Zeit

Do 23. Februar 1995 - Sa 18. März 1995

Ort

Kunsthalle Exnergasse

BEATRICE STÄHLI, Barbarenkunst, 1995, Detail
Kunst

Barbarenkunst

BEATRICE STÄHLI und STEFAN GYURKO

Béatrice Stähli und Stefan Gyurko, beide in Wien lebend und arbeitend, präsentierten ihre Arbeiten in Form von zwei Einzelausstellungen nebeneinander:

Zur Arbeit von Stefan Gyurko: 

Den Requisiten, die Stefan Gyurko in seinen Low-budget-Inszenierungen abbildet oder versammelt, ist gemeinsam, daß sie alle an ihrer Bestimmung erbärmlich versagen. Weder veredelt die Klubgarnitur das spießige Heim zum gediegenen Refugium, noch verleiht Denim-Duft die unwiderstehliche Attraktion gewandter Weltläufigkeit, noch erregt die mollige Lady in Strapsen und Viskosebustier die Sinne, und Bill Clinton ist vermutlich auch nicht der Retter von Gottes eigenem Land.
Was Gyurkos Spott von den Überheblichkeits-Allüren unleidlicher Distinktionsheischer so vollkommen unterscheidet, ist die Erweiterung seiner Respektlosigkeit aufs eigene Metier und die eigene Sinnsuche. Kunst steht als Erkenntnisinstrument auf ziemlich wackeligem Posten und leistet in der Disziplin der Weltinterpretation nicht Besseres als Weinbrand-Verschnitt für einen gepflegten Rausch.
Kunst ist, laut Gyurko, auch nur "einer von 1000 Wegen, die Welt falsch zu deuten“.
Stella Rollig
Aus dem Katalog "Vor der Wand“ (Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt, 1993)

Zu den Wandstücken von Béatrice Stähli: 

Stählis Arbeiten sind nicht gegen das Tier gerichtet, sondern gegen den Menschen. Das Theater der Grausamkeit, das uns aus den Wandstücken entgegenstrahlt, reflektiert die ver-hängnisvolle Beziehung Mensch und Tier, wo aber die Grausamkeit auf Seiten des Menschen lokalisiert ist. Wie enttäuscht muß ein Mensch sein oder wie enttäuschend müssen die menschli-chen Verhältnisse sein, daß ein Tier Ersatzfunktionen bilden kann oder bilden muß. Durch die semantische Aufladung der Wandobjekte, als 'Stammbaumhund, Kettenhund, Wachhund,' titu-liert, greift Stähli nicht nur die widernatürliche Bestimmung und Nutzung des Hundes durch den Menschen an, sondern versucht auch gegen jene verkitschende Gefälligkeitsästhetik von Tierbildern, die von vielen publizistischen Medien als Kalender, Siebdrucke, Poster, Comics, inspiriert von populären Fernsehserien, betrieben wird, vorzugehen. Diese sind Vermittler wirk-lichkeitsferner Tierkulte, die unter falschen Vorzeichen eine tierfreundliche Gesinnung sugge-rieren. Diesem oberflächlichen Schein setzt Stähli ihre provokativen Arrangements des vierbeinigen Freundes Hund als Störfaktoren entgegen.
Christa Steinle im Katalog "Barbarenkunst-Béatrice Stähli“, 1994

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