Gehe zu Menü 1. Ebene Menü 2. Ebene Menü 3. Ebene Inhalt Heutige Termine Nächsten 3 Tage Diese Woche Nächsten 2 Wochen Dieses Monat Nächste 2 Monate

WUK Umweltblog

Rasen Am Ring 2009 - ein Rückblick

Posted @ 11/30/2009 2:34 PM By Wolfgang Rehm

Veröffentlicht in [Umwelt], [Verkehrspolitik] | 0 Kommentare

Seit 2007 gibt es einmal im Jahr die Aktion Rasen Am Ring. Wie zumindest für in Wien Ortskundige am Namen unschwer erkennbar ist, findet diese auf der Wiener Ringstraße statt. Die Raserei auf den Straßen, die „Raserei“ der Verkehrspolitik, die keine Rücksichten kennt, auch wenn es beim Klimawandel noch so brennt - schließlich ist der Verkehr der „Klimakiller“ Nummer 1 - wird für einen Nachmittag durch ein Stück Rasenfläche am Ring ersetzt. Die dadurch eintretende Verkehrsberuhigung ist durchaus erwünscht. Sie schafft Platz, im neu geschaffenen Grün unbehelligt von Lärm und Autoabgasen den öffentlichen Raum zum Verweilen, zum Entspannen oder wie von den Veranstaltern empfohlen, für ein Picknick zu nützen. Der Kampf um den öffentlichen Raum ist ein weiteres Anliegen, dem sich Aktionen wie „Critical Mass“, Parkplatzesetzungen, „Gehzeuge“ oder eben „Rasen Am Ring“ verschrieben haben. Schließlich ist keineswegs gesagt, dass tatenlos zugesehen werden muss, wie Partikularinteressen (der motorisierte Individualverkehr), die es im Verlauf der Historie geschafft haben, sich große Teile des öffentlichen Raumes unter den Nagel zu reißen, diesen auch zukünftig dauerhaft als garantierte Erbpacht betrachten.

Rasen am Ring wurde von IG-Fahrrad, Critical Mass und VIRUS (WUK-Umweltbureau) ins Leben gerufen. Im Lauf der dreijährigen Geschichte sind weitere Organisationen als Unterstützung dazugekommen, darunter die WUK-Fahrradselbsthilfewerkstatt, Greenpeace und Global 2000, oekonews und die Arge Schöpfungsverantwortung. Treffenderweise findet die Aktion am autofreien Tag, dem 22 September statt.
Wer nun glauben würde, die bei solchen Reihen üblichen Abnützungserscheinungen wären auch hier unvermeidlich, wurde 2009 eines besseren belehrt. Die Veranstaltung war in jeder Hinsicht anders. Im Gegensatz zum verregneten Jahr 2008 gab es Traumwetter: die bisher größte Beteiligung in Gestalt mehrerer hundert Personen und die sonst nach dem Aufbau zu bemerkenden Anlaufschwierigkeiten blieben aus. Im Gegenteil: Binnen kürzester Zeit hatte eine vorbeikommende Seniorinnengruppe die bereitgestellten Liegestühle in Beschlag genommen und fühlte sich offenbar puddelwohl. Dies war nur ein Indiz für die zunehmende Selbstverständlichkeit, mit der generell das vorerst auf einen Nachmittag beschränkte zusätzliche Angebot angenommen wurde. Und noch etwas war anders: Mit beispielhafter Hysterie reagierten bereits im Vorfeld ÖAMTC, Wiener Stadtpolitiker aus Regierung und Opposition sowie die Bezirksvorsteherinn der Inneren Stadt auf die Versammlung am Ring. Eine (später vom Bürgermeister relativierte) Distanzierung durch den Verkehrsstadtrat und (auch gegenseitige) Beschuldigungen sorgten für ein erheblich gesteigertes Medieninteresse. Dass „Rasen am Ring“ erstmals an einem normalen Wochentag stattfand, trug sicher dazu bei. Ob dieses Zeter und Mordio verwunderlich: 2008 zur Fussball-Europameisterschaft waren größere Teile des Ringes für ganze 6 Wochen gesperrt! Trotz der damaligen „Unkenrufe“ waren die Auswirkungen positiv. Das Verkehrschaos blieb aus, Autofahrer wichen aus oder stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um, ein gewisser Anteil an vermiedenen Fahrten darf unterstellt werden. Wenn sich also die Ringstraße nach sechswöchiger Sperre keinesfalls als unverzichtbare Straßenverkehrsachse erwiesen hatte, sollte nun ein halber Tag zum Problem werden? Tatsächlich gab es auch 2009 kein Chaos, die mediale Berichterstattung pendelte dennoch je nach Blattlinie zwischen ausgebliebenem Chaos und Stillstand für ganz Wien. Vertreter der Autofahrerklubs und -parteien kampagnisierten ungerührt für Demoverbote. Den Vogel schoss allerdings der ÖAMTC ab, der einen zusätzlichen Ausstoß von 7,5 Tonnen errechnet haben wollte. Ganz abgesehen davon, dass einer derartige Bilanzierung eine seriöse Grundlage fehlt. Der Straßenverkehr ist eine der Hauptursachen dafür, dass Wien jährlich um bis zu 2,4 Millionen Tonnen über den Zielwerten bei den Treibhausgasemissionen liegt. Wegschauen macht die Situation offensichtlich nicht besser. So ist es schon sehr interessant, dass ausgerechnet die Organisation, die eifrig am Tabuisieren der „heiligen Kuh“ Auto arbeitet, wegen einer Aktion, die sich mit dem verkehrsinduzierten Klimaversagen nicht abfinden will, ein paar angebliche Tonnen an CO2-Äquivalenten mehr moniert, ihr aber gleichzeitig Millionen Tonnen zu viel völlig egal sind.

(WR)
 

Share this Post

Kommentare

Um mitzudiskutieren, müssen Sie sich einloggen!

There are no comments.