Zeit

Do 23. Juni 1994 - Sa 23. Juli 1994

Ort

Kunsthalle Exnergasse

Ohne Autor, 1994, Detail
Kunst

OHNE AUTOR

Ausstellung

Ausstellungseröffnung: 22.6.1994, 19 Uhr

KUNSTHALLE EXNERGASSE in Zusammenarbeit mit der Salzburger Galerie 5020 (IG bildender Künstler/innen Salzburgs)

OHNE AUTOR
Kurator: Anselm Wagner

Mit Dominik GUGGENBERGER // Kai Herbert KUSS // Wilhelm SCHERÜBL // Michael SCHITTER // Josef SCHWAIGER // Christa SOMMERER & Laurent MIGNONNEA // Christoph STEFFNE // Lois WEINBERGER // Johannes ZIEGLER.

"Diese diskrete Lehre
lehrt mich das Leben spät:
die kristalline Ode
erschafft sich ohne Poet."
(Carlos Drummond de Andrade)

"Ohne Autor" wird Kunst präsentieren, worin der Künstler als alleiniger Schöpfer und Urheber fragwürdig geworden ist. Der Künstler setzt nunmehr die Spielregeln, die Rahmenbedingungen fest, während sich das Werk innerhalb der gesetzten Bedingungen - nach den Regeln des Zufalls oder der Natur - frei entwickelt. Der Künstler tritt hinter das Werk zurück, indem er nur die Kugel ins Rollen bringt, um dann interessiert den weiteren Verlauf des Experiments zu beobachten.
Die Einbeziehung des Zufalls in die künstlerische Arbeit im 20. Jahrhundert kann im Horizont des "Endes der Kunst" (Hegel) als totaler und absoluter, vom genialen Individuum bis ins letzte Detail konzipierter und ausgeführter Setzung gesehen werden. Die untrennbar mit diesem zu Ende kommenden Kunstbegriff gekoppelten Begriffe der Autorschaft und des Originals sind aber besonders in den letzten 20 Jahren, d.h. dem Beginn des eigentlichen Medienzeitalters, in die Krise geraten. Während Surrealismus und Dada noch gegen ein herrschendes Kunstverständnis opponierten und zufallsgesteuerte Bildfindungen in erster Linie provozieren (d.h. das Bestehende hinterfragen) sollten und auch im Fluxus noch viel von der dadaistischen Revolte mitschwingt, ist der Zufall im zeitgenössischen Kunstschaffen zu einem der zentralen positiven Produktionsfaktoren geworden. Die Aktualität dieses Themas hängt vermutlich mit der Abwen-dung vom historischen Referenzobjekt (Postmoderne) und einer neuerlichen Hinwendung zu einer wieder mehr fundamentaleren, direkteren Beschäftigung mit Wirklichkeit zusammen, wie sie woanders auch in einer stärker politischen Ausrichtung der Kunst sichtbar wird. Anstelle der Geschichte tritt die Natur bzw. der Naturcion der Artificial Intellegence. Als wesentlichster Beitrag der Postmoderne zu diesem Problemfeld ist die Chaostheorie zu nennen, die von ihrer Bri-sanz noch nichts eingebüßt hat.

Anselm Wagner

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