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(c) Romain Thiery
Performance, Tanz, TheaterMusikFestivalKonzertPerformanceTanzTheater

Musiktheatertage Wien 2019

Die MUSIKTHEATERTAGE WIEN sind ein international ausgerichtetes Festival für zukunftsorientierte musikdramatische Projekte. 
Das Festival hat sich seit seiner Gründung 2014 erfolgreich als eine wichtige Erweiterung zu den zeitgenössischen Formaten der Opernhäuser, frei produzierenden Gruppen und internationalen Musikfestivals in Wien und Österreich etabliert und sich als Ort für neue Musiktheater-Arbeiten mit hoher Formfreiheit positioniert. 

Das jährlich im September für zwei Wochen stattfindende Festival führt in seinem Programm künstlerische Eigenproduktionen und Kooperationsprojekte mit nationalen und internationalen Partner_innen in einem gesellschaftsrelevantem Themenschwerpunkt zusammen. 
Mit der Vergabe von Kompositions- und Werkaufträgen positionieren sich die Musiktheatertage Wien als Uraufführungsort neuer Arbeiten im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters. Darüber hinaus hat sich das Festival mit Gastspielen renommierter Ensembles und Vernetzungsimpulsen im Bereich der internationalen Musiktheaterschaffenden etabliert.

Mythos Zivilisation

Der Begriff MYTHOS in Kombination mit ZIVILISATION: damit wird nicht der wissenschaftlich- technische Fortschritt der Menschheit und seine daraus hervorgegangenen Kulturleistungen der modernen Gesellschaft (westlicher Prägung) angezweifelt - wohl aber seine Intention und der postulierte Dienst zum Wohle der Menschheit. Die Rede von „Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Friede und Wohlstand für alle“ als Ziel dieser zivilisatorischen Bemühungen ist ja derart vielzitiert, dass ihr die Glaubwürdigkeit bereits abhanden gekommen ist. Doch, wenn das alles nur eine groß angelegte Täuschung ist, wer hat sie initiiert und zu wessen Nutzen?

Dem Festivalthema MYTHOS ZIVILISATION der MUSIKTHEATERTAGE WIEN liegt daher die Frage nach Un- bzw. Halbwahrheiten zugrunde, der sich die Menschheit und im Besonderen die westliche Kulturgemeinschaft bedienen, um Unrecht, Ausbeutung und Ungleichheit zu legitimieren. Nicht alle Festival-Produktionen befassen sich mit Zivilisation. Einige sind schier unzivilisiert.

Die zivilisierten first, jetzt vortreten:

In LIES of CIVILIZATION wird gleich in vier neuen Musiktheater-Kompositionen die Frage nach erfolgreichen Konzepten des Selbstbetrugs der westlich aufgeklärten Gesellschaft gestellt.
Die Produktion DE*CIVILIZE ME! befragt den menschlichen Körper nach seinen zivilisatorischen „Imprägnierungen“ und den Mechanismen der Implementierung von Normen und Werten. Der Grad zwischen Seele und Trieb ist ein schmaler.
In UTOPERAN19 - Mütter's Civilisation werden „Irgendwo über dem Regenbogen“ Utopien gesichtet, befragt, wieder verworfen: Utopien vom besseren Leben, eben!
Auch die Produktion OPERA of TIME ist als multimediales Musiktheater dem MYTHOS ZIVILISATION auf der Spur. Die Weltwahrnehmung der gegenwärtigen Menschheit verschiebt sich durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche und lässt die Zeit zum Maß aller Dinge werden.
Die Suchtpräventionsoper TRINKERPARK schließlich hält unserer hochzivilisierten Kultur- und Wohlstandsgemeinschaft den Spiegel ihres doppelgesichtigen Umgangs mit dem Rauschmittel Alkohol vor.
Schließlich sind performative und installative INTERVENTIONEN an den ungewöhnlichsten Orten des neuen Festival-Orts WUK Wien ins Festival eingeflochten. Sie setzen sich auf „höchst nebensächliche“ Weise mit der Brüchigkeit und dem Selbstbetrug des fortschrittsgläubigen Zivilisationsdenkens auseinander.

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