Formen der NäheDie kommenden Produktionen beschäftigen sich mit Blicken, Bildern und Erinnerungen, mit Körpern und Geschichten, die sich nicht festschreiben lassen. Im Zentrum stehen persönliche Erfahrungen und kollektive Prozesse, Popästhetiken und dokumentarische Stimmen. Die Arbeiten öffnen Räume, in denen Bedeutung beweglich bleibt und Beziehung im Dazwischen entsteht. Entsexualisierung des BlickesIn violet glace entwirft Flóra Boros einen bewusst ambivalenten Raum. Das Solo lädt dazu ein, einen Blick zu erproben, der verweilt, ohne zu vereinnahmen. Ausgehend von Popbildern der 90er- und 2000er-Jahre werden vertraute Bewegungen wiederholt, verschoben und entleert. Der Körper darf präsent sein, ohne Objekt zu werden. violet glace bringt asexuelle Perspektiven ins Zentrum und öffnet zugleich jene sensiblen Zonen, in denen Wahrnehmung unscharf wird. Queere Stimmen über Generationen hinwegIn der Theaterperformance Love Me Tender, Love Me Queer versammelt das Kollektiv Blind Date Collaboration Stimmen aus Interviews mit queeren Personen unterschiedlicher Generationen. Vier Performer*innen verbinden dokumentarisches Material mit Popsongs und neu interpretierten Musikvideos. Erinnerungen bleiben fragmentarisch, widersprüchlich, unvollständig. Dominante Liebesnarrative werden umgeschrieben und ikonische Bilder neu gelesen. Zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung entsteht ein offener Strom queerer Erfahrungen. Dieses Interview gibt Einblicke in den Entstehungsprozess: von der intensiven Auseinandersetzung mit persönlichen Geschichten über die Verantwortung beim Umgang mit den Interviews bis hin zu den Potenzialen generationenübergreifender Dialoge. Mit: Nora Jacobs, Frederik Marroquín, Lara Sienczak, Florian Tröbinger, u. a. Feiern als politische PraxisIn PARTY! untersucht Luigi Guerrieri das Feiern als Strategie im Umgang mit Überforderung. Die Solo-Performance bewegt sich zwischen Exzess und Erschöpfung, Humor und Ernst. Tanz wird zur körperlichen Reaktion auf widersprüchliche Zeiten. Die Musik entsteht live aus der Stimme des Performers. PARTY! fragt danach, was vom Feiern bleibt und welche Formen von Gemeinschaft darin sichtbar werden. Die drei Produktionen verbindet eine Aufmerksamkeit für Körper, die sich normativen und gelernten Bildern widersetzen. Für Erinnerungen, die offen bleiben. Für kollektive Zustände, die aus vielen Einzelnen entstehen. Theater wird hier zu einem Ort geteilter Erfahrung. Ein Raum, in dem Wahrnehmung verhandelt wird und sich verschieben darf. Herzliche Grüße, Andreas, Anežka und Rebekka |