Zeit

Do 13. Juni 1996 - Sa 13. Juli 1996

Ort

Kunsthalle Exnergasse

Willkommen Bienvenue Welcome, Ausstellungsansicht, 1996, Detail
Kunst

Willkommen Bienvenue Welcome

Ausstellung

Eröffnung: Mittwoch, 12. Juni 1996, 19 Uhr

Kuratiert von: Hubert Lobnig und Barbara Steiner

Eingeladene Künstler/innen:
Astrid Benzer // Julia Ezergailis // Andrea Gergely // Oliver Hangl // Monika Jaksch // Ruth Kaaserer // Anita Leisz // Ulrike Müller // Maria Richle // Friedrich Rücker // Roland Rust // Klaus Taschler

Unter dem Motto Willkommen Bienvenue Welcome versammeln sich jüngere Künstler und Künstlerinnen zu einem gemeinsamen Projekt, das im April im Kommunikationsbüro in der Schottenfeldgasse seinen Anfang nahm, im Mai im Apostelhof fortgesetzt wurde und einen vorläufigen Endpunkt im Juni 1996 in der Kunsthalle Exnergasse finden wird. Die Öffnungsdauer pendelt zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen. Parasitär klinken sich die Künstler und Künstlerinnen in eine bereits bestehende, brauchbare Infrastruktur ein.

Die Struktur von Willkommen Bienvenue Welcome entspricht dabei den vorgestellten Arbeiten: Verschiedene Phasen der künstlerischen Auseinandersetzung werden in eine Reihe von Einzelprojekten übertragen und aufeinander bezogen. 

"Heiteres Beisammensein wünschte Astrid Benzer" im Rahmen der "Komm doch mal vorbei GesmbH". Mit ihrem Postkarten-Service organisierte die Künstlerin Treffen zwischen verschiedenen Personen und übernahm dabei sämtliche Schreibarbeiten. Der Auftraggeber konnte den Stil wählen: "Lieb und nett", "freundlich, aber bestimmt", "lang und leidenschaftlich" waren nur einige Optionen, die zur Verfügung standen. Im zweiten Teil von Willkommen Bienvenue Welcomeübertrug Astrid Benzer das Prinzip des heiteren Beisammenseins auf ein, von ihr eigens entwickeltes, Gesellschaftsspiel.

Mit "Grüß Gott" und "Auf Wiedersehen" werden die Passanten entlang der Linie U4 begrüßt und verabschiedet. Julia Ezergailis "Begrüssungskomitee" ist zwischen dem 9. 4. und 12. 6. unterwegs, die Stationen wechseln sich täglich ab. Ausgestattet mit einem Verhaltenskodex und roten Namensschildern, erleichtern die adrett aussehenden jungen Leute den Einstieg in den Tag oder Feierabend. Im Mai schickte Julia Ezergailis die Postkartenserie "greetings from japan" von ihrem damaligen Aufenthaltsort an die zweite Ausstellungsstation in der Apostelgasse und an andere Kunstinstitutionen in Österreich.

"Lieb mich", "Sei mein", Slogans, die Liebe, Nähe oder Freundschaft ausdrücken und vorzugsweise auf Traubenzuckerherzen zu finden sind, stellten die Arbeitsanregung von Ulrike Müller dar. Unter dem Motto "Working for Love" stickte sie diese, auf den ersten Blick innigen Worte, auf Kissen und Schürzen und reflektierte damit das Umkippen persönlicher Botschaften in industriell und gesellschaftlich hergestellte Stereotypen. Im zweiten Teil des Projektes entwickelte sie einen Fragebogen für die Besucher und Besucherinnen der Ausstellung.

Die Videoinstallation "Klaus Taschlers Gaumenfreuden" spielte auf die Fernsehserien "Meisterkochen" und Bitte zu Tisch" an. Der Künstler besuchte alle Beteiligten des Projektes Willkommen Bienvenue Welcome und ließ aufkochen: Lieblingsgerichte, alte Familienrezepte, Kochrituale - die Bandbreite war groß. Klaus Taschler selbst schlüpfte in die Rolle des Moderators und kommentierte die Arbeitsabläufe. In der neuen Serie "Klaus Taschler unterwegs" wurden Personen - vorzugsweise in Parkanlagen, aber auch anderen öffentlichen Plätzen - befragt, was sie gerade lesen und wie sich die jeweilige Geschichte wohl entwickeln wird.

