Zeit

Do 24. Februar 2000 - Sa 25. März 2000

Ort

Kunsthalle Exnergasse

DARK MATTERS, Black Figure, Detail
Kunst

DARK MATTER

Ausstellung

DARK MATTERS ist die erste Einzelausstellung des Künstlers Shaheen Merali in Wien. Merali, als Sohn indischer Eltern in Ostafrika geboren, lebt und arbeitet seit 30 Jahren in London. Seit seiner Ankunft in England sahen sich der Künstler und sein Umfeld mit dem Rassismus in Großbritannien konfrontiert. Merali beschäftigt sich mit persönlicher und kommunaler Geschichte und thematisiert dabei Begriffe wie Rasse, Kultur, Ethnizitäten und das Problem von Minderheiten. Merali studierte am Gwenth College Bildhauerei (Abschluß 1981). Seine Arbeit ist stets von der Vorstellung des "Selbst" im Kontext der britischen Kultur geprägt. DARK MATTERS zeigt Werke aus den 80er Jahren sowie speziell für Wien entworfene Arbeiten.

DARK MATTERS bezieht sich auf mehrere Diskursebenen, die historische, die politische, den Kitsch und das Spiel mit der Abwesenheit vom Wissen um alltägliche Objekte. Das Nichtvorhandensein , die Nichtanerkennung , die Stille und das Tödliche bleiben unerforschte Gebiete, speziell in der europäischen Psyche über das kolonialisierte "Andere".

Das früheste Werk in der Ausstellung ist "Going Native". Obwohl speziell auf Goa bezogen , ein beliebtes Urlaubsziel in Indien und eine ehemalige portugiesische Kolonie, stellt es einen breiteren Zusammenhang von Urlaubsaktivitäten, Tourismus, Kino und Konsum her. Es ist eine metaphorische Besetzung "unerforschter" Gebiete. Der Titel bezieht sich auf die unzähligen Texte in der Installation und ist auch eine Anspielung auf Goas Geschichte. Von der portugiesischen Politik des Konkubinats und des Einheiratens in die Gesellschaft Goas bis zum gegenwärtigen Bild des "Hippie trail", das an Goas Stränden vorherrscht. 

Die Installation stellt 20 bis 30 Liegestühle einer Videoprojektion von Franziskanermönchen am Strand von Goa gegenüber. Das verführerische Blau des Meeres und der bannende Soundtrack verschleiern die stattfindende Projektion von Touristenbusladungen und Erlösungssuchenden auf das in den Liegestühlen sitzende Publikum.

Die zweite Installation, "digNative" (1999) , umfasst eine Reihe von Schaukästen , die jeder wie ein Puppenhaus einen Raum im Raum darstellen. Weiters schaffen sie eine anschauliche Darstellung eines materialisierten Geheimnisses. Das Innere des Schaukastens ruft die verarmten und partiellen Erinnerungen wach, die in den Herrschaftsdiskurs eingeflochten sind; eine erzählerische Erinnerung, die zwischen Verlangen und Ekel oszilliert. Die Serie von rassenbezogenen Kunstobjekten (Negrophilia) werden in einem Modell zeitgemäßer Museums-Installations-Praxis präsentiert. Die Verwendung von Lagerungsmaterialien wie Polyester und Klebeband spiegeln die semantische Richtung und deren Wahrhaftigkeit in der gegenwärtigen Kunstpraxis wie auch deren Verwendung in Gebrauch, Lagerung und Transport von Institutionen und einzelnen Praktikern wider. Dieser Simulationsraum liefert einen transparenten Ort, wo diese Objekte einst eine signifikante Rolle im Alltag spielten. Diese Kunstobjekte sollen als Zeichen der Rasse verstanden werden und stellen eine absolute Notwendigkeit in der europäischen Kitsch- und Populärkultur dar.

Die dritte Installation hat die Form eines Workshops "BUY Native", ein work in progress, wo der Fortschritt als Aneignung definiert ist. Die Arbeit ist verkleidet, versteckt und unfertig. Dem Publikum soll glaubhaft gemacht werden, dass aktuell daran gearbeitet wird und die in Arbeit befindlichen Ideen erst in einem späteren Stadium verstanden werden können. Merali bringt in diesem Workshop eine Reihe seiner früheren Arbeiten von 1981-87 ein, die aus traditionellen Materialien wie Baumwolle und Seide hergestellt sind. Diese älteren Werke sind von Medienwerkzeugen umgeben und erzeugen Verwirrung über Urteile und die Kriterien, die in der heutigen Kunstwelt maßgeblich sind. Die Installation hinterfragt unseren Zugang zur Ästhetik und wirft das Problem auf, dass keinem Objekt ein Kunstcharakter inhärent ist. Nur der reduzierende, europäische, institutionelle Rahmen gibt oder nimmt den Kunststatus.

Die letzte Arbeit, "Scenes from the Nativity", war ursprünglich ein Auftrag von Nationrecords and Beggars Banquet letztem Album Erotic Terrorism. Diese digital manipulierten Bilder wurden wegen der exzessiven Verwendung von Gewalt und Kitsch heftigst abgelehnt, teilweise von gewaltverherrlichenden Internetseiten (z.B. rotten.com, etc.) genommen und reflektieren trashige Betrachtungen über die Positionierung des schwarzen Subjekts. Ein Zeugnis imaginärer Subjekte, die starke untergeordnete Stimmen erzeugen.

Shaheen Merali ist Lektor an der Central St. Martins School of Arts in London und der Universität von Westminster. Er ist Mitbegründer der Panchayat Arts Education Resource Unit, einem themenzentrierten Archiv an der Universität von Westminster. Zur Zeit nimmt Merali an der Gruppenausstellung, The Crown Jewels, in Berlin teil.

Weitere Ausstellungen, bei denen Merali vor kurzem teilnahm: 

zerozerozero, Whitechapel Art Gallery, London; 

machos y munecas, Barcelona 

Out of India, Queens Museum; New York

Transforming The Crown, Bronx Museum, New York.

Seine Videoarbeit "Paradigm Lost", die vom Scottish Arts Council in Auftrag gegeben wurde, tourte international und ist im Augenblick Teil des Projekts "alien/nation, das von SixpackFilms in Wien zusammengestellt wurde.

 

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