mich schauen. 
Ich stehe im Mittel-Punkt. 
Das möchte ich nicht. 

Das Burg-Theater ist für mich ein gutes Beispiel für Barriere-Freiheit.
Dort kann ich mir meine Plätze selbst aussuchen. 
Es gibt eine große Auswahl. 
Die Plätze sind gut integriert. 
Sie sind nicht nur ganz vorne. 
Das ist viel angenehmer für mich.

Finanzen und Bürokratie

Ein Roll-Stuhl kostet viel Geld. 
Therapien sind auch teuer. 
Die Bürokratie ist ein weiterer Kampf. 
Ich werde von einer Organisation zur anderen geschickt. 
Für einfache Anträge brauche ich viele Dokumente. 
Das nimmt viel Zeit und Kraft. 
Das ist kein einzelnes Problem. 
Es betrifft viele Menschen.

Zusammenfassung

Ich möchte einfach am Leben teilnehmen können. 
Aber die Barrieren sind überall. 
Sie sind physisch. 
Sie sind auch finanziell. 
Sie sind auch bürokratisch. 
Ich hoffe, dass sich etwas ändert. 
Damit auch andere Menschen mit Behinderungen es im Alltag leichter haben. 
Denn Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf Barriere-Freiheit. 
Wie jede*r andere*r Bürger*in auch.

 

Text: Oswald Föllerer und Karlo Palavra, Selbstvertretungs-Zentrum für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten

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