„Ich habe mich gefreut, endlich eine Arbeit zu haben.“

Person in blauem Pullover arbeitet an einem Serverrack mit Netzwerkkabeln in einem Rechenzentrum.
© Frequentis/Stradner

„Ich habe mich gefreut, endlich eine Arbeit zu haben.“

Mit Unterstützung der WUK Arbeitsassistenz in die Elektronik-Teilqualifizierung

Gemeinsam mit vielen engagierten Unterstützer*innen begleitete die WUK Arbeitsassistenz Philippos Jauernig intensiv bei der Ausbildungsplatzsuche und während der Ausbildung. Heute ist er Elektroniklehrling in Teilqualifikation. Im Gespräch mit Christa Franek gibt er Einblick in seinen Weg, spricht über seine Ausbildung, über Autismus im Arbeitsalltag – und darüber, wie Begleitung, Verständnis und Zusammenarbeit gelingen können.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Nach längerer Ausbildungssuche mit Unterstützung durch die WUK Arbeitsassistenz (Fachbereich Autismus) erhielt Philippos Jauernig im November 2024 die Chance, eine Ausbildung als Teilqualifikant (TQ) bei der Firma Frequentis in seinem Wunschberuf Elektronik zu beginnen.

Zusätzlich zu mehreren Gesprächen mit der Abteilungsleitung von Personal und Produktion, erhielten die direkten Teammitglieder eine Autismus-Einführung in Form eines Workshops, um sich auf die individuellen Bedürfnisse ihres zukünftigen Kollegen einstellen und die Besonderheiten im Arbeitskontext berücksichtigen zu können. Es folgten mit dem Lehreinstieg regelmäßige Evaluierungsgespräche unter Einbeziehung der begleitenden Hilfen Arbeitsassistenz, Jobcoaching und Berufsausbildungsassistenz. 

2025 entschied Philippos sich für den Besuch der Berufsschule, um die praktische TQ-Ausbildung zu erweitern. Nach wie vor hat Philippos Anspruch auf Beratung und Begleitung durch Jobcoaching und Arbeitsassistenz und nimmt diese auch gern wahr. Auch dem Unternehmen steht die Arbeitsassistenz zur Verfügung, um Krisensituationen aber auch diagnosebedingte fachliche Fragenstellungen bestmöglich zu meistern und einen nachhaltigen Verbleib im Unternehmen zu sichern.

Der Weg in die Ausbildung

Was hat dein Interesse für Elektronik und Technik geweckt?

Ich hab schon mit ca 7 Jahren gerne Elektroteile zusammengebaut, zum Beispiel Kabel mit Steckern, sodass ein Licht geleuchtet hat.

Wann hast du gemerkt, dass eine Ausbildung in diesem Bereich das Richtige für dich ist?

Schon während der Volksschulzeit wusste ich, dass ich einen Beruf machen möchte, der mit Elektrik zu tun hat.

Wie war der Bewerbungsprozess für dich? Gab es besondere Herausforderungen bei den Vorstellungsgesprächen?

Es war gar nicht so einfach, nach der Schule eine Ausbildung zu finden. Es hat 2 Jahre gedauert bis der Ausbildungsplatz gefunden war. Bei allen Gesprächen mit der Firma war meine Arbeitsassistenz vom WUK dabei. Dass es so lang gedauert hat, hat sicher damit zu tun, dass ich im Autismus Spektrum eine Diagnose habe.

Warum war es deshalb schwierig?

Weil ich Schwierigkeiten habe, Aufgaben richtig zu machen, so wie es die anderen erwarten. Ich versteh oft Anweisungen nicht so, dass für mich alles klar ist, weil mein Gehirn anders funktioniert und denkt.

Wie ist es dann doch gelungen?

Meine Eltern und die WUK Arbeitsassistenz haben mich unterstützt. Seit dem Lehrstart dann auch das Jobcoaching der ÖAH und die Berufsausbildungsassistenz von JAW.
 

Einstieg in die Lehre und Arbeitsalltag

Wie bist du schließlich bei der Firma Frequentis gelandet?

Mein Vater ist IT -Tester und arbeitet freiberuflich für die Firma Frequentis. Dort kannte er den Herrn Tymciw, der unter anderem für die Montageabteilung verantwortlich war. Mittlerweil ist er in Pension. Herr Tymciw hat es ermöglicht, dass ich mit der Teilqualifizierung als Elektroniker beginnen konnte. Es gab viele Gespräche davor und ich habe ein längeres Praktikum gemacht.

Wie war das für dich? 

Ich habe mich gefreut, endlich eine Arbeit zu haben, weil ich gern arbeite.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in der Firma Frequentis für dich aus, was sind die Tätigkeiten?

Mein Arbeitsweg sind 30 Minuten, und ich starte um 8 Uhr mit Umziehen, dann schaue ich, welche Aufgaben ich habe. Diese sagt mir mein Vorgesetzter und Kollege Attila. Meistens baue ich Schaltkästen nach einem Plan zusammen. Ich arbeite auch an verschiedenen Projekten mit, zum Beispiel für eine deutsche Fluggesellschaft. Das Sortieren von Arbeitsmaterialien (Kabel, Stecker, Aderendhülsen, usw.) und Aufräumen gehört auch dazu.

Gehst du in der Teilqualifizierung auch in die Berufsschule?

Ja, ich habe nach ca. einem halben Jahr in der Lehre mit der Berufsschule begonnen, da waren auch die Coaches am Anfang mit dabei und haben den Lehrern erklärt, wie ich am besten lernen kann – und bis auf 2 Fächer war ich überall positiv.

In der Berufsschule lerne ich theoretische Elektrotechnik, die richtigen Typen Kabel, Schuko und englischen Stecker.

Person in blauem Pullover arbeitet an einem Serverrack mit Netzwerkkabeln in einem Rechenzentrum.
© Frequentis/Stradner

Gibt es bestimmte Aufgaben, die dir besonders viel Spaß machen oder leichtfallen?

Ich räume sehr gern auf und sortiere gern.

Wie gehst du mit Stress oder unerwarteten Änderungen um?

Stress kommt manchmal vor. Stressig ist es für mich, wenn ich Fehler mache. Ich versuche halt etwas dazu lernen, damit Fehler zukünftig nicht mehr vorkommen.

Und unerwartete Veränderung? 

Wenn man mir gesagt hat: „Das ist falsch“, war ich gestresst. Wenn mir gesagt wird, wie ich es richtig machen kann, ist es besser. Mittlerweile frage ich auch selbst nach, wie es richtig gehört, das war am Anfang schwierig.

Mich stresste früher auch, wenn etwas nicht in meinem Plan vorkam und spontan dazukam. Den Plan mache ich selbst für mich zur Orientierung, was zum Beispiel am Tag passiert. Wenn dann ein Kollege kam und mir einen Auftrag zusätzlich gabt, dann wusste ich nicht, wann ich den einplanen sollte, wie ich es richtig einplanen sollte – jetzt kann ich gut damit umgehen und weiß schon was wichtiger ist und zuerst gemacht wird und habe meine Zeitplanung besser im Blick – auch mit Extrazeit, damit nicht alles zu knapp wird.

Autismus und Arbeitsleben

Inwiefern unterscheidet sich deine Wahrnehmung von der von neurotypischen Kolleg*innen?

Ich spreche nicht gern, da hab ich lieber meine Ruhe, aber ich verbringe die Mittagspause in der Kantine mit Arbeitskolleg*innen, aber ich höre meistens zu.

 Anleitungen funktionieren besser für mich, wenn es Bilder sind, Kolleg*innen arbeiten eher mit schriftlichen Anweisungen. Ihre Arbeitsabläufe sind manchmal anders als meine bei denselben Aufgaben.

Welche Anpassungen am Arbeitsplatz helfen dir am meisten, dein Bestes zu geben?

Wenn ich grad nichts zu tun habe, darf ich am PC schauen oder wenn es zu viel ist, darf ich eine zusätzliche kurze Arbeitspause machen. Ich habe einen Jobcoach, der hilft mir, wenn es mir mal nicht so gut geht oder auch, es überhaupt rechtzeitig zu merken, dass es mir nicht gut geht und warum. Und er hilft mir da Lösungen zu finden, zum Beispiel mit Kolleg*innen zu sprechen, wenn es mal Schwierigkeiten gibt.

Kommunikation im Team ist wichtig. Welche Kommunikationsformen funktionieren für dich am besten?

Es funktioniert gut. Kolleg*innen und auch die Vorgesetzten haben auch vom WUK eine Erklärung bekommen, wie das gut funktioniert mit mir, im Autismus Spektrum.

Wie offen gehst du mit deinem Autismus im Unternehmen um und wie reagieren deine Kolleg*innen?

Die meisten, die mit mir arbeiten, wissen es, das ist besser. Wenn sie es nicht wissen, sag ich es ihnen, damit sie keine falschen Erwartungen haben.

Was möchtest du anderen jungen Autisten mit auf den Weg geben, die auch eine technische Ausbildung anstreben? 

Vor allem sollen sie offen sein und den neurotypischen Menschen erklären, wie die Sachen für sie funktionieren. Und was sie brauchen – zum Beispiel mehr Pausen und Verständnis, weil ich die Dinge nie absichtlich falsch mache! Mit den Mitarbeitern reden, die keinen Autismus haben, offen damit umgehen, sehr freundlich sein und sich unterstützen lassen.

Zukunftsblicke und persönliche Interessen

Was sind deine Ziele, nachdem du die Teilqualifizierung abgeschlossen hast?

Ich würde gern in der Firma Frequentis weiter arbeiten, weil es mir da einfach sehr gut gefällt und ich sehr tolle Kolleg*innen habe.

Hast du ein spezielles Interessengebiet, dem du in deiner Freizeit besonders gerne nachgehst?

Sachen ausprobieren, neue Züge schauen. Ich fahr ganz viel mit dem Zug durch ganz Wien und auch in Niederösterreich und vor allem versuche ich, mit allen neuen Garnituren mitzufahren oder jenen, die neue Ausstattungen haben.

Und sonst auch Essen gehen ins Restaurant. Es gibt so interessantes Essen. Zuletzt habe ich Cordon bleu probiert und es hat geschmeckt!

Ich geh auch gern spazieren, im Sommer schwimmen und manchmal laufen auf einem Sportplatz.

Was war dein bisher stolzester Moment in der Ausbildung?

Die Berufsschule war schwierig für mich und als ich das für mich gute Zeugnis bekommen habe, kam großes Lob von Mitarbeiter*innen, Eltern und auch von den Coaches - das war einfach schön für mich!

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