Zeit

4. Juni bis 28. August 2020 (verlängert)

Ort

Online

© Szabolcs KissPál: Amorous Geography, From Fake Mountains to Faith (Hungarian Trilogy), video still, 2012
Kunst
Kunsthalle Exnergasse

Leaning on the Past, Working for the Future

Künstler_innen und Kollektive: János Brückner, Igor & Ivan Buharov mit Vasile Croat, Sylvia Eckermann & Gerald Nestler, Mark Fridvalszki, Szabolcs KissPál, Land 3C (Tomas Narkevicius, Gorazd Popov, Vitalij Puzyriov and Vaida Stepanovaite), Márió Z. Nemes, Dominika Trapp, Suzanne Treister

Kurator_innen: Krisztina Hunya, Zsolt Miklósvölgyi
Assistenzkurator: Daniel Hüttler
Projektkoordinatorin: Nora Malles

Nach der kurzen und bald ernüchternden optimistischen Ära der politischen Wende werden mittel- und osteuropäische Staaten heute von einem Gespenst heimgesucht, das lange verschollen schien. Die gegenwärtigen rechtsextremen populistischen Strömungen, die nicht nur die politische Topografie der Region, sondern auch demokratische Systeme auf der ganzen Welt überschwemmen, etablieren ihre fremdenfeindlichen Narrative hauptsächlich auf der Grundlage einer unbegründeten und betrügerischen ethnografischen Authentizität. Auf diese Weise haben nationalistische Bewegungen auch das Repertoire nationaler Symbolik, historischer Mythologie und kulturgeografischer Erzählungen für ihre eigenen Zwecke besetzt und vereinnahmt.

Obwohl die künstlerischen Projekte aus gegebenen Gründen nicht im physischen Raum der Kunsthalle Exnergasse präsentiert werden können, bleibt es ein Anliegen, der Öffentlichkeit Positionen aus Ungarn und anderen Ländern zugänglich zu machen, die das politische Monopol der kulturellen Narrative herausfordern und diese umwidmen, um zukunftsweisenden Formen des Denkens, der Herkunft und der Zugehörigkeit Raum zu geben. Statt einer analog erfahrbaren Ausstellung werden dem Publikum im Ausstellungszeitraum Arbeiten von Künstler_innen online in verschiedenen, webbasierten Formaten zur Verfügung gestellt. Darunter sind unter anderem Kurzfilme, Essays, Gedichte, Bildstrecken, eine Instagram-Intervention und eigens entwickelte Webanwendungen. Die vorgestellten Versuchsanordnungen zielen darauf ab, die politischen und ästhetischen Strategien nationalistischer Ideologien zu überwinden – ungeachtet dessen, ob sie die kreative Umdeutung folkloristischer Traditionen in zeitgenössische (post-)digitale Diskurse vornehmen, patriarchale Geschlechternormen hinterfragen oder die Rückkehr zu utopischen Visionen auf planetarischer und kosmischer Ebene anstreben.

Die Eröffnung der Ausstellung war für den 4. Juni 2020 und damit zeitgleich zum 100. Jahrestag des Vertrags von Trianon, dem Friedensvertrag zwischen den Alliierten Kräften des ersten Weltkriegs und Ungarn, geplant. Das Online-Programm startet mit einem Essay der KuratorInnen sowie vier KünstlerInnenfilmen, die sich dem Imaginären in der ungarischen Realität widmen.

Zur Zeit der Projektplanung war die ideologische Maschinerie der ungarischen Regierung auf das Jahr des Schmerzes und der Trauer gerichtet. In Gedenken an das historische Ereignis, im Zuge dessen die Landesgrenzen radikal neu gezeichnet wurden, proklamieren rechtsgerichtete Regierungen stets fremdenfeindliches und nationalistisches Ideengut. Welche Bedeutung dieses Datum in Zeiten allgemeiner Distanzierung besitzt und welche Zugehörigkeiten darunter betont werden, steht zur akuten Debatte.

 

Hier geht es zu Terraforming des Post-Ungartums, einem Essay von Zsolt Miklósvölgyi und Márió Z. Nemes.

Hier geht es zu den Videopräsentationen von János Brückner, Igor & Ivan Buharov mit Vasile Croat, Szabolcs KissPál und Dominika Trapp

Instagram Intervention von Márk Fridvalszki
4. Juni bis 14. Juli 2020

Márk Fridvalszki übernimmt den Instagram-Account der Kunsthalle Exnergasse vom 4. Juni bis 17. Juli 2020. Dreimal in der Woche postet er Bildcollagen, die eigens für das Projekt Leaning on the Past, Working for the Future entstanden sind. Die digitalen Collagen basieren auf relevanten Figuren, Geschichten, Orten und Kunstwerken der ungarischen Moderne.
Die Kunstwerke von Márk Fridvalszki (*1981 in Budapest, lebt in Berlin) konzentrieren sich hauptsächlich auf die sinnliche Materialität gescheiterter modernistischer Visionen. Sein künstlerisches Programm kann als archäo-futurologisch bezeichnet werden, da seine Collagen, Gemälde und Drucke auf kulturelle Sedimente unserer verlorenen kollektiven Zukünfte reflektieren. Diese umgekehrte Archäologie als künstlerisches Programm führt zu einem spektropoetischen Ansatz, der sich mit eindringlichen utopistischen Fantasien verschiedener zukünftiger Vergangenheiten befasst. Bildende Kunst und Hauntologie werden daher in mehreren Maßstäben zu wechselseitigen Metonymien – von psychedelischen Landschaften bis zu den kosmischen Proportionen planetarischer Perspektiven.

Mark Fridvalszki: Print and Paint!
Für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers, stellt er eine ausdruckbare Malvorlage zum herunterladen über seine Website bereit. --› Laden Sie das PDF herunter, drucken Sie die Motive auf A4 aus, malen Sie entlang der Linien und erfüllen Sie somit die Mission des ‘populären Modernismus’.

Hiergeht es zu Turanium, Collagen und Gedichte von Márió Z. Nemes, 2018 - 2020
ab 18. Juni 2020

Suzanne Treister: The Escapist BHST (Black Hole Spacetime), 2019
ab 18. Juni 2020
Suzanne Treister (*1958, lebt in London) begann bereits in den frühen 1990er Jahren mit der kritischen Erforschung der sich verändernden gesellschaftlichen Beziehung im Spannungsfeld digitaler Technologien, alternativer Glaubenssysteme und intergalaktischer Zukunftsvisionen. Ihre Comic-Serie Escapist BHST – verfügbar als PDF über die KEX Website – begleitet eine unspezifische interplanetarische Entität, deren Erfahrungen auf poetischen Imaginationen von Verständnisräumen innerhalb und jenseits von außerhalb der zeitgenössischer Wissenschaft.

LAND 3C
Ein computerspielähnliches, digitales Environment als LAND 3C Museum

ab 2. Juli 2020
LAND 3C (gegr. 2019, von Tomas Narkevicius, Gorazd Popov, Vitalij Puzyriov und Vaida Stepanovaite, Symon Levitner, die in Vilnius, Sofia und Bratislava leben) bezieht sich auf eine fiktive Einheit, die durch die hypothetische Vereinigung der Landmasse zwischen dem Baltischen, Schwarzen und Adriatischen Meer gebildet wird. In diesem fiktiven Szenario hat die Welt einen Prozess der Hyper-Homogenisierung durchlaufen, bei dem LAND 3C als eine Strategie zur Erhaltung dessen entstand, von dem man glaubte, dass es die kulturelle Einzigartigkeit der Region repräsentiert. Durch die Zusammenführung dieser Einheit überschreitet LAND 3C alle proto-slawischen, Visegrádianischen oder sonstigen geopolitischen Narrative, die von den zeitgenössischen Teilungen eingesetzt werden, um das Fundament der territorialen Nationalstaaten zu überwinden. Durch diese Übung der Hypothesenbildung über eine (mögliche) Zukunft problematisiert und hinterfragt LAND 3C die intensiven Veränderungen, die Osteuropa im globalen, kulturellen und nationalen Sinne durchläuft.

The Spectrality of Future in Finance
Gerald Nestler im Gespräch mit Daniel Hüttler und Zsolt Miklósvölgyi, Video-Podcast
ab 16. Juli 2020
Im Gespräch mit Daniel Hüttler und Zsolt Miklósvölgyi spricht Gerald Nestler über seine postdisziplinäre Forschung und geht Fragen der Spekulation mit Risikochancen und dem Umgang mit Ungewissheiten in Finanzmodellen nach.
Gerald Nestler (lebt und arbeitet in Wien) kombiniert eine Reihe von Medien. Seine meist forschungsbasierten kollaborativen und kuratorischen Auseinandersetzungen manifestieren sich oft als Dialoge und Projekte mit der Künstlerin Sylvia Eckermann. Nestler forschte bei Forensic Architecture und wurde 2017 mit dem PhD des Centre for Research Architecture, Goldsmiths, University of London ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Technopolitics in Wien und der Gruppe Volatility Research in New York. Seine Forschung richtet sich auf die "Derivatisierung" sozialer und materieller Beziehungen und die Art und Weise, wie ihre Technologien, Operationen und Narrationen die materiellen und sozialen Beziehungen im Technokapitalismus verändern.

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The Spectrality of Future in Finance. Gerald Nestler im Gespräch mit Daniel Hüttler und Zsolt Miklósvölgyi, Videopodcast, 2020
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