Johanna Heusser: LILA
LILA widmet sich dem Scheitern in all seinen Facetten: dem Aus-dem-Takt-Geraten, dem Blackout, dem Verpassen des Einsatzes, dem Hochstapeln und dem Versuch, Fehler zu vertuschen oder wieder gutzumachen. Drei Tänzer*innen kämpfen ringen gemeinsam darum, dass das Stück unter allen Umständen weitergeht und seine vermeintlich wichtige Botschaft das Publikum erreicht – auch wenn niemand etwas versteht und alles schiefzugehen droht. Während einem 45 Minütigen Klavierkonzert üben, präsentieren, beginnen Sie von vorne und versuchen, das Publikum zu unterhalten.
Die Angst vor dem Scheitern und davor, als Hochstapler*in entlarvt zu werden, beschäftigt die Choreografin Johanna Heusser schon lange. Was, wenn alles schiefgeht? Was, wenn das Publikum die Choreografie nicht versteht? Und wie sieht eine choreografische Katastrophe überhaupt aus?
Als zeitgenössische Choreografin begegnet Heusser immer wieder dem Anspruch, dass Tanz gleichzeitig intellektuell, anspruchsvoll, unterhaltsam und bedeutungsvoll sein soll. Der zeitgenössische Tanz wird häufig als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen verstanden, während die Abstraktion von Bewegung mit Bedeutung aufgeladen und intellektualisiert wird. Doch steckt darin vielleicht auch ein gewisser Hochstaplertum? Welche Codes und Strategien erzeugen Bedeutung, und wann wird aus einer Bewegung bloss eine Behauptung?
In LILA nimmt Heusser diese Mechanismen unter die Lupe – auch jene, derer sie sich selbst bedient. Mit drei Tänzer*innen gibt sie dem Scheitern eine Bühne und dem Absurden, Überraschenden und Sinnfreien Raum. Dabei wird die Angst vor der Katastrophe nicht versteckt, sondern zum Ausgangspunkt einer Choreografie, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Das Stück ist eine dilettantische Liebeserklärung an den zeitgenössischen Tanz und eine humorvolle Hommage an das Scheitern.
Credits
Choreografie
Johanna Heusser
Performance
Sofia Zambrano, David Pallant, Astro Scheidegger
Probeleitung/Choreografische Assistenz
David Lagerqvist
Dramaturgie
Johanna Hilari
Musik
Xenia Wiener
Szenografie und Lichtdesign
Marc Vilanova
Kostüme
Diana Ammann
Technik
Buehnenbildbüro
Outside Eye
Stephan Stock
Produktionsleitung
Maxine Devaud / oh la la - performing arts production
Audiodeskription
Roy Fischer
about
Johanna Heusser
Johanna Heusser (*1994) schloss 2016 ihr Tanzstudium an der Höheren Fachschule für zeitgenössischen und urbanen Tanz in Zürich ab und absolvierte 2022 den Master Expanded Theater an der Hochschule der Künste Bern. Seit 2016 entwickelt sie eigene Arbeiten, die auf zahlreichen Festivals und Bühnen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Indien, der Türkei, Kenia und Uganda gezeigt wurden – unter anderem im ROXY Birsfelden, Schlachthaus Theater Bern, Dschungel Wien, Theater im Pumpenhaus Münster, Gostner Hoftheater Nürnberg, FIT Festival Lugano, Zürcher Theater Spektakel, Far Festival Nyon, Kampala National Theatre, Dance Life Festival Nairobi, Muda Dar es Salaam, Khuli Kirkee Delhi, Khoj Delhi, TIFA Pune, The Redon Arunachal Pradesh, Shoonya Bangalore und beim Istanbul Fringe Festival. Johanna Heusser erhielt 2018 das Atelier Mondial-Stipendium sowie 2020 den Double Tanz des Migros- Kulturprozents. 2021 war sie Finalistin des PREMIO Schweiz. Am Schauspielhaus Wien choreografierte sie gemeinsam mit Marcel Schwald das Stück COMA, am Münchner Volkstheater war sie als Choreografin für Alles ist aus, aber wir haben ja uns unter der Regie von Bonn Park tätig. Ihre Arbeit über das Schweizer Schwingen wurde 2022 zum Schweizer Theatertreffen eingeladen. Im selben Jahr nahm sie am ATLAS-Programm von ImpulsTanz Wien teil. Für den Zeitgenössischen Zirkus Chnopf choreografiert Johanna gemeinsam mit dem
Choreograf Marc Oosterhoff das Stück Le cours des choses für ein 11 köpfiges Ensemble im Jahr 2024. Für ihre künstlerische Arbeit wurde Johanna Heusser 2022 in der Kritiker*innen-Umfrage von Theater Heute als beste Nachwuchskünstlerin und 2023 für den österreichischen Stella Award als beste Choreografin für junges Publikum nominiert. Der Kanton Basel-Land/Stadt unterstützt ihre Kompanie mit einem mehrjährigen Stipendium (2024–2029). 2027 wird sie für die Compagnie des Luzerner Theaters ein Stück zum Thema Bödele choreografieren, ist Mentorin für Double Tanz 2026 des Migros- Kulturprozents und absolviert 2026–2027 das CAS Programm Arts and International Cooperation an der ZHdK
Sofia Zambrano Tänzerin
(Chile, 1994) ist eine Künstlerin, die sich auf die Hybridisierung von Zirkuscodes mit denen des physischen Theaters, der Performance und der bildenden Kunst konzentriert. Ihr gesamtes Werk geht von einer absurden und surrealistischen Basis aus, und sie arbeitet
von, für und mit den Grenzen des Humors. Humor interessiert sie als grundlegendes Instrument für Zerstreuung, Chaos und Festlichkeit. Komische Arbeiten, ohne an Tiefe und Emotionalität zu verlieren. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Darstellender Kunst und Musik in Barcelona gemacht und Soziologie und Anthropologie an der Universitat de Barcelona und der Universitat Oberta de Catalunya studiert. Sie absolvierte die Zirkusschule Carampa in Madrid und diplomierte in Frankreich an der EcoleSupérieure des Arts du Cirque Esacto Lido Promotion 2022, wo sie sich auf Fixtrapez und Kontorsionspezialisierte. In den letzten Jahren hat sie mit Unternehmen wie Compagnie d'Elles (Frankreich), Compagnie Andréane Leclerc/Nadère arts Vivants (Kanada), Cie Circ Motif (UK) und Cirque Electrique (Frankreich) gearbeitet. Derzeit arbeitet sie in der Schweiz mit der Kompanie Les Mémoires d’Hélène und ist Mitbegründerin der Zirkuskompanie La Norma, die in der französischen Region PACA ansässig ist. Im Jahr 2025 ist sie Artist-in-Residence im Central del Circ (Barcelona) und in der Grainerie(Toulouse), um ihre nächste Zirkusvorstellung Scandale zu entwickeln.
David Pallant Tänzer
David Pallant ist ein in Berlin lebender Tanzkünstler. Nach seiner Ausbildung an der Central School of Ballet in London und am Conservatoire National de Paris (CNSMDP) tanzte er bei mehreren Kompanien, darunter dem Stadttheater Heidelberg und der National Dance Company Wales. Seit 2016 ist er freiberuflich tätig und hat mit Choreografen wie demestri + lefeuvre, Antje Velsinger, Ursina Tossi, Joshua Monten, Costa Compagnie und Shangchi Sun zusammengearbeitet. David hat außerdem einen Abschluss in Literaturwissenschaft und schreibt über Tanz für Publikationen wie tanzschreiber und Springback Magazine.
Astro Scheidegger Tänzer
Erfahrungen aus der Akrobatik prägen auch heute noch seinen dynamischen und kraftvollen Stil. Durch seine Neugierde, den Austausch mit Akteur*innen der europäischen Tanzszene und die Mitarbeit in verschiedenen Tanz- und Zirkusprojekten entwickelt er seine künstlerische Ausdrucksweise stetig weiter. Er war unter anderem an den Produktionen Mosaik (Zirkus Chnopf, 2023), Futuristic Folktales (Charlotte McLean, 2022– 2024), HOLES (Jamuna Mirjam Zweifel, 2024) und Put Yourself in My Place (remi demi, 2024) beteiligt. Seit 2015 ist er Gründungsmitglied der Colour Jam Crew, wo er sowohl Events organisiert als auch Breaking vermittelt. Ausserdem ist er Mitgründer der aufstrebenden Tanzkompanie remi demi, die derzeit an ihrem ersten abendfüllenden Stück arbeitet, mit Premiere im Februar 2026. Seine Arbeit lebt von der Neugier an tänzerischen und theatralischen Ausdrucksformen, die er vertieft und immer wieder in neuen Kontexten sichtbar macht.
Tickets & Preisinfos
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- Abendkassa WUK: nach Verfügbarkeit, Währinger Straße 59, 1090 Wien.
Die Abendkassa öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. - Wahlpreissystem:
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