Lust darauf

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Otmar Wagner über seine Konzert-Performance "KRANK IN EUROPA"

Musik ist ein wesentlicher Bestandteil der performativen Künste. Und manchmal ist sie formgebendes Element einer Performance, wie der Schwerpunkt Konzert-Performances im Februar im WUK performing arts deutlich zeigt.

Was ist der Reiz daran, sich so intensiv mit Songs und Musik zu beschäftigen? Otmar Wagner erklärt dies so: „Die Songstruktur / Konzertstruktur erlaubt es mir, in kleinsten, in sich (ab-)geschlossenen Einheiten zu denken, sowohl inhaltlich, als auch formal. Bei jedem Song geht es mir um Verdichtung eines Themas, eines szenischen Moments, eines performativen Akts.“ Mehr zu seinem Stück KRANK IN EUROPA erfährt ihr im Interview.

In deiner neuesten Arbeit nimmst du erneut Bezug auf Europa. Warum setzt du dich damit so intensiv auseinander?

Um genau zu sein, nehme ich mit dem Titel 'KRANK IN EUROPA' gar nicht Bezug auf Europa, sondern der Begriff 'KRANK' schreibt sich gewissermaßen in den Begriff 'EUROPA' ein. Der Begriff 'EUROPA' ist ein Platzhalter für all die heterogenen Vorstellungen eines sozialen, politischen, kulturellen Körpers, der sich je nach Blickwinkel oder Standpunkt sehr speziell konturiert und konfiguriert. Das ist wichtig, denn das Krankheitsbild dieses Körpers gestaltet sich z.B. im FPÖ-regierten Österreich anders, als im 'GOVERNO DEL CAMBIAMENTO'-regierten Italien. Ich versuche mich mit den Begriffen 'KRANK' und 'EUROPA' auseinandersetzen, weil ich es für nötig halte, diese Begriffe im Hinblick auf den zunehmend grassierenden Hass, auf Hetze, Lügen und salonfähig gewordenen Rechtsradikalismus in unseren 'abendländischen' Gesellschaftskonstruktionen immer wieder neu ins Spiel und zueinander in Beziehung zu bringen. In meiner Arbeit bewege ich mich dabei nicht auf aktivistischem, gesellschaftspolitisch zielgerichtetem Terrain, sondern auf einer Ebene der eigensinnigen und eigenartigen Reflexion anti-utilitaristischer Kunst.

In deiner Ankündigung schreibst du, dass du dich mit „persönliche[n] Zersetzungs- und Zerfallserscheinungen mit entsprechenden Prozessen gesellschaftlicher und politischer Körper in der Genussregion Europa“ auseinandersetzen wirst. Was können wir uns darunter vorstellen?

In meinen Ankündigungstexten versuche ich, wie in meinen Projekten, keine Erklärungen abzugeben, sondern Assoziationsräume anzubieten. Was sich die Leser_innen unter diesem Ankündigungstext vorstellen können oder wollen, möchte ich ihnen selbst überlassen.

Warum hast du dich für die Form der Konzert-Performance entschieden?

Die Wahl der Form ist ja oft eine lustige, mehr noch eine lustvolle Angelegenheit - wenn man die Wahl hat. Viele Künstler*innen haben gar nicht mehr die Wahl, Formen wählen zu können, weil die Form eine Ware ist, und weil in der Weltvermarktung der Ware die Form mit den Künstler*innen verschmilzt, in ein Ganzes gegossen wird. Das Ganze steht dann als Bild oder Skulptur oder Haus im Weg rum und versperrt den Blick. Für mich ist ganz wesentlich, ob man sich dafür entscheidet, ein Haus zu bauen, oder sich der Lust hingibt. Ein Haus baut sich nicht aus Lust, und mit Lust baut sich kein Haus. Das Dach überm Kopf deckelt die Gedanken. Ich habe mich nicht konzeptuell für die Form der Konzert-Performance entschieden, ich habe Lust darauf. Dafür gibt es keinen Grund, kein 'warum'.

Worin besteht der Reiz eine Konzert-Performance durchzuführen?

'Je üppiger die Pläne blühen, um so verzwickter wird die Tat. Man nimmt sich vor, sich zu bemühen, und schließlich hat man den Salat.' (Erich Kästner)

Otmar Wagner
KRANK IN EUROPA
Do, 21.02., 22:00 Uhr, Fr 22.02. 19:30 Uhr sowie Sa 23.02. 22:00 Uhr
Saal

Mehr Infos auf der Website

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