Die Performance dauert ca. 60 Minuten.
In der Performance kommen Stroboskop-Lichteffekte zum Einsatz.
The duration of the performance is approx. 60 minutes.
The performance includes strobe lighting effects.
Interview
„Ich bin nicht allein mit meinen Gedanken“
Wie junge Menschen den Tod neu erzählen
Wenn Jugendliche beginnen, über Vergänglichkeit zu sprechen, entsteht ein besonderer Raum. Sie finden Worte für Fragen, die viele Erwachsene eher umgehen, und schaffen damit einen Zugang, der berührt und zugleich überrascht. Im Austausch miteinander entsteht ein Gefühl von Nähe, das zeigt, wie wertvoll es ist, unterschiedlichen Stimmen aufmerksam zuzuhören. Diese Offenheit prägt auch die aktuelle Performance „That it will never come again makes life so sweet“ von Laia Fabre, in der persönliche Erinnerungen und alltägliche Momente miteinander verwoben werden.
Das folgende Gespräch entstand während der Proben im vergangenen Herbst. Dramaturgin Selina Shirin Stritzel sprach mit den fünf Jugendlichen, die ab 9. Jänner im großen Saal auf der Bühne stehen, über Erfahrungen aus der Corona-Zeit, ihre Gedanken zum Tod und den gemeinsamen Arbeitsprozess.
Selina: Wie ihr wisst, ist die Projektidee in Zeiten von Corona entstanden. Das Thema Tod war plötzlich allgegenwärtig – auch für junge Menschen, die sonst kaum damit konfrontiert sind. Könnt ihr euch erinnern, wie es euch damals ging?
Maya (18 J.): In Brasilien sind damals viele Menschen gestorben. Das hat mich sehr beschäftigt. Ich habe viel gemalt, um damit umzugehen, und viel Musik gehört, um klarzukommen.
Vincent (18 J.): Ich erinnere mich, wie ich in der Straßenbahn gelesen habe, dass in Österreich der erste Mensch an Corona gestorben ist. Da wurde mir klar, dass das etwas Ernstes ist. Ich hatte vor allem Angst um meinen Opa, aber insgesamt war das Thema für mich nicht so präsent.
Hannah (15 J.): Ich war neun oder zehn und auf dem Land, wo alles weit weg schien. Einmal hatte ich einen Albtraum, dass alle außer mir sterben. Das war schlimm – diese Vorstellung, dass niemand mehr da ist.
Sebastijan (14 J.): Bei uns in der Familie hatten alle gleichzeitig Corona, außer mir. Da hatte ich kurz Angst um meine Großeltern. Sonst fand ich es einfach blöd, dass man nicht raus durfte.
Kisha (13 J.): Für mich war Corona irgendwie „the time of my life“. Es war scary, aber auch witzig – heimlich in den Park zu gehen, das war aufregend. Low-key traumatisch, aber auch lustig.
Selina: Wie erlebt ihr den Probenprozess?
Kisha: Mein Highlight ist, neue Sachen auszuprobieren. Mein Lowlight: sie tausendmal zu wiederholen (lacht).
Vincent: Ich liebe das Tanzen. Nur das frühe Aufstehen am Wochenende ist schwer.
Hannah: Ich liebe Bewegung, Singen, Musik – und über solche Themen zu reden. Frustrierend ist es, wenn wir nicht gemeinsam starten.
Sebastijan: Tanzen und Singen sind super, aber Texte und Gedichte sind nicht so meins.
Maya: Ich mag die Choreos und das gemeinsame Musikmachen mit Keyboards und Synthesizern. Es ist schön, wieder zu tanzen und mit allen zusammenzuarbeiten. Love you all!
Selina: Und hat sich euer Blick auf den Tod verändert?
Sebastijan: Jeder trauert anders. Ich war traurig, als meine Tante gestorben ist, aber ich musste nicht weinen – meine Mutter war darüber verärgert.
Selina: Ja, niemand kann vorschreiben, wie man trauert.
Vincent: Ich bin jetzt viel entspannter mit dem Thema. Auch Tanzen und Singen vor anderen macht mich selbstbewusster – nicht nur auf der Bühne.
Hannah: Ja, wir sind wirklich ein Team geworden.
Maya: Ich verbinde das Stück mit Musik – und mit euch. Durch die verschiedenen Perspektiven habe ich meine eigene Beziehung zum Tod verändert. Ich bin nicht allein mit meinen Gedanken, und vieles, was ihr sagt, nehme ich mir zu Herzen.
Kisha: Ich bin auch viel selbstbewusster geworden und denke oft an unsere Gruppe. Vincent: Ich bemerke, dass ich im Alltag öfter über den Tod nachdenke – bei Liedern oder Filmen.
Maya: Am Anfang dachte ich, es würde eine belastende Arbeit werden – ein Stück über den Tod. Aber es ist ein sehr positives Umfeld, und ich habe viel über mich und andere gelernt.
Über das Stück
Was passiert, wenn Jugendliche über den Tod nachdenken? In dieser Performance stehen 13–18-Jährige im Mittelpunkt und setzen sich mit der einzigen Gewissheit auseinander, die wir alle teilen. Ihre persönlichen Geschichten, Fragen, Ängste und überraschenden Einsichten bilden das Herzstück der Performance. Ohne Tabus, Klischees oder Sentimentalität nähern sie sich dem Thema mit Neugier, Humor und bemerkenswerter Klarheit. Die Bühne – als Jugendzimmer gedacht – wird zu einem gemeinsamen Raum, in dem Alltag und existenzielle Fragen aufeinandertreffen. Ein Stück für Erwachsene, gespielt von jungen Menschen: eine Einladung, darüber nachzudenken, wie wir dem Tod begegnen und wie dies unser Leben prägt.
What happens when teenagers talk about death? In this performance, 13–18 year-olds step into the spotlight to reflect on the only certainty we all share. Their personal stories, questions, fears, and surprising insights from the core of the piece. Without taboos, clichés, or sentimentality, they explore the topic with curiosity, humor, and a striking sense of clarity. The stage – imagined as a teenager’s room – becomes a shared space where everyday life and existential thought coexist. A piece for adults, performed by young people: an invitation to rethink how we face death, and how that shapes the way we choose to live.
Bios
Laia Fabre , geboren in Barcelona und in Wien lebend, ist eine bildende Künstlerin, die in den Bereichen Performance, Video, Choreografie und Malerei arbeitet. Sie hat einen MA an der Akademie der bildenden Künste Wien abgeschlossen. Bekannt wurde Fabre durch ihr langjähriges kollaboratives Projekt notfoundyet mit Thomas Kasebacher, das soziale Dynamiken sowie die Grenzen zwischen Fiktion und Realität untersucht. Mit Projekten wie CALDO, RAW (Wiener Festwochen) und Hotsprings entwickelt sie Formate, die das Publikum zur aktiven Teilnahme einladen.
2025 präsentierte sie performative Dinner in New York sowie an der Fundació Brossa und der Fundació Miró in Barcelona. Ihre jüngsten Malereien, die aus persönlichen Notizen hervorgehen, spiegeln eine spontane, textbasierte visuelle Praxis wider. Fabres Arbeiten sind energetisch, humorvoll und stark kollaborativ geprägt und zeichnen sich durch eine kontinuierliche Neugier für die Widersprüche und Intensitäten des zeitgenössischen Lebens aus. Derzeit bereitet sie einen fiktionalen Spielfilm vor, dessen Umsetzung in den kommenden Jahren geplant ist.
laiafabre.com
Selina Shirin Stritzel ist Theatermacherin, kritische Kulturvermittlerin und transmediale Künstlerin. Sie hat den Master Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste studiert. Sie ist Mitbegründerin des Vereins Vielmehr für Alle! und dem Projekt PROSA-Projekt Schule für Alle!. Am Ballhaus Naunynstraße Berlin war sie u.a. als Regieassistentin, Dramaturgin, Co-Regisseurin und Leiterin der akademie der autodidakten tätig. In Wien arbeitete sie eng mit Gin Müller für das „que_ring drama project“ sowie für „JUSTITIA! Identity Cases“ (Nominiert für den Nestroy Preis 2023) und „JUSTITIA! IL*LEGAL MONSTERS“ im brut Wien zusammen. Als Kulturvermittlerin arbeitete sie u.a. als Projektleiterin von Akademie geht in die Schule an der Akademie der bildenden Künste, für die INVENTOUR von KÖR NÖ und zuletzt für die Tangente - Festival für Gegenwartskultur 2024 in St.Pölten. Ihre künstlerische Praxis umfasst auch Malerei und Videokunst, in denen sie Themen wie Identitätspolitik, Klassismus und Hybridität verhandelt. Ihre Arbeiten durchlaufen einen Prozess der Selbstreflexivität und gipfeln in Räumen oder Assemblagen, die aus ihrem persönlichen und erweiterten Archiv bestehen.
Yoh Morishita (geb. 1992 in Kobe, Japan) ist eine Tänzerin und Choreografin, die in Wien lebt und international tätig ist. Nach ihrem Abschluss in Architektur und Design in Japan studierte sie zeitgenössischen Tanz in Österreich und Belgien. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit der Verschmelzung asiatischer und westlicher Kulturen in ihrer Biografie und der modernen japanischen Geschichte. Inspiriert von der Beziehung zwischen Belebtem und Unbelebtem und davon, wie das eine ins andere übergeht, spielt sie in ihren Choreografien mit Formen, Gesten und dramatischen Ausdrucksformen, die der Körper erzeugt.
Samuel Obernosterer (er/ihm) interessiert sich als Musiker und Organisationsmitglied mehrerer Festivals, Labels und Vereine in Wien für elektronische Musik, die kritische Räume schafft. Unter dem Namen ‚same‘ macht er Sound-Design für Performance und Installationen, spielt live und legt gelegentlich auf.
Luiza Furtado was born in Florianópolis, Brazil (1999). She lived in Rio de Janeiro where she received her Design BA from PUC in 2021. Four years ago she moved to Austria for her studies at the Academy of Fine Arts Vienna. Furtado’s research on ecology weaves painting, soft sculpture and performance. She addresses topics of hybridity by reecting on the following question: where does the human body beggin, and where does it end?. Her background as an industrial designer has inuenced the way she addresses materiality in her process. The artist works with second hand material to create prosthetic images which often result in bulging spawns suggestive of metaphorical haptics and sensuality.
Credits
Konzept und Regie
Laia Fabre
Dramaturgie
Selina Shirin Stritzel
(Das Projekt wurde in der Entwicklungsphase in Zusammenarbeit mit Selina Shirin Stritzel erarbeitet)
Choreographie
Yoh Morishita
Mitarbeit Choreographie
Sebastijan Zagor Lazić
Sound
Samuel Obernosterer
Licht
Max Windisch-Spoerk
Bühne und Kostüme
Luiza Furtado
Von und mit
Maya Villarreal Danzinger, Kisha Kaarina Mariyam, Sebastijan Zagor Lazić, Hannah Oona Sophie Spielmann, Vincent Rychel
Eine Koproduktion von Laia Fabre und WUK performing arts. Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7).
Großen Dank an
Thomas Kasebacher, Toxic Dreams, GRG7 Kandlgasse, Kamen Stoyanov, Antonio Ramon Luque und Lothar Bienenstein, Bernhard Staudinger und KuntsVerein