Zeit

Mi 07. Oktober 1992 - Sa 07. November 1992

Ort

Kunsthalle Exnergasse

D.E.L.R. im Ausstellungsraum, 1992, Detail
Kunst

D.E.L.R

Ausstellung

Carla DEGENHARDT // Ursula ENDLICHER // Hans Jörg LOHN // Mario ROTT

Die Klammer ist eine unauffällige Erscheinung und geht nur dann ab, wenn sie fehlt: Ihre Funktion, Ordnung und Klarheit in das Chaos zu bringen, erfüllt sie in ihrer schriftlichen wie auch materiellen Form. Ob Wörter, Zahlen, Papiere, Stoffe. Sie klammert immer etwas zu einer Einheit zusammen, indem das Äußere gleichzeitig ausgeklammert wird; also Zusammenfassung und Abgrenzung gleichermaßen.

Das in der Klammer stehende ist für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs oft wichtiger als das Freie, liefert es doch Aufschlüsse, Erklärungen und Zusatzinformationen. Trotzdem ist es ein Akt der Bescheidenheit, etwas in Klammer zu setzen. Die Wichtigkeit eines Inhaltes wird formal relativiert: Er könnte auch nicht da sein - und es würde nichts ausmachen, wird vermittelt. Weil jener Inhalt aber doch eine Rolle spielt, in einem größeren oder anderen Kontext, muß er sich mit der Position zwischen zwei Klammern zufriedengeben.

Das Verhältnis von "Wichtigem" und dem scheinbar ins schriftliche Abseits Gestellten drehen die vier Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung (D.E.L.R.) einfach um: Der Ausstellungstitel rückt das "Nebensächliche" (in Klammer) in den Mittelpunkt.

Klammern setzen ist letztlich auch ein Akt der Willkür, ein erzwungener Zusammenhalt ohne zwingenden Zusammenhang. Durch das Auswahlverfahren der Kunsthalle Exnergasse wurden die vier ebenso unfreiwillig zusammengeklammert. Und genau dieser Umstand wurde für sie zum übergreifenden "Thema". Keine vier Einzelpräsentationen, sondern eine gemeinsam diskutierte und bedachte Gesamtschau mit der Klammer als größtem gemeinsamen Nenner. Denn künstlerisch bedient jede(r) ein anderes "Revier" - was die Sache erzwungenermaßen spannend macht.  

(D.E.L.R.) grenzen ihre Bereiche räumlich und auch stilistisch ein.  

Die Arbeiten der beiden Frauen fungieren dabei auch als Raumklammer: Carla Degenhardt klammert durch die randvoll mit Fensterpölstern gefüllten Fenstern den Raum von der Außenwelt aus, fügt das Innere enger zusammen. Ursula Endlicher, die in ihrer doppelsinnigen "Installation" Kabel in einer Endlosschleife um die beiden freistehenden Wände kreisen läßt, schafft durch diese Umklammerung ein imaginäres Spannungs- und Induktionsfeld.

Mit den Bild-im-Bild Manipulationen und Objekten von Hans Jörg Lohn und Mario Rotts Interventionen an der Ausstellungsarchitektur vereint sie die gedachte und gesetzte "Ausstellungs-Klammer".

Doris Krumpl

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