Friedrich Rücker unternimmt im "Elsa-Zyklus" eine ununterbrochene Blickverschiebung. Elsa, die Protagonistin, taucht in der Rolle der Frau, Mutter, Großmutter in unterschiedlichen Situationen auf, zunächst in Szene gesetzt von ihrem Mann, der die meisten Aufnahmen gemacht hatte und dann von ihren Kindern.

Ausgangspunkt von Friedrich Rücker war eine Materialsammlung mit rund 15.000 Dias und Super-8-Filmen, die er in Diashows und Filmen neu strukturierte und interpretierte. Auf diese Weise gelang es dem Künstler, die wechselnden Identitäten der Protagonistin und ihrer gesellschaftlichen Rolle deutlich zu machen.

Roland Rust und Maria Richle boten in ihren ersten Projekten unterschiedliche Möglichkeiten zur Partizipation: In beiden Fällen konnten die Besucher eingreifen und der Arbeit eine weitere Prägung geben. Ob es das Fortschreiben eines Romans bei Maria Richle war, an dem viele Personen beteiligt sind, oder ob man ein A4-Blatt seiner Wahl an Roland Rust weitergab, die Arbeiten entstanden und entstehen aus der Mitwirkung Vieler. In einem weiteren Schritt wurden Richles Romane nun getipppt, während Rust zur Lösung lebenspraktischer Fragen überging und so einen Dialog zwischen ihm und den Besuchern anregen will.

Andrea Gergely und Oliver Hangl operieren in ihren Performances unter den Pseudonymen Daniel Rose und La Petite Rouge. Monday, 13th January ist ihr Stichtag, an dem sie, einem kurzen Aufblitzen gleich, Einblick in das Leben eines jungen, glücklichen Paares geben. Der Hinweis auf eine gestellte Filmszene enthüllt sich erst gegen Ende der Vorführung: Die Stimme des Regisseurs aus dem Off gibt Anweisungen und korrigiert; die Einstellung wird wiederholt. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Klischees als das enthüllt, was sie sind: Konstruktionen, die letztendlich ähnlich fiktiv sind, wie Filme.

"Tarnung kostet", so lautete der Slogan von Anita Leisz, den sie anläßlich des ersten Projektes am Schaufenster der Turek Workshop

Company anbrachte. Der Schriftzug wurde an diesem Ort primär zu einer Anspielung auf gängige Modetrends, die man sich bewußt leisten will, um dazuzugehören. Im zweiten Teil vonWillkommen Bienvenue Welcome brachte Anita Leisz im Ausstellungsraum an zwei gegenüberliegenden Wänden jeweils einen Satz an: "Und es gibt kein Dazwischen?" ... "Absolut kein Dazwischen."

Monika Jaksch lieferte in ihrer ersten Arbeit zusätzliche Informationen zu einzelnen Projekten der anderen Beteiligten. Sie nahm Anregungen bzw. Ausgangsmaterialien der anderen Künstler und Künstlerinnen auf und verdichtete sie zum eigenen Projekt. Dies konnten Bücher, aber auch die Traubenzuckerherzen von Ulrike Müller sein. Monika Jaksch führte durch ihre Verknüpfungen die einzelnen Projekte der Beteiligten zusammen und bot für den Betrachter unterschiedliche Leseweisen an, die sich vom Ausgangsmaterial auch sehr weit entfernen konnten. Im zweiten Teil vonWillkommen Bienvenue Welcome verfaßte die Künstlerin, indem sie vergangene und gegenwärtige Projekte ihrer Kollegen und Kolleginnen in die Handlung integrierte, ein Drehbuch zur Ausstellung.

Barbara Steiner

PS.: Wenn Sie gerne zur Ausstellung kommen möchten, aber keine Zeit haben, dann können Sie den Auftragsdienst von Ruth Kaaserer in Anspruch nehmen! Wählen Sie die Nummer 33 46 345, und Sie werden jederzeit von einem freundlichen Menschen vertreten.

 

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