
Mo 29.9. bis Sa 11.10.2025
Eintritt frei
Fotogalerie Wien
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FOTOGRAFÍA COMO ENCUENTRO – IT ́S YOURS, IT ́S MINE
Im Rahmen eines Artistic-Research-Projekts der Fotogalerie Wien war die österreichische Künstlerin Mafalda Rakoš im Februar 2025 bei Hydra+Fotografía in Mexiko City zu Gast. Hydra wurde 2012 – u.a. von der Künstlerin und Verlegerin Ana Casas Broda – gegründet und versteht sich als unabhängige Plattform zur Entwicklung von Projekten im Bereich der Fotografie, die auf Reflexion und Kooperation basiert. Zu ihren Aktivitäten zählen ein Bildungsprogramm, ein Fotobuchverlag, eine spezialisierte Buchhandlung für internationale Fotobücher, Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen. Im Mittelpunkt der Hydra+Fotografía-Präsentation in der Fotogalerie Wien steht der Verlag; in diesem können Autor*innen ihr Fotobuch in Form eines kreativen, experimentellen und einzigartigen Prozesses entwickeln. Im interkulturellen Programm Photobook Incubator experimentieren Künstler*innen mit verschiedenen narrativen Formen, hybrider Produktion und kollaborativen Praktiken. Hydra+Fotografía hat bereits über 30 Bücher veröffentlicht, die in der Fotogalerie Wien ausgestellt und von Ana Casas Broda präsentiert werden.
Mafalda Rakoš führte in diesem Jahr bei Hydra+Fotografía eine Reihe von Workshops durch, die sich an lokale Künstler*innen richtete und die sozialen und künstlerischen Dimensionen von Portraitfotografie zum Inhalt hatte. Im Zuge des zweiwöchigen Intensivprogramms experimentierte die Gruppe mit unterschiedlichen Zugängen zum Portraitieren Anderer, eine Auseinandersetzung, der auch in Rakoš' Praxis seit vielen Jahren eine große Bedeutung zukommt. Während ihres einmonatigen Aufenthalts in Mexico City dokumentierte die Künstlerin ihre Begegnungen mit Freund*innen, Fremden und Bekannten. Die daraus resultierenden Portraits im erweiterten Sinne entstanden in geteilter Co-Autor*innenschaft mit den abgebildeten Personen und beschäftigen sich mit den sozialen, politischen und kosmologischen Kontexten, in denen diese sich verorten. Die Arbeitsweise bringt stets die Auseinandersetzung mit dem Thema „Kontrolle" mit sich; andere Menschen werden buchstäblich zu Interventionen auf die Fotografien eingeladen, mein Bild soll zu unserem werden. In der Ausstellung wird ein Auszug der entstandenen Portraits, Fotografien, Übermalungen, Filmen und Skizzen präsentiert. In einer Videoinstallation werden neben den bildlichen Arbeiten Fragmente von Unterhaltungen mit den 13 Workshopteilnehmer*innen gezeigt.
Ana Casas Broda, in Spanien geboren und in Mexiko lebend, ist Künstlerin und Gründungsmitglied von Hydra+Fotografía und leitet das Workshop- und Verlagsprogramm. Ihr komplexes Identitätsbild, verwurzelt in Wien, Spanien und Mexiko, prägt ihre kuratorische Praxis, die auf Dialog und interkultureller Zusammenarbeit fokussiert ist, und bildet somit einen besonderen Kontext für den Austausch mit Mafalda Rakoš und der Fotogalerie Wien. In der Ausstellung wird auch das Fotobuch Álbum von Ana Casas Broda präsentiert, an dem sie 14 Jahre gearbeitet hat und das in Spanisch, Englisch und Deutsch veröffentlicht wurde. Es enthält Bilder und Texte von ihr und ihrer Großmutter und versteht sich als Reflexion über die Fotografie als wesentliches Instrument zur Konstruktion historischer und persönlicher Identität. Ana Casas Broda stellt ihre individuelle Geschichte vor, da ihre Sicht auf das Medium „Fotobuch“ und ihre berufliche Praxis als Künstlerin, Pädagogin und Verlegerin tief geprägt ist von ihrem Leben, das sich zwischen Kontinenten abgespielt hat. Räume, in denen verschiedene Kulturen, Sprachen sowie Denk- und Arbeitsweisen zusammenkommen können, sind für sie unerlässlich zur Förderung eines kritischen Dialogs über das Fotobuch heute. In ihrer Wahlheimat Mexiko konnte sich die Fotografie erst Ende der 2000er-Jahre – mit dem Aufkommen des Internets und der Demokratisierung der Kameras – von einem Instrument der Macht zu lösen.