Zeit

4. Juni – 17. Juli 2020

Ort

Online

© Szabolcs KissPál: Amorous Geography, From Fake Mountains to Faith (Hungarian Trilogy), video still, 2012
Kunst
Kunsthalle Exnergasse

Leaning on the Past, Working for the Future

Künstler_innen und Kollektive: János Brückner, Igor & Ivan Buharov mit Vasile Croat, Sylvia Eckermann & Gerald Nestler, Mark Fridvalszki, Szabolcs KissPál, Land 3C (Tomas Narkevicius, Gorazd Popov, Vitalij Puzyriov and Vaida Stepanovaite), Márió Z. Nemes, Dominika Trapp, Suzanne Treister

Kurator_innen: Krisztina Hunya, Zsolt Miklósvölgyi
Assistenzkurator: Daniel Hüttler
Projektkoordinatorin: Nora Malles

Nach der kurzen und bald ernüchternden optimistischen Ära der politischen Wende werden mittel- und osteuropäische Staaten heute von einem Gespenst heimgesucht, das lange verschollen schien. Die gegenwärtigen rechtsextremen populistischen Strömungen, die nicht nur die politische Topografie der Region, sondern auch demokratische Systeme auf der ganzen Welt überschwemmen, etablieren ihre fremdenfeindlichen Narrative hauptsächlich auf der Grundlage einer unbegründeten und betrügerischen ethnografischen Authentizität. Auf diese Weise haben nationalistische Bewegungen auch das Repertoire nationaler Symbolik, historischer Mythologie und kulturgeografischer Erzählungen für ihre eigenen Zwecke besetzt und vereinnahmt.

Obwohl die künstlerischen Projekte aus gegebenen Gründen nicht im physischen Raum der Kunsthalle Exnergasse präsentiert werden können, bleibt es ein Anliegen, der Öffentlichkeit Positionen aus Ungarn und anderen Ländern zugänglich zu machen, die das politische Monopol der kulturellen Narrative herausfordern und diese umwidmen, um zukunftsweisenden Formen des Denkens, der Herkunft und der Zugehörigkeit Raum zu geben. Statt einer analog erfahrbaren Ausstellung werden dem Publikum zwischen dem 4. Juni und 17. Juli 2020 Arbeiten von Künstler_innen online in verschiedenen, webbasierten Formaten zur Verfügung gestellt. Darunter sind unter anderem Kurzfilme, Essays, Gedichte, Bildstrecken, eine Instagram-Intervention und eigens entwickelte Webanwendungen. Die vorgestellten Versuchsanordnungen zielen darauf ab, die politischen und ästhetischen Strategien nationalistischer Ideologien zu überwinden – ungeachtet dessen, ob sie die kreative Umdeutung folkloristischer Traditionen in zeitgenössische (post-)digitale Diskurse vornehmen, patriarchale Geschlechternormen hinterfragen oder die Rückkehr zu utopischen Visionen auf planetarischer und kosmischer Ebene anstreben.

Die Eröffnung der Ausstellung war für den 4. Juni 2020 und damit zeitgleich zum 100. Jahrestag des Vertrags von Trianon, dem Friedensvertrag zwischen den Alliierten Kräften des ersten Weltkriegs und Ungarn, geplant. Das Online-Programm startet mit einem Essay der KuratorInnen sowie vier KünstlerInnenfilmen, die sich dem Imaginären in der ungarischen Realität widmen.

Zur Zeit der Projektplanung war die ideologische Maschinerie der ungarischen Regierung auf das Jahr des Schmerzes und der Trauer gerichtet. In Gedenken an das historische Ereignis, im Zuge dessen die Landesgrenzen radikal neu gezeichnet wurden, proklamieren rechtsgerichtete Regierungen stets fremdenfeindliches und nationalistisches Ideengut. Welche Bedeutung dieses Datum in Zeiten allgemeiner Distanzierung besitzt und welche Zugehörigkeiten darunter betont werden, steht zur akuten Debatte.

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