MEGA (Make Europe Great Again)

Europavox Vienna 2016 / Giungla (c) Elisabeth Anna
(c) Elisabeth Anna

MEGA (Make Europe Great Again)

Europavox Vienna 2017

Das WUK hat sich mit dem Europavox verpartnert. Um nicht nur von europäischer Kooperation zu reden. Das beschert Wien ein rumänisch-österreichisch-französisches Lineup.

Puh, beinahe wäre Europa den Bach runter gegangen, das war knapp. Beinahe kein Euro mehr, neue Grenzkontrollen und gleich hinter dem Staatsgebiet wieder teuer telefonieren. Aber M&M haben Europa noch einmal herumgerissen, Merkel und Macron. Und damit auch das historisch einmalige Friedensprojekt belebt. Im Zweifelsfall sind die Menschen eben doch dafür, dass man einander besser kennen lernt und die Kulturen dieses Kontinents. Früher brauchte man dafür Pässe und Papiere, Wechselgeld, Wertkarten und immer wieder auch Visa. Heute geht das so einfach wie noch nie, eine Band aus Rumänien kann in fünf Stunden mit dem Auto in Wien sein.

Moonlight Breakfast ist so eine Band, die es ohne das moderne Europa nicht geben würde. Die drei Mitglieder sind in Rumänien geboren und waren schon dort schnell erfolgreich. Vor etwa drei Jahren sind sie wegen ihrer Großeltern nach Wien gezogen, die bereits hier lebten. Seither touren sie von Wien aus mit ihrem elektrisch swingenden Soul durch Österreich, Frankreich oder den Karpatenraum. Anfang November werden Moonlight Breakfast nun beim Europavox Vienna im WUK auftreten. Mit dabei sind auch die Wiener Ogris Debris und Jacques, der nomen-est-omen aus Frankreich einfliegt.

Moonlight Breakfast
Moonlight Breakfast
Ogris Debris (c) Andreas Waldschütz
Ogris Debris (c) Andreas Waldschütz

Das Europavox muss man nun vielleicht ein bisschen erklären. Vor elf Jahren wurde das Festival in Clermont-Ferrand gegründet, mitten in Frankreich am Rand des Massif Central. Von Anfang an war das Ziel, die ganze Bandbreite europäischer Musik zu zeigen, nicht nur ein paar etablierte, britische Gitarrenbands mit lokalem Vorprogramm. Clermont-Ferrand liegt dabei ziemlich einsam und abseits der üblichen Routen großer Bands, vielleicht konnte sich das Konzept hier deshalb so gut entfalten. Man hat sich früh um internationale Kooperationen bemüht, hat kleine Ableger in andere europäische Städte geschickt. Letztes Jahr wurde die Idee noch ausgeweitet. Mehr Partner, mehr Events und dazu eine neue Website europavox.com, auf der mehr als 50 Journalistinnen und Journalisten aus ganz Europa über die Musik schreiben, die in ihrer Heimat gerade die Decke durchbricht.

Wie beispielsweise der Wandl. Nachdem Wandl letztes Jahr noch für Crack Ignaz und LGoony die Speerspitze von deutschsprachigem swaggy Rap produziert hatte, wurde heuer kurz vorm Sommer sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Letztens war die Canisiuskirche in Wien so voll wie sonst nur zu Weihnachten, als Wandl vor einem hell leuchtenden LCD-Kreuz live gespielt und dazu wie ein junger Engel gesungen hat. In Clermont-Ferrand übergab man ihm die Hauptbühne in einer Halle, die locker 3.000 Leute fasst. Stuttgart, Splash Festival, Bern oder Niedersachsen standen außerdem auf dem Tourplan. Das Europavox hatte ihn auf seiner Website ganz besonders empfohlen.

Europavox Vienna 2016 / Steaming Satellites (c) Elisabeth Anna
Europavox Vienna 2016. Auf der Bühne vor einem vollen Haus: Steaming Satellites. (c) Elisabeth Anna

Auch für Ogris Debris wurden die Hebel in Bewegung gesetzt. Denn ja, Qualität setzt sich durch, aber wenn es Katalysatoren gibt, kann es eben deutlich schneller passieren. Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass das Duo mit dem Song „Mietzekatze“ am Höhepunkt der Deep-House-Welle einen veritablen Clubhit landen konnte. Seither gab es eine Serie erstklassiger Singles, auf ein Album musste man aber lange warten – bis letztes Jahr „Constant Spring“ veröffentlicht wurde. Das hat noch einmal für Schub gesorgt. Ogris Debris wurden deshalb von Europavox-Partnern nach Brüssel eingeladen, ganz im Sinne der transeuropäischen Kooperation. Und so schlecht dürfte es nicht gewesen sein. Heuer wurden sie nicht nur nach Clermont-Ferrand geholt, um dort eine Solo-Show zu spielen, für das Europavox Vienna waren sie ebenfalls die logische Wahl.

Und vielleicht entsteht sogar eine Freundschaft zwischen dem Duo und Jacques, der das das Lineup in Wien vervollständigt. Der Ansatz der beiden ist durchaus vergleichbar, beide nehmen sich Tanzmusik und drehen sie ein paar Male um die eigene Achse. Die Grooves und Rhythmen klingen bekannt, aber dahinter wird immer experimentiert, im Songaufbau, der Dynamik oder mit Sounds. Nicht um des Experiments willen, sondern für Hörerinnen und Hörer, die sich zu housigen Songs nicht einfach nur die Nasenschleimhaut wegziehen wollen. Beide schreiben Songs mit Witz, bei Jacques ist nur rein äußerlich schon klar, dass er selbst mit Klamauk kein Problem hat. Der Scheitel ist rasiert. Seine Single „Dans La Radio“ erschien mit Versionen in Russisch, Esperanto, Arabisch und Mandarin.

Als eine Gruppe von Journalisten beim heurigen Europavox diskutierte, ob der Euro denn vor allem Gutes gebracht habe, war die spontane Antwort, natürlich, in einem derart verflochtenen Wirtschaftsraum sei Krieg viel schwerer möglich. Aber, aber, so eine Journalistin aus Bosnien, das dachten sich auch viele in Jugoslawien, es gab die gemeinsame Währung, bis der Bürgerkrieg ausbrach und die Union zerfiel. Ja, bumm. Garantien gibt es natürlich keine, dass Menschen nicht lieber gegeneinander Krieg führen statt gemeinsam Lieder zu singen. Aber solange es heute so einfach möglich ist, dass Bands aus Rumänien, Frankreich und Österreich dieselbe Bühne teilen, solange machen wir als Europäer_innen etwas richtig.

Text: Stefan Niederwieser

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