Jahresprogramm 2010

/headquarters/ aus /unofficial/ von Lucia Nimcova, 2007 (Bless my homeland forever, 2010) / Ausschnitt
tisch im raum lädt Achim Lengerer
Dialogpartnerin: Tanja Widmann
Ausstellung: 14.01. – 22.01.2010
Eröffnung, Dialog, Esstisch: Mittwoch, 13.01.2010, 19.00 Uhr
Pictures exemplify quite nicely the Exhibition as an Event from afar – Version Vienna:
In seiner Präsentation verweist Achim Lengerer auf die Kunsthalle Exnergasse-Ausstellung Blows into the microphone: Is it all right? Voice off mike: It's all right. Pause. aus dem Jahre 2006. Nach dem Kölnischen Kunstverein und der Transmission Gallery in Glasgow ist Wien die dritte Station der Ausstellungs- und Performance-Serie Pictures exemplify..., in der Lengerer auf eigene vergangene Ausstellungssituationen zurückschaut, dabei aber deren Format und Gestalt aufhebt, verwandelt und sich selbst als Betrachter der eigenen Arbeitspraxis inszeniert.
tisch im raum ist ein sich wiederholendes Ausstellungsformat, konzipiert als Versuchsanordnung, als Dialograum und Esstisch-Landschaft, das in ausstellungsfreien Zwischenräumen der Kunsthalle Exnergasse (selbst) interveniert und veranstaltet. Gäste, die zu Phänomenen und Begrifflichkeiten des Kunstfeldes arbeiten, zeigen eine für ihre Arbeit relevante künstlerische Position und führen darüber einen Dialog mit einem weiteren Gast. Anschließender Esstisch mit dem Publikum im Ausstellungsraum.
Konzeption: Andrea Löbel, Lina Morawetz, Klaus Schafler
TELLING STORIES
Ausstellung: 05.02. – 06.03.2010
Eröffnung: Donnerstag, 04.02.2010, 19.00 Uhr
Bruce Conner, Christoph Draeger & Reynold Reynolds, Melik Ohanian, Kon Trubkovich, Adam Vackar
Kuratorin: Cathy Larqué
Storytelling trat in der Politik das erste Mal unter Ronald Reagans Präsidentschaft in den 1980er Jahren in Erscheinung. Als Reaktion auf die unaufhaltsame Kommunikationsflut und Ausbreitung der Massenmedien entwickelte sich jenes innere Kontrollsystem, das auf Szenarien und zotige Anekdoten baute und bald an die Stelle sachlicher Argumentation in offiziellen Ansprachen trat.
Mit einer Geschichte kann man verführen oder überzeugen, Einfluss auf das Publikum ausüben. Dabei wird auch Information ausgetauscht oder verbreitet, werden Praktiken und Know-how konfiguriert, Inhalte formalisiert, Ansichten und Berichte formatiert. Es bildet sich ein diskursiver Rahmen oder, nach Michel Foucault, eine „Disziplin“. Diese Disziplin scheint nun ein Paradigma der kulturellen Revolution des Kapitalismus geworden zu sein, eine höchst erfolgreiche narrative Methode, die die unterschiedlichsten Bereiche menschlichen Handelns bedient und formt.
In einem solchen Kontext, wo zwischen Fiktion und Tatsachen kein Unterschied mehr existiert, sind wahrscheinlich KünstlerInnen die Einzigen, die die Geschichte(n) des wirklichen Lebens neu erfinden können, indem sie eine befreiende Gegen-Narration entwerfen. KünstlerInnen sind in der Lage, von der Flut der Bilder und Informationsübersättigung einen Schritt zurückzutreten, sich historischen Fakten und wahren Begebenheiten zuzuwenden, die Grundmechanismen der Medien-Maschine zu analysieren und diese gleichzeitig zu benutzen. Kunst ist wohl die geeignetste, und wohl auch letzte Möglichkeit, einen Weg zurück zu elementaren Ideen zu weisen und eine wahre Geschichte zu erfinden, die von der Menschheit für die Menschheit.
Make the Most of Now
Ausstellung: 25.03. – 24.04.2010
Eröffnung: Mittwoch, 24.03.2010, 19.00 Uhr
Manon de Boer (NL), Keren Cytter (ISR), Yael Davids (ISR), Edith Dekyndt (B), Katja Gretzinger (GER), Lina Grumm (GER), Alexander Hempel (GER), Paul Hendrikse (NL), Joachim Koester (DAN), Hans Christian Lotz (GER), Yvonne Rainer (USA), Eran Schaerf (ISR), Jochen Weber (GER)
Kurator: Max Benkendorff
Die Ausstellung Make the Most of Now nimmt ihren Ausgang in der Frage, welchen Spielraum zeitgenössische künstlerische Praktiken bieten, sich diesem Imperativ von Unmittelbarkeit affirmativ zu entziehen, ihn performativ zu verschieben oder die Erwartungen kritisch zu unterlaufen.
Dabei aber liegt der Fokus in den versammelten Arbeiten zugleich darauf, zu erkunden, welche anderen Formen und Erzählweisen „großer Gefühle“, andere Verknüpfungen von Affekt, Begehren und Wünschen (damit auch andere Formen von Subjektivität, Erinnerung und Gegenwart) jenseits des zumeist bipolar verstandenen Gegensatzes von „Authentizität“ und ihrer vermeintlichen medialen Verkehrung möglich und vorstellbar sind.
An der Grenze von Repräsentation und unmittelbarem Erleben, von Leben und Fiktion, zwischen Inszenierung und Wirklichkeit, Intensität und Effizienz, geht es um Deutung und Definition dessen, was man „das Jetzt“, „das Leben“ oder auch „die Gegenwart“ nennen mag, oder zumindest was man daraus zu machen in der Lage ist.
No more bad girls?
Ausstellung: 07.05. – 11.06.2010
Eröffnung: 6. Mai 2010, 19.00 Uhr
Rahmenprogramm:
8. Mai 2010, Panel Discussion mit Edith Futscher
Arahmaiani (Indonesien), Patty Chang (USA), Nezaket Ekici (Türkei/Deutschland), Judith Fegerl (Österreich), Regina José Galindo (Guatemala), Chitra Ganesh (Indien/USA), Mathilde ter Heijne (Niederlande/Deutschland), Maryam Jafri (Pakistan//USA/Dänemark), Agnes Janich (Polen), Nadia Khawaja (Pakistan), Elena Kovylina (Russland), Nomusa Makhubu (Südafrika), Elodie Pong (Schweiz), Larissa Sansour (Palästina/Dänemark/UK), Ene-Liis Semper (Estland), Andrea Sunder-Plassmann (Deutschland), Newsha Tavakolian (Iran)
Kuratorinnen: Kathrin Becker und Claudia Marion Stemberger
Die Frage No more bad girls? eröffnet Perspektiven auf zeitgenössische Künstlerinnen, die nicht mehr alleinig Geschlechterbinaritäten reflektieren, sondern parallel auch multiple, prozessuale Identitätskategorien, wie migrantische Lebenssituation, sexuelle Orientierung, religiöse Zugehörigkeit oder ethnische Herkunft offen legen. Im kritischen Bewusstsein eines hegemonialen weißen kanonischen Feminismus entfaltet das Ausstellungsprojekt daher Dimensionen einer Zersetzung kulturell überformter Stereotypen von Weiblichkeit, die fern suggerierter zeitlicher Entwicklungsstufen auf die heterogenen, räumlichen Kontexte verweisen.

Bless my homeland forever
I, too, will try to forget...
Ausstellung: 16.09. – 16.10.2010
Eröffnung: Mittwoch, 15.09.2010, 19.00 Uhr
Panel Diskussion : Donnerstag, 16.09.2010, 18.00 Uhr
A2 company (Alit Kreiz and Anton Mirto), Javier Bernasconi, Omar Estela, Marcelo Montanari, Marcela Oliva, Luciano Parodi, Stefan Constantinescu, Yael Farber, Lamia Joreige, Werner Kaligofsky, Ioana Marinescu, Karoline Mayer, Lucia Nimcova, Cora Piantoni, Rastko Novakovic und Ger Duijzings, Nada Prlja, Susan Silas
Konzept und Organisation: Ioana Marinescu und Karoline Mayer
Inwieweit ist unsere Identität vom Bewusstsein über unsere Geschichte geprägt?
Um die Zukunft annehmen zu können, müssen wir die Vergangenheit verstehen, und wie uns diese geprägt hat? Wie legitim ist die Redensart „vergeben und vergessen“?
Es ist ein natürlicher, menschlicher Prozess, unangenehme Tatsachen aus dem Gedächtnis und damit aus dem Selbstbild auszublenden. Gleichzeitig illustriert vor allem zeitgenössische Kunstpraxis klar unser Bedürfnis, herauszufinden und zu verstehen, wo wir wirklich herkommen.
Um die österreichische Tendenz, die Vergangenheit zu trivialisieren, und die daraus resultierenden Probleme der Gegenwart in Kontext zu bringen, haben wir eine Reihe von internationalen Künstler/innen eingeladen, sich unserem Gespräch über Erinnerung und Gedenken als grundlegende Bestandteile eines Heilprozesses anzuschließen. Formuliert mittels unterschiedlicher Medien, befassen sich die Projekte mit Geschichte und Erinnerung in verschiedenen Maßstäben, vom persönlichen zum kollektiven - und deren Einfluss auf unsere Identität.
Kritische Komplizenschaft / Critical Complicity
Ausstellung: 11.11. – 18.12.2010
Eröffnung: Mittwoch, 10.11.2010, 19.00 Uhr
Vorläufige KünstlerInnenliste:Alterazionivideo, Sabine Bitter und Helmut Weber, Galeria Chilena, Emma Hedditch, Ahmet Ögüt, Tanja Ostojic, Dexter Sinister, The Bruce High Quality Foundation
Kuratorinnen: Lisa Mazza, Julia Moritz
Komplizenschaft ist eine mikrogemeinschaftliche Allianz, die an den Rändern etablierter Ordnungssysteme operiert. Ihr kritisches Potenzial entsteht durch die Vielfalt subversiver Handlungsmodelle in der Grauzone unlauterer Übereinkünfte. KünstlerInnen, KuratorInnen, KritikerInnen, KonsumentInnen – die Fülle einnehmbarer Positionen verkompliziert die Kollektivität und multipliziert die Widersprüche der Komplizenschaft. Fünf Aspekte des alternativen künstlerischen Denkens und Handelns generierten das Konzept von Kritische Komplizenschaft / Critical Complicity: Die Übergänge von Makro- und Mikrogemeinschaft; das Spannungsfeld legal/illegal; Affekt und Verführung; der Moment der Interdependenz; sowie der Einsatz taktischer Medien. Doch nur die Vernetzung jener Felder untereinander kann der Komplexität kritischer Komplizenschaft gerecht werden. Den TeilnehmerInnen des Ausstellungsprojekts ist daher das Anliegen der Dekonstruktion des Singulären gemeinsam.