Wir haben noch lange nicht genug!

Wir haben noch lange nicht genug!

Feminismus als Selbstverständlichkeit

Von Andrea Salzmann

Und nochmal von vorne:
"Feminist art was neither a style nor a movement but instead a value system, a revolutionary strategy, a way of life." Lucy R. Lippard

Von vorne:
„Feministische Kunst ist eine Kunstbewegung. Der Begriff entstand Ende der 1960er Jahre in den USA (feminist art). In der Feministischen Kunst befassen sich Künstlerinnen explizit  mit weiblicher Identität sowie kollektiven Erfahrungen von Frauen und setzen sich mit konventionellen Geschlechterkonstruktionen und Kunstnormen auseinander.“
(Wikipedia, Version vom 20. März 2017)

Und nochmal von vorne:
"Feminist art was neither a style nor a movement but instead a value system, a revolutionary strategy, a way of life." Lucy R. Lippard

Und nochmal von vorne:
Jetzt stellen wir uns einmal vor, es gäbe kein Patriachat mehr und im selben Augenblick würde auch die heilige Heteronormativität ihren letzten Atemzug tun und ihre Wirkmächtigkeit aushauchen. Dieses Gedankenexperiment, das in seiner durchdachten Konsequenz eine Wirklichkeit ungeahnter Möglichkeiten entstehen lässt, ist zu verlockend, als dass es nicht zumindest in der Imagination immer wieder auftauchen muss.

Und nochmal von vorne:
"Feminism is for everybody." bell hooks
 

Guerilla Girls (c) Lotte Hendrich-Hassmann
(c) Christian Helbock


In Wien ist historisch gesehen der Verein bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) die erste solche Vereinigung. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, dass weiblichen Künstlerinnen die Aufnahme in die Secession verweigert wurde. Weitere ähnliche Vereinigungen wurden seither gegründet und bestehen bis heute – wie etwa das Künstlerinnennetzwerk IntAkt. Es muss anstatt der oft gerühmten „Boys Clubs“ viel mehr solcher Vereine, Zusammenschlüsse oder Freund*innenkreise geben,  die sich gegenseitig pushen und unterstützen, um den gemeinsamen Forderungen Gehör zu verschaffen.

Und nochmal von vorne:
"I think it is right I am paid the same as my male counterparts. I think it is right that I should make decisions about my own body. I think it is right that women be involved on my behalf in the policies and decisions that will affect my life. I think it is right that socially, I am afforded the same respect as men." Emma Watson

Und nochmal von vorne:
Was, wenn der Kunstmarkt nicht mehr die Speerspitze des Konkurrenzkapitalismus wäre? Und wenn es sowohl mit der freiwilligen Selbstausbeutung ein Ende hätte, als auch mit dem offenbar immer noch wirksamen Versprechen, dass, wenn nur hart genug gearbeitet wird, der Erfolg regnen werde?

Wir würden uns in einer Utopie befinden, deren Ausmaß nur schwer abzuschätzen ist. Genau darum: müssen Produktions- und Entstehungsbedingungen immer auch integrativer Bestandteil des Werks sein. Der Entwicklungsprozess ist ebenso Teil der fertig gestellten Arbeit, wie das durch die Rezeption stets in Entstehung begriffene Werks selbst. Was dabei auch nicht außer Acht gelassen werden soll, ist die Frage: Wie kann sich frau* in diesem Geflecht aus Markt, Macht und Männlichkeit verhalten, um sich in möglichst vielen Lücken und Löchern möglichst breit zu machen?

Und nochmal von vorne:
„I am a feminist. I’ve been a female for such a long time. I’d be stupid not to be on my own side.“  Maya Angelou

Und nochmal von vorne:
Auf die Frage, ob ich Feministin bin, antworte ich: Was denn sonst? Strukturelle Unterdrückung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen muss benannt und bekämpft werden. Es braucht auch keine gönnerhaften weißen Männer, die uns Frauen aus aller Welt beschützen! Es braucht die Frauen selbst, die das Wort ergreifen! Und die gibt es. Nur bitte genau hinhören. Feminismus ist nicht altmodisch oder überholt. Ja, Frauen haben das Wahlrecht. Ja, es gibt Frauen in Führungspositionen. Und ja, jedes dritte Kunstwerk, das ein deutsches Museum erwirbt ist von einer Frau. Kein Zufall allerdings, dass die männlichen Künstler dabei 10.000 Euro verdienen, während Künstlerinnen im Schnitt nur 6.400 Euro bekommen.

Soviel also zur viel zitierten Gleichberechtigung, die wohl noch länger auf sich warten lässt. Nein, wir müssen den Feminismus nicht abschaffen. Im Gegenteil. Und „sich selbst überholt“ - wie das immer wieder angemerkt wird - hat er sich leider auch noch nicht.

Und nochmal von vorne:
I'm tough, I'm ambitious, and I know exactly what I want. If that makes me a bitch, okay." Madonna

Und nochmal von vorne:
Gorilla Girls ist nur eine Gruppe, die auf die ungleiche Verteilung von Frauen in der Kunstwelt aufmerksam macht - durch Interventionen, Publikationen und gezielte Kampagnen. Ihre Kunst zeigt Fakten auf und setzt dem Ungleichgewicht klare Zahlen entgegen. "Women in America earn only 2/3 of what men do. Women artists earn only 1/3 of what men do." Die Gruppe zeichnet sich durch ihre gemeinschaftlichen Aktionen aus, aber es gibt auch andere Vereinigungen, in welchen sich Künstler*innen zusammenschließen - und vielleicht zwar keine gemeinsame Kunst produzieren, sich aber in Fragen der Repräsentation und gegenseitigen Förderung unterstützen.

Und nochmal von vorne:
Feministische Positionen der 1970er Jahre haben zum Teil ihren Einzug in den Kunstkanon gefunden. Aber der viel größere Teil ist nur wenigen bekannt. Als künstlerische Ausdrucksmittel haben viele die - damals noch neuen - Medien Fotografie, Video und Performance verwendet. Auch der eigene Körper wurde eingesetzt und somit zur Verhandlungsfläche erklärt. Identitäre Kategorien wie Mutter, Hausfrau, Ehefrau - aber auch weibliche Sexualität oder die aus Funk und Fernsehen bekannten Schönheitsideale waren und sind Themen feministischer Kunst. Dabei ist feministische Kunst oft cyborgisch ironisch, wunderbar kritisch und manchmal auch pragmatisch poetisch. Es ist noch lange nicht genug.

¡Vamos!


Andrea Salzmann lebt und arbeitet als Performancekünstlerin und Dramaturgin in Wien. Eine ihrer zentralen Fragestellungen konzentriert sich auf gesellschaftliche Zusammensetzungen und die damit einher gehenden politischen Veränderungspotentiale. Der Fokus liegt dabei nicht auf einer Gesellschaft, die ihr verbindendes Moment durch Angst und Panik vor dem Anderen definiert, sondern im Gegenteil in einer Öffnung von Debatten, Diskursen und politischen Handlungsweisen. Die dafür eingesetzten Materialen und Bezüge sind sehr vielfältig und bewusst nicht nur einem Genre zuzuordnen.

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