Zeit

Do 12. Februar 1998 - Sa 14. März 1998

Ort

Kunsthalle Exnergasse

MAJANA, Flyer 1998, Detail
Kunst

MAYANA

Ausstellung

Eröffnung: Mittwoch, 11. Februar 1998, 19 Uhr
 

Die beiden in Wien lebenden Künstlerinnen Maja Vukoje und Ana Horn finden sich in der Kunsthalle Exnergasse erstmals zu einer gemeinsamen Ausstellung.

Ana Horn wurde 1969 in Zagreb/Kroatien geboren und übersiedelte 1988 nach Wien. Bis 1993 studierte sie Restaurierung und Konservierung von Metallobjekten an der Hochschule für angewandte Kunst, seit 1993 studiert sie Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste (MKL Gironcoli). 1996/97 verbrachte sie ein Studienjahr an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee und der HDK/Berlin.

Ausstellungen (Auswahl):

1994


1995
1996
1997

"Regionale 94", Villach
Bildhauersymposium "Brücke von Andau", Andau
"Stara Tisakara", Zagreb
Galerie Thaysen-Heyduck, Wuppertal
"Salon Mladih", Zagreb
Bildhauerprojekt "Panta Rhei", Strausberg/Berlin

Maja Vukoje wurde 1969 in Düsseldorf geboren. Sie besuchte von 1986-88 die MS f. Ind. Gestalten in Belgrad, von 1988 - 93 studierte sie an der HS f. angew. Kunst, Wien (MKL Lassnig/Attersee) Malerei.

Ausstellungen (Auswahl):

1992
1993
1994
1995
1996
1997

Sargfabrik Wien
Kunstwerk Wien
"100 Umkleide-Kabinen", Steirischer Herbst, Graz
Portfolio Kunst AG, Linz
Galerie der Stadt Wels (Personale)
"Coming Up", Museum moderner Kunst, Wien, 20er Haus
"Picture Show" Portfolio, Wien; "Pictureboard", WUK, Wien; "Positionen österr. Malerei heute", Sala Parpallo, E, Valencia Schloß Straßburg (mit Franco Kappl), Portfolio, Wien (mit Sean Dower) MAJANA

Die Gegenüber- bzw. Zusammenstellung von Arbeiten der Bildhauerin Ana Horn und der Malerin Maja Vukoje läßt einen äußerst spannungsreichen Beitrag erwarten zu einem Themenkomplex der Kunst, dessen Hauptaspekt zunächst allgemein unter dem Begriff "Innenwelt:Außenwelt" zusammenfaßbar ist.

Im Raum der Kunsthalle Exnergasse werden wir auf schwebende kugelige Metallobjekte Ana Horns stoßen oder besser nicht an sie stoßen, signalisieren doch manche von ihnen durch ihre stacheligen Fühler und ihre minenartige Erscheinung zunächst Gefahr, jedenfalls Vorsicht und Abwehr. Ohne aggressiv zu wirken, sollten sie zunächst doch besser in Ruhe gelassen oder jedenfalls in Ruhe beobachtet und behutsam umschritten werden, bevor unsere neugierigen Hände ihre metallene Kälte und Härte ertasten, ihr Gewicht wägen. Dann erweisen sie sich allerdings als leichter denn vermutet, sind sie doch hohl und auch als wärmbar, vor allem aber als dialogbereit. Ihre Stacheln sind nicht nur igeliger Schutz nach außen, sie haben auch Antennenfunktion, indem sie den sie umgebenden Raum vorsichtig erforschen. In sich geschlossene Körper, die gelernt haben, sich zu schützen, zugleich aber auf Ortssuche oder vielleicht besser auf Orientierungssuche sind. Manche haben spitzflossige Flügel entwickelt, die ihnen erlauben, sich nicht nur in sich selbst zu drehen, sondern fliegend den Raum zu durchgleiten, was sie bisher aber nur potentiell tun. Immer noch sind sie primär mit sich selbst beschäftigt, und ihre Eigenständigkeit ist groß genug, um mit einem Minimum an Kommunikation auszukommen. So mögen sie ein wenig an die Punkt-Subjekte aus Edwin D. Abbotts Roman "Flatland" erinnern, an jene in sich geschlossenen selbstzufriedenen Subjekt-Systeme, die die bevorstehende Unruhe aber bereits erahnen, die auf sie zukommt, wenn sie mit den Dimensionen der Fläche und des Raumes konfrontiert werden.

Um das Ich und sein Verhältnis zum Außen geht es in einem bestimmten Sinne auch in den Bildern der Serie "Arizona, Januar 1994" von Maja Vukoje, doch spielt sich hier alles auf der Fläche und mit illusionistischen Mitteln ab, der Raum ist hier die Bild gewordene und somit sichtbare Welt, das Ich ist das Selbstbildnis. Catharina Zakravsky findet in ihrem Text über diese Serie den treffenden Ausdruck des "gemalten road movie": "Das road movie ist die kurze Rast auf der Flucht, jener verschwindende Augenblick, da das Auto, bewegtes Mittel zur Flucht, einmal stehend in den Blick kommt, bevor sich wieder alles in der Flucht der Bilder auflöst und dem sicheren Ende zurast." Virtuelle Bewegung, in der die Titelheldin, die Malerin selbst, nur scheinbar in der selben Gestalt mehrmals auftaucht. Grimassierend oder mit dämonischer Geste wehrt sie sich gegen den ihr nahetretenden Kamerablick, ihre Abwehrmöglichkeit ist nicht der Rückzug ins sich selbst schließende Kugelsystem, sondern der Filmschnitt, das cut off, und während der begierlichen Bildaufnahme die Entstellung ihrer bild-begehrten Oberfläche.

So gesehen besteht die Möglichkeit, die Arbeiten der beiden Künstlerinnen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, der in sich die uns aktuell wie stetig stellende Frage nach Identität bipolar auffächert: Unter dem Aspekt des rasenden Bildervoyeurismus hie und dem der statischen Schale-Kern-Befindlichkeit dort.

 

Lucas Gehrmann

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