Grenzen fühlen. Perspektiven verschieben.Die Produktionen im April setzen auf emotionale Grenzerfahrungen und kollektive Widerstandsprozesse. Verletzlichkeit, Wut und Trauer werden zu Mitteln, um Normen, Machtverhältnisse und fragile Zustände gemeinsam zu spüren, sichtbar zu machen und kritisch zu hinterfragen. Haltung und Praxis verschränken sich über die Körper im Raum, sodass individuelle Wahrnehmung in ein kollektives Er-Leben übergeht. Ob durch die radikale Verletzlichkeit von SALON SOUTERRAIN, die entfesselte Wut von RAGE oder die kollektive Trauer in DANUBE REQUIEM – die Bühne wird zu einem Ort des Austestens, Hinterfragens und Neu-Aneignens.
Verletzlichkeit als Subversion _________________________________________________________ Salon Souterrain: Confort Out 15. April 2026 | 19.30 Uhr Performance / Diskurs / Social | Projektraum _________________________________________________________Salon Souterrain: Confort Out weist die Vorstellung makelloser Vollendung zurück und stellt stattdessen die Narbe und die erfinderische Reparatur in den Mittelpunkt. Salon Souterrain schlägt eine konkrete und beharrliche Weise vor, Raum und Blick einzunehmen – eine Form des Widerstands, in der Verletzlichkeit zu einer bewusst gesetzten Geste der Subversion wird. In einer Welt, die von gefilterten Bildern und kurzlebigen Produkten überflutet ist, kritisiert Salon Souterrain den von sozialen Netzwerken und beschleunigtem Konsum befeuerten Kult der Perfektion. Die eingeladenen Künstler*innen laden dazu ein, persönliche und gesellschaftliche Brüche ebenso wie die Spuren von Abnutzung und materieller Transformation als Zeichen von Authentizität zu erkennen – im Gegensatz zu Hyperproduktivität und schneller Obsoleszenz. Salon Souterrain: Confort Out schlägt damit einen kritischen Zugang vor, um unser Verhältnis zu Objekten, zu Bildern und – umfassender – zur Welt neu zu denken. Wut als Haltung _________________________________________________________ Hanna Steinmair: RAGE. A TENNIS WESTERN 22. / 23. April 2026 | 19.30 Uhr Performance / Gastspiel | Saal _________________________________________________________„I don’t cheat to win. I’d rather loose“ (Serena Williams) „I don’t necessarily like breaking rackets“ (Coco Gauff) Zwei Tennisspielerinnen rasten aus. Zerschmettern Schläger. Reißen Netze ein. Verlieren endlich die Kontrolle. Das Spielfeld liegt in Trümmern. Dünner Sand weht über das Feld. Auftritt zweier Cowboys. Als Country Fans, Tennisgöttinnen und zugleich höchst erregbare Big Bosses wagen Denise Palmieri und Maria Sendlhofer einen Balanceakt auf der Linie zwischen Reenactment und Empowerment, zwischen Solidarität, Sportmanship und entfesselter Wut. RAGE fahndet nach den verschiedenen Lesarten von Wut und untersucht Gründe ihrer Ungleichverteilung. RAGE rückt die Inszenierung von Wut ins Zentrum des Geschehens: als Fake, als Annahme, als Privileg, als Übertreibung und als fulminantes Spiel. Wir experimentieren mit TENNIS als Mechanismus der Erregbarkeit, in dem es nur darum geht, die Gegenspielerin aus der Form laufen zu lassen. Der Tenniscourt interessiert uns als hypersymbolischer Ort, der durchzogen ist von Systemen von Macht und Kontrolle: Wer darf sich wie verhalten? Wem glauben wir? Die Regeln des Spiels, angeblich für alle gleich, werden je nach Person, die sich auflehnt, ganz unterschiedlich bewertet. Im Tennis gibt es dafür unzählige Beispiele, man vergleiche nur den Wutausbruch eines John McEnroe (dessen Schimpftiraden wir in edle Countrysongs verwandelt haben) mit der Aufbegehr einer Serena Williams, und siehe da, wie lange der white Dude ununterbrochen wüten darf, während bei der zornigen Schwarzen Frau jahrtausendealte Stereotype schnellstmöglich wieder reaktiviert werden… WESTERN beschäftigt uns als Genre, in dem Rival*innenschaft und Polarisierung überdeutlich zu Tage treten und gefährlich werden. Eine Verquickung der beiden Genres Tennis und Western ermöglicht der Performance, Achsen weißer Privilegiertheit und Kontrolle sichtbar werden zu lassen und durch Überkonkretisierung ad absurdum zu führen, sie aber auch lustvoll zu überschreiben und neu anzueignen. Trauer als Praxis _________________________________________________________ Natalie Assmann: DANUBE REQUIEM – a hyperrealistic drama 29. / 30. April 2026 & 01. / 02. Mai 2026 | 19.30 Uhr Performance / Uraufführung | Saal _________________________________________________________DANUBE REQUIEM – a hyperrealistic drama ist eine moderne Requiem-Form für Europas zweitgrößten Fluss – ein zeitgenössisches Musiktheater, das die Donau nicht als Landschaft, sondern als verletztes Wesen begreift. In einer nahen, nicht mehr lesbaren Zukunft, in der der Fluss versiegt ist, folgt ein Kollektiv von Spieler*innen den Spuren der „schönen blauen Donau“ und sucht nach dem, was von ihr geblieben ist. Ausgehend von ökofeministischen Diskursen und dem Symposium Ecofeminist Practices in Art & Activism, welches im Oktober 2025 im WUK stattfand, entwickelt Natalie Assmann gemeinsam mit der Komponist*in Urška Preis, Theoretikerin Sophie Lingg sowie der Künstlerin Noushin Redjaian eine hyperrealistische, klangbasierte Aufführung über das Leben und Sterben der Donau. Die Komposition dekonstruiert die klassische Requiem-Liturgie und verschränkt sie mit volkstümlichen Donau-Referenzen in einem zeitlosen elektroakustischen Raum. Die Spieler*innen Tala Al-Deen, Michaela Kapar und Sascha Anna Schall verhandeln die Biografie der Donau ebenso wie eigene Prägungen durch Religion, Gewalt und Zerstörung – als körperliche und historische Erfahrung. Von der Quelle über Wien bis zur ehemaligen Mündung folgt die Erzählung dem Flusslauf und entwirft eine performative Kartografie aus Erinnerungen, Verlust und widerständigen Gegenwartsspuren. Die Auseinandersetzung mit individuellem und kollektivem Schmerz über die fortschreitende Zerstörung multipler Welten in einer spätfaschistischen Gesellschaft öffnet einen Raum für Erlösung – nicht als Trost, sondern als Praxis. DANUBE REQUIEM wird so zu einem immersiven Gefüge, das von der Überzeugung getragen ist: Erst wenn Verlorenes betrauert wird, kann Lebendiges geschützt werden. Die drei Produktionen beschäftigen sich mit herausfordernden und fragilen Wirklichkeiten, schaffen Raum für darin entstehende komplexe Gefühle und nutzen diese, für ihre kritische Dekodierung. Wir freuen uns auf Euer Kommen. Herzliche Grüße, Andreas, Phädra und Anežka |