Die neue Ära der Rohstoffe

Die neue Ära der Rohstoffe

Zwischen den Schmieden der Vergangenheit und den Datenminen der Zukunft

Über die Gewinnung von seltenen Erden und die Ausbeutung von Natur und Mensch

Das Gebäude des WUK blickt auf eine vielfältige, auch „eisenreiche“ Geschichte zurück. Der Veranstaltungssaal erstreckt sich entlang der Wilhelm-Exner-Gasse, die in den Jahren 1883 bis 1930 den Namen Eisengasse trug – benannt nach der in dieser Zeit im Gebäude ansässigen Eisengießerei und Maschinenfabrik von Georg Sigl. Im Mai bringt die Performance „Graglach“ das Eisen und seine Historie ins WUK zurück.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts entstand beim Schmelzprozess in den Schmieden der Steiermark zum Teil unbrauchbares Roheisen. Es wurde von den Arbeiter_innen als „Graglach“ bezeichnet. Gragler oder Gradler waren Blähhausarbeiter_innen, die den Blähofen mit Kohle und Erz anfüllten. Heute leben wir im Zeitalter der seltenen Erden. KI und Clouds umgeben uns und gliedern die Abläufe des Lebens. Die Monopolisierung von KI wird vorangetrieben durch eine weiße Techelite, die in den letzten zwei Jahrzehnten ungeheure Datenmengen ihrer Benutzer_ innen angesammelt hat. Und nur wer Daten als Rohstoff hat, hat auch KI. Ihr Glaube, dass es für jedes Problem eine technische Lösung gibt, ist unerschütterlich. Um sich selbst noch größer zu machen, stilisieren sie KI zur leuchtenden Zinter eines Berghängers für alle noch zu lösenden Probleme.

KI sei so unsagbar effizient heißt es, das kann doch nur die ultimative Geheimwaffe sein gegen übermäßigen Ressourcenverbrauch, ein Turbo für die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft. Allerdings ist es mitnichten so, dass sich Geschäftsmodelle, die auch schon vor dem KI-Hype auf sozialer und wirtschaftlicher Ausbeutung beruht haben, nun plötzlich geändert hätten. Vielmehr ist damit die Möglichkeit geschaffen, diese Modelle noch effizienter zu machen und menschlichen Widerstand dagegen noch schwieriger.
Auf die Frage, wie eine KI bildlich darzustellen sein soll, empfiehlt ein weit bekannter Chatbot wenig überraschend „die Verwendung eines menschenähnlichen Kopfes oder Gehirns, das mit technischen Elementen verschmolzen ist“. Auch die Bildersuche einer bekannten Suchmaschine bringt ähnliche Ergebnisse. Doch diese Sichtweise ist durchwegs falsch und dazu auch noch gefährlich.

Denn die KI existiert nicht aus sich selbst heraus, sondern in hochmodernen Hammerwerken mit stetig steigendem Hunger nach Energie, Wasser, Rohstoffen und paradoxerweise menschlicher Arbeit. Denn eine KI bauen ist die eine Sache, die Trainingsdaten zu sortieren die andere. So ist die Arbeit, die wir bei der Verwendung von KI konsumieren, keineswegs die eines künstlichen Gehirns. Sondern vielmehr die Arbeit der modernen Blähausarbeiter, der unsichtbaren Klickarbeiter_innen des globalen Südens.

Und so führt die KI-Technologie die Tradition einer brachialen Extraktion auf zwei Ebenen fort: Einerseits im Abbau von Unmengen an seltenen Erden weltweit, andererseits im digitalen Bergbau von Userdaten.

Die Performance Graglach bringt das Publikum nun an den Beginn des technologischen Wandels zurück, den frühen Eisenbergbau in der Steiermark. Sechs Performer_innen konstruieren gemeinsam einen großen Metallring – es wird von Hand gebogen, verformt, geschweißt, und so zwängt sich der Stahl in den Saal und wird zum klingenden Loop. Wir lauschen längst vergessenen Anekdoten aus dem Bergbau und folgen dem Cloud-Chor in die Zukunft.

Mathias Lenz & Samuel Schaab: Graglach

Sechs Performer_innen konstruieren gemeinsam einen großen Metallring. Er wird von Hand gebogen, verschweißt und zum Schweben gebracht. Darauf transformiert sich das Objekt zum kollektiven Instrument und wird zum Taktgeber des Abends. Parallel lauschen wir längst vergessenen Anekdoten aus dem Bergbau und folgen einem minimalistischen Cloud-Chor.

Sa 1. / So 2. / Di 4. Juni | 19:30 Uhr, Saal
Saal
€ 20 | 15 | 10 

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