Menschen in Venedig im Hochwasser mit Plakat "May You live in interesting times"
Zeit

Di 11.10.2022
13.00 - 17.00 Uhr

Ort

Klinik Floridsdorf
Veranstaltungszentrum

Bildung und BeratungDiskussionVortrag
WUK Bildungs- und Beratungstag

Leben in interessanten Zeiten

Wie können Jugendliche in einem konstanten Krisenmodus ihre Zukunft planen?

Ob wir wollen oder nicht, wir leben in interessanten Zeiten. Der Legende nach ist in China „Mögest du in interessanten Zeiten leben!“  keinesfalls ein freundlicher Wunsch, sondern ein Fluch. Die Auseinandersetzung mit Pandemie, Krieg, Flucht, Klimaerwärmung und vielem mehr hinterlässt ein Gefühl großer Unsicherheit. Studien zeigen: Angsterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen nehmen rasant zu. Gegenwärtige Krisen haben besonders massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und Zukunftsperspektiven von Jugendlichen.

Nach einem Blick auf die gegenwärtige Situation wollen wir im Rahmen des WUK Bildungs- und Beratungstages 2022 gemeinsam mit Expert_innen unseren Fokus auf geeignete Lösungsansätze richten: Welche Maßnahmen gibt es, um Jugendliche in diesen unsicheren Zeiten zu begleiten? Welche Ressourcen und welche praxisnahen Lösungen sind geeignet, um den neuen Herausforderungen zu begegnen? Welche Chancen tun sich auf?  Welche Unterstützungsangebote braucht es speziell im arbeitsmarktpolitischen Bereich und Gesundheitssektor, um zu verhindern, dass Menschen weiter ins Abseits geraten?  

Programm

ZUR GEGENWÄRTIGEN SITUATION

Aktuelle Krisen zeigen Probleme auf und beschleunigen Prozesse, die schon latent in der Gesellschaft und auf individueller Ebene vorhanden sind: Menschen ziehen sich zurück und vereinsamen. Expert_innen zeigen in einem Überblick, wie stark besonders Jugendliche und junge Erwachsene von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind.
 

Die Folgen der Pandemie für die Psyche Jugendlicher

Andrea Jesser

Die gravierenden psychischen Folgen der Pandemie – insbesondere bei jungen Menschen – werden vielfach diskutiert. Dieser Vortrag gibt Einblicke in die Forschungsergebnisse der Universität für Weiterbildung Krems. Präsentiert werden quantitative und qualitative Daten aus mehreren Umfragewellen unter Schüler_innen in Österreich. Die Ergebnisse veranschaulichen, wie sich die psychische Gesundheit im Pandemieverlauf verändert und geben einen Einblick in die Wahrnehmung und das Erleben der Jugendlichen.
 

Belastungen junger Menschen in der Corona-Krise

Veronika Wöhrer

Für junge Menschen brachte die Pandemie neue Belastungen und Herausforderungen, doch diese betreffen nicht alle Jugendlichen gleichermaßen. Im Vortrag werden Ergebnisse aus der Längsschnittstudie „Wege in die Zukunft“ präsentiert. Im Rahmen des an der Universität Wien durchgeführten Forschungsprojektes wurden seit 2017 Jugendliche auf ihrem Weg nach der Neuen Mittelschule begleitet. In den Befragungen im Winter 2020/2021 zeigte sich, dass die Pandemie zwar für alle einen großen Einschnitt darstellt, aber die Belastungen für ohnehin schon benachteiligte Jugendliche noch größer sind. Gerade sie erzählen von verstärkten Mehrfachbelastungen, da sie sich beispielweise gleichzeitig um Familienangehörige, den Haushalt und um die eigene Zukunft kümmern müssen.
 

Anerkennung ist der Schlüssel

Georg Grund-Groiss

Die Erkundung der psychischen und sozialen Folgen der Pandemie für junge Menschen ist wesentlich, um die richtigen gesundheits- und sozialpolitischen Antworten zu finden. Insbesondere die Formulierung der richtigen arbeitsmarktpolitischen Antworten bedarf aber auch einer philosophischen Reflexion, die die gegenwärtige Konstellation der „sozialen Krise der Anerkennung“ in den Blick nimmt. Es ist ein Grundprinzip unseres Daseins, dass jedes Subjekt von der Anerkennung durch seine Mitmenschen abhängig ist. Für junge Menschen ist heute die Gefahr besonders groß, dass das Streben nach Anerkennung zum „Selbstverlust“ führt. Reformierte arbeitsmarktpolitische Systeme und Instrumente können dazu beitragen, jungen Menschen neue Wege zur Anerkennung als „Selbstkontrolle“ und als „Selbstbestimmung“ innerhalb einer sozialen Gemeinschaft aufzuzeigen.

Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit den Vortragenden Andrea Jesser, Veronika Wöhrer, Georg Grund-Groiss, Moderatorin Lisa Mayr und dem Publikum.

BEGLEITUNG DURCH UNSICHERE ZEITEN

Gemeinsam mit verschiedenen Expert_innen, die in unterschiedlichen Projekten tätig sind, richten wir unseren Fokus im Gespräch auf geeignete Lösungsansätze, die wir anschließend diskutieren:

open2chat

Markus Böckle

open2chat bietet Jugendlichen kostenlos und anonym die Möglichkeit, online mit Gleichaltrigen – die als Berater_innen ausgebildet werden – über ihre Sorgen, Fragen und Probleme zu chatten, jedoch ohne den Anspruch eine Therapie, Beratung, ärztliches Gespräch oder andere Form von Unterstützung zu ersetzen.
 

#change

Angelina Koschel

#change, ein Projekt des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen (BÖP), bietet bis 31.12.2022 bis zu 1.500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen psychologische Unterstützung für einen (Wieder-)einstieg in den ersten Arbeitsmarkt.
 

istOkay

Teresa O Rourke

istOkay ist eine kostenlose, niederschwellige und evidenzbasierte Selbsthilfeplattform, mit dem Ziel Jugendlichen ein Verständnis ihrer psychischen Gesundheit zu vermitteln, sie in ihrem Selbstmanagement zu stärken und gleichzeitig zu einer Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beizutragen.
 

WUK CoachingPlus und WUK Arbeitsassistenz

Britta Schmidjörg und Astrid Edinger

WUK CoachingPlus bietet Jugendcoaching für Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 mit psychischer Beeinträchtigung oder mit Autismus-Spektrum-Störungen an. WUK Arbeitsassistenz unterstützt bei der bei der Lehrstellen- oder Arbeitsplatzsuche sowie bei Schwierigkeiten in bestehenden Dienstverhältnissen.

Mitwirkende

Andrea Jesser ist promovierte Soziologin und Psychotherapeutin in freier Praxis. Sie forscht und lehrt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität für Weiterbildung Krems zu den Themen Psychotherapieforschung und Kinder- und Jugendgesundheit.

Veronika Wöhrer ist Professorin für Bildung und Ungleichheit am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien und forscht insbesondere zu den Auswirkungen von Geschlecht in Verbindung mit sozialer und ethnischer Herkunft in Wissenschaft und Schule.

Georg Grund-Groiss ist Leiter des AMS Gänserndorf. Seit 2019 tritt der gelernte Philosoph auch als Buchautor in Erscheinung. Seine Bücher „Arbeit und Gerechtigkeit“ (2019) und „Das halbe Grundeinkommen“ (2021), in denen er die Erfahrungen im AMS mit philosophischen Reflexionen verbindet, haben breite öffentliche Resonanz gefunden.

Markus Böckle ist Psychotherapeut (Integrative Therapie), Systemischer Coach und Wissenschaftler. In seiner Forschungstätigkeit beschäftigt er sich mit unterschiedlichen Themen aus dem biopsychosozialem Bereich mit derzeitigem Fokus auf digital vermittelte Unterstützungsmöglichkeiten.

Angelina Koschel ist Projektleiterin des Projekts #change.

Teresa O Rourke ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems tätig. Sie forscht im Rahmen ihres Psychologie-Doktorats zur psychischen Gesundheit Jugendlicher bei anhaltenden Krisen.

Britta Schmidjörg, Projektleiterin von WUK CoachingPlus, ist klinische- und Gesundheitspsychologin, Arbeits- und Organisationspsychologin, Supervisorin, Coach und Organisationsentwicklerin.

Astrid Edinger, Projektleiterin der WUK Arbeitsassistenz, arbeitet als Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und hat das Studium der Handelswissenschaften absolviert.

Moderation: Lisa Mayr, Chefredakteurin im Content Center bei der Arbeiterkammer Wien

Nachlese

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