Zeit

Mi 20. November 1996 - Sa 07. Dezember 1996

Ort

Kunsthalle Exnergasse

Handlungsrahmen, Rink-Müller, 1996, Detail
Kunst

HANDLUNGSRAHMEN

Ausstellung

Teilnehmende Künstlerinnen:

Berlin:
Annette MAECHTEL Virtual comunity
Daniela Alina PLEWE - Muser's service. A project for daydreaming

Hamburg:
Michaela MÜLLER - Tagaus trag ein

Wien:
Almut RINK und Ulrike MÜLLER - Bilder von der Stadt

HANDLUNGSRAHMEN stellt die Frage nach der (Un-)möglichkeit von realer Teilnahme in einer Ausstellungssituation. Das Angebot zur potentiellen Beteiligung, bzw. Benutzung ist Schwerpunkt der Ausstellung. Dabei wird versucht, den Handlungsspielraum zwi-schen Selbst- und Fremdbestimmung auszuloten. Sobald der Betrachter zum real Handelnden wird, hat er die Gelgenheit zu wählen/ zu entscheiden. Die Begriffszuschreibung und Aufzeichnung werden so Differenzierungsinstrument und gleichzeitig unzutreffende Selektion. Diese Formulierung von Präferen-zen ergibt notwendigerweise auch eine Konfrontation mit den Klischees, wie Wahrgenommenes "ausgedrückt" wird. Die Projekte arbeiten in der Teilnahme mit unterschiedlichen zeitlichen Strukturen sowohl in den Arbeiten selbst (vorgegebene Zeitraster) als auch in Bezug auf die Teilnahme generell (der Besucher als "Zuspätgekommener" und im Moment Teilnehmender).

KURZBESCHREIBUNGEN DER PROJEKTE DER AUSSTELLUNG HANDLUNGSRAHMEN

1.) Daniela Alina PLEWE - Muser's Service
Interaktive Installation

Musers's Service ist ein Programm zum Tagträumen (eng. to muse). Internet User legen ihre Assoziationen (sprachliche Ausdrücke mit deren Relationen Web-Adressen) in einer Datenbank ab und erhalten auf Anfrage vom System generierte Assoziationsketten. Dazu gibt man Anfangs- und Zielbegriff und die bevorzugten Assoziationsmethoden ein. Wer Anfang und Ende einer Kette nur vage eingrenzen will, beschreibt die beiden Pole mit einigen Eigenschaften. Eine Wortfeld-orientierte Searchengine schlägt dann passende Begriffe vor.

Für die Eingabe reflektiert der Benutzer, wie er von einer Idee zur nächsten gekommen ist. Am Anfang von Computer Aided Brainstorming steht also die Introspektion. Aus dem gesammelten Material stellt Musers's Service künstliche Gedankenverbindungen her. Dabei entstehen neue, ungewöhnliche Verknüpfungen, die so nie eingegeben worden sind.

Dieses Internetprojekt ist auch als interaktive Netz-Installation gezeigt worden. Die Besucher werden empfangen mit synthetischer Körperwärme (37*C warmes Wasserbett), künstlicher Stimme (Text-to-speech-Synthesizer) und einer Uhr, die von Zeit zu Zeit die Zeit vergißt.

URLs: http://domini-zkm.de/muser.html
www.sva.edu/salon/net-works/muser.html (New York Digital Salon 1995)(Leider sind die Seiten nicht mehr aufzufinden, die Domains sind gelöscht worden, Anm. der Redaktion)

2.) Ulrike MÜLLER, Almut RINK - Bilder von der Stadt

"Bilder von der Stadt" ist ein Projekt, das die Bewohner einer Stadt zur Aufzeichnung der Wahrnehmung beim Zurücklegen alltäglicher Wege einlädt. Es fand im September 1995 in St. Petersburg statt.

Anleitung zur Teilnahme:

Die Mitspielenden sind Bewohner der Stadt und erhalten je vier Karten zur Dokumentation von vier festgelegten Zeitpunkten eines Tages: 11 Uhr, 15 Uhr, 19 Uhr und 23 Uhr.

Jeweils zum angegebenen Zeitpunkt soll der Teilnehmende seinen Aufenthaltsort auf der Teilnahmekarte vermerken und wiedergeben, was er wahrnimmt. Für die Aufzeichnung der Wahrnehmung steht ihm ein freies Feld zur Verfügung.

Der Aufenthaltsort wird vom Teilnehmenden mit einem Aufkleber markiert. Auf der Rückseite der Karte befindet sich ein Stadtplan, auf dem die am Tag zurückgelegte Route vom Mitspielenden eingetragen wird.

Ziel ist es, anhand von zeitlich fixierten Punkten individuelle Geschichten in der Stadt sichtbar zu machen.

3.) Annette MAECHTEL - Virtuelle Gemeinschaft

Am Eingang der Kunsthalle steht für die Dauer der Ausstellung ein Behälter mit Losen. Ein Vermerk weist darauf hin, daß jeder Besucher ein Los ziehen kann. Es befinden sich 30 Lose in dem Behälter mit der Aufschrift:

* Ich gehöre dazu

Auf den restlichen Losen steht:

* Ich gehöre nicht dazu.In dem Ausstellungsraum ist ein Raum - Nur für Mitglieder - abgeteilt, in dem ein Tisch steht. Auf diesem Tisch stehen entsprechend der Anzahl der Lose 30 Sektgläser mit der Gravur Ich gehöre dazu. Die Gläser sind mit Sekt gefüllt und stehen für die Besucher bereit. Auf dem Tisch ist für jedes Glas ein Platz markiert. Die Gläser dürfen von den Mitgliedern mit nach Hause genommen werden.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Zeichen und Gesten, die eine Gemeinschaft verbinden, abgrenzen und definieren; sie versteht sich als eine Art Modellsituation, mit offenen Variablen, die gefüllt werden können.

Gleichzeitig geht es auch um die Abgrenzungsmechanismen innerhalb des Kunstkontextes selbst.

4.) Michaela MÜLLER - tagaus trag ein

Eine Art Tagebuch, bestehend aus Formularen zum täglichen Ausfüllen. Kann bestellt und erworben werden zum Gebrauch im Alltag

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