DanceAbility: Ein Tanz, der verbindet

© Michael Obex-Erben

DanceAbility: Ein Tanz, der verbindet

Interview mit Vera Rosner

Vera Rosner ist Künstlerin, Performerin und DanceAbility-Trainerin. Im Interview mit Helen Figl vom VALID-Magazin erzählt Vera Rosner über ihren ersten Kontakt mit DanceAbility und wie sie dadurch selbst zum Tanz gefunden hat.

Vera Rosner ist Künstlerin und Performerin. Sie gehört zweifelsohne zu jenen Menschen, die gern über den Tellerrand schauen. Bei ihr findet man eine vielfältige Zusammenarbeit mit Künstler_innen aus verschiedenen Bereichen, wie Theater, Performance, bildende Kunst. Zudem gestaltet Frau Rosner gemeinsame Aktionen, Auftritte und Straßenkunst Interventionen. Ihre Workshop-Formate sind international gebucht, von London bis Bologna oder Helsinki. Vor etwa 17 Jahren hat die Rollstuhlfahrerin die Ausbildung zur DanceAbility-Trainerin gemacht.

Interview: Helene Figl, VALID Magazin

Behindert sein und tanzen, vielleicht sogar in der Öffentlichkeit, schreckt wohl viele ab. Wie ist es Ihnen selbst damit zu Beginn ihrer Tanzkarriere ergangen?

Vera Rosner: Dass ich einmal als Tanztrainerin und Performerin arbeite, habe ich mir nie vorstellen können: Tanzen war etwas, das anderen Leuten vorbehalten war. In der Öffentlichkeit zu tanzen hätte ich mir nie träumen lassen. Irgendwann dachte ich: "Na und? - Es schauen sowieso alle auf meinen Körper." Und dann habe ich entdeckt, dass ich die Bühne liebe. 

© Thomas Richter

Bei welcher Gelegenheit sind Sie mit DanceAbility in Kontakt gekommen?

Vera Rosner: "Would you like to dance with me?", hat mich vor Jahren ein Mann am Wiener Rathausplatz angesprochen und ich war peinlich berührt: Ich im Rollstuhl und diese Frage! Ich habe ihn unfreundlich weggeschickt. Das war Alito Alessi, einer der Gründer von DanceAbility.

Wie war es dann auf dem Parkett?

Vera Rosner: Einer meiner ersten Tanzpartner war ein sehr großer, starker Mann, aus meiner Perspektive wie ein Wandschrank. Und ich habe ihm zugeflüstert, dass ich zarte Knochen habe, kein Gewicht tragen kann und dass ich Angst habe. Er hat mich nicht verstanden, blickte irgendwo hin und ignorierte mich. Jedenfalls empfand ich das so. Dann begann der Tanz und dieser große Körper nahm mich an der Hand, zart und behutsam und je länger es dauerte, desto mehr verlor ich meine Angst und wir hatten eine wunderbare Tanzbegegnung.

© Hans Schubert

War das der Startschuss zu Ihrer Tanzkarriere?

Vera Rosner: Für mich war klar: "Wenn es möglich ist, auf diese Weise ohne Worte miteinander zu kommunizieren, dann will ich das machen!" Es war, als hätte jemand einen Schalter in meinem Leben umgelegt. Von da an machte ich alles mit Tanz, was mir möglich war. Ich war geflasht von dem Moment, mich einfach gut zu fühlen in meiner Haut. Der kleine "Polizist" in meinem Kopf schien eingeschlafen zu sein ... Das war nicht selbstverständlich: mein Körper hat von jeher sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, allerdings immer in der Richtung, was damit nicht stimmt. Einige Jahre später war ich Mit-Initiatorin für die erste DanceAbility-Ausbildung in Wien. Es ist uns auch gelungen, das ImPulsTanz Festival als Partner zu gewinnen.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?

Vera Rosner: Ich komme aus einem Umfeld, wo zeitgenössischer Tanz kein Thema ist, meine Freude am Tanzen hat eher Befremden ausgelöst. Mein Liebster und meine beste Freundin haben mich jedoch unterstützt und bestärkt, meiner Mutter hingegen war es peinlich.

Was macht DanceAbility für Sie so besonders?

Vera Rosner: Mir gefällt, dass es nicht nur ein Tanz für Menschen ist, die z.B. einen Rollstuhl benützen oder Ballett tanzen, sondern es tatsächlich offen für ALLE ist. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, in der alle Teilnehmer_innen in Bewegung kommen können. Die Person, die anleitet, gestaltet die Übungen so, dass alle die Möglichkeit haben teilzunehmen.

Im Unterricht werden auch Choreographien einstudiert. Ist es schwierig, alle Tänzer_innen unter einen Hut zu bringen?

Vera Rosner: Das erscheint mir nicht schwierig, da jede Person ihre eigene Bewegungssprache einbringt - im Gegenteil, das gibt die Würze.

Die Methode basiert auf Improvisation. Eigentlich doch eine große Herausforderung bzw. Hemmschwele für Tanz-Neulinge - oder nicht?

Vera Rosner: Am Anfang des Workshops steht ein WarmUp, das die Teilnehmer_innen im Körper, im Raum ankommen und in ihrer eigenen Zeit beginnen lässt. Selbstverständlich basieren die Übungen auf Einladung und niemand muss etwas machen, das er oder sie nicht möchte.

Sie bieten auch Workshops für Kinder an. Gibt es hier andere Zugänge?

Vera Rosner: Die einfache Sprache, die in den Workshops verwendet wird, spricht Kinder an, auch solche, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Je nach Alter werden die Übungen aptiert.

Ist Ihnen ein Feedback von Teilnehmer_innen besonders in Gedächtnis geblieben?

Vera Rosner: "Ich habe meinen Körper so gespürt." Und: "Wenn ich DanceAbility mache, vergesse ich für zwei Stunden, dass ich im Rollstuhl sitze."

© Oliver A. Gross

DanceAbility ist eine international anerkannte und mehrfach ausgezeichnete Tanzform. Es ist eine einzigartige Methode, die für alle Menschen offen ist - für erfahrene und weniger erfahrene Tänzer_innen, für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Sie wurde 1987 von Alito Alessi und Karen Nelson gegeündet. Ziel war es, eine inklusive Tanz-Praxis zu entwickeln, die für jeden Menschen möglich ist und niemanden ausschließt. DanceAbility-Methoden Schulungen finden auf der ganzen Welt statt.

Mehr Infos über DanceAbility und zu Veranstaltungen gibt es hier:
www.danceability.at

Vera Rosner lebt in Wien. Sie ist Tänzerin, Choreographin und Performerin, seit 2006 DanceAbility-Trainerin und Rollstuhlfahrerin seit vielen Jahren.

Interview: Helene Figl

Das Interview wurde im März 2023 zuerst in VALID - Das Inklusions MAGAZIN publiziert, mit deren freundlicher Genehmigung wir das Interview veröffentlichen dürfen. 

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