Auerochs Zehenbär und noch viel mehr
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Der menschengemachte Klimawandel ist sehr komplex. Die eine Lösung für die vielen Veränderungen, die im Gange sind, gibt es nicht. Aktuell schieben politische Entscheidungsträger*innen den dringenden Handlungsbedarf auf die lange Wartebank. Dabei sollte spätestens seit den Protesten von Fridays for Future klar sein, dass es fünf vor zwölf ist. Die Warnungen und Einschätzungen vieler Wissenschaftler*innen wurden jahrelang ignoriert und werden es immer noch, während gleichzeitig von der Fossilindustrie finanzierte Studien in Auftrag gegeben werden, die die aktuelle Situation verharmlosen – nachzulesen in „Ändert sich nichts, ändert sich alles“ von Katharina Rogenhofer und Florian Schlederer.

Genau deshalb machen wir ein Stück für ein so junges Zielpublikum – die Generation, die am meisten betroffen sein wird von den bereits sicht- und spürbaren Auswirkungen der klimatischen Veränderungen, aber keine eigene politische Lobby hat. „Ändert sich nicht, ändert sich alles“ist ein Appell an die Erwachsenen, die aktuell an den Hebeln sitzen. Um als Spezies Mensch zu überleben, ist es essenziell zu begreifen, dass wir Teil eines Gesamtgefüges sind – unserer Umwelt. Diese ist vielfältig in ihren regionalen Ökosystemen, in welche der Mensch schon seit Jahrhunderten durch Landwirtschaft, Bebauungen, Abbau von Bodenschätzen etc. eingreift. Wenn das Ziel allerdings Profitoptimierung lautet, werden die Böden ausgelaugt, verdichtet oder zubetoniert, Wälder gerodet, Sümpfe trockengelegt, Meere, Flüsse und Seen leer gefischt und verschmutzt. Als westliche Gesellschaft verbrauchen wir jährlich mehr Ressourcen, als wir eigentlich haben – darauf macht auch der „Erdüberlastungstag“ aufmerksam.
In „Auerochs Zehenbär und noch viel mehr“ wird in verständlichen Bildern für ein ganz junges Publikum das Verschwinden der Pflanzen und Tiere gezeigt. Die Magierin, die wir mit dem Turbokapitalismus gleichsetzen, nimmt sich alles und überflutet die Blumenwiese, bis der Lebensraum der Tiere kaum wiederzuerkennen ist und auch diese verschwinden. Nur der Zehenbär, eine Fantasiefigur zwischen Mensch und Tier als Identifikationsfigur für die Kinder, bleibt übrig und widersetzt sich dem Zauber. Mit einem Lied wünscht sich der Zehenbär die Tiere zurück. Auch wenn die Welt nicht mehr ganz so wird wie vorher, kann sie dennoch Lebensraum sein und sich langsam erholen.

Dies zeigt das Beispiel des Auerochsen: Der Auerochs wurde im 15. Jahrhundert vom Menschen ausgerottet und mit Hilfe der Genforschung wieder neu gezüchtet. Als Auerochs 2.0 sind bereits wieder Herden in Nationalparks in den Niederlanden, Portugal, Spanien, Kroatien, Tschechien und Rumänien zur „Landschaftsgestaltung“ angesiedelt. Öko-Weidensysteme speichern weltweit bis zu 30 % Kohlenstoff.* Diese positiven Beispiele geben Hoffnung – und darauf kommt es an. Laut der Psychologin Anna Pribil ist es essenziell, mit den Kindern ehrlich über Zukunftsängste zu sprechen und darauf hinzuweisen, dass viele Menschen und Organisationen sich einsetzen. Sich aktiv informieren, hinschauen und lösungsorientiert bleiben und handeln – dazu wollen wir einladen.
Text: Regina Picker. Regina Picker arbeitet als freischaffende Performancekünstlerin mit Schwerpunkt auf Cross-Over-Projekten. Zu ihren Arbeiten zählen der „Performance Brunch“ ebenso wie zahlreiche Theaterproduktionen für junges Publikum. Regina Picker ist Mitglied im selbstverwalteten Tanz/Theater/Performance-Bereich (ttp) des WUK.
Auerochs Zehenbär und noch viel mehr (3+)
- Fr 23.1.2026 16.30 Uhr Uraufführung
- Sa 24.1.2026 16.00 Uhr
- So 25.1.2026 11.00 Uhr
- Di 27.1.2026 10.00 Uhr
- Mi 28.1.2026 10.00 Uhr